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| Archives | Archives fédérales suisses, Berne | |
| Cote d'archives | CH-BAR#E8009A#2010/248#1* | |
| Titre du dossier | 303.6 Informations-Notiz (an den Bundesrat ) vom 1995 bis 1997 (1995–1997) | |
| Référence archives | 303 |
| Archives | Archives fédérales suisses, Berne | |
| Cote d'archives | CH-BAR#E5004A#2014/94#1975* | |
| Titre du dossier | Kandidatur Olympische Winterspiele "Sitten-Wallis 2002": Allgemeines (1994–1995) | |
| Référence archives | 653.12-001 |
| Archives | Archives fédérales suisses, Berne | |
| Cote d'archives | CH-BAR#E4801.2#2004/5#374* | |
| Titre du dossier | Bundesratssitzung vom 16.8.1995, Teil 2 (1995–1995) | |
| Référence archives | 5 |
dodis.ch/73241Notiz des Delegierten des Bundesrats Keller1
Beurteilung der Kandidatur Sitten-Wallis für die Olympischen Winterspiele 2002
Ein Initiativkomitee traf 1993 erste Vorbereitungen zur Beurteilung einer Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2002 im Wallis. Das erste Konzept wurde durch Frau Bundesrätin Ruth Dreifuss in einem Schreiben vom 19.1.1994 begrüsst – mit der Auflage, dass die Initiative durch die Region getragen und die Spiele umweltschonend durchgeführt würden.2
Am 28.1.1994 akzeptierte das SOC die Bewerbung «Sitten-Wallis 2002» einstimmig als offizielle Kandidatur. Am 31.1.1994 lagen dem IOC 10 Bewerbungen vor. Mit dem Besuch der Spiele in Lillehammer vom 23.–27.2.1994 verschaffte sich Frau Bundesrätin Ruth Dreifuss mit einer Delegation ein wichtiges Bild von Olympischen Winterwettkämpfen.3 Nach den positiven Entscheiden des Generalrates von Sion (9.5.1994) und des Grossrates des Wallis (11.5.1994) beschloss der Bundesrat am 30.5.1994, die Kandidatur zu unterstützen, wenn sie durch eine Volksabstimmung gutgeheissen und der Anlass umweltschonend und auf der Basis der bestehenden Infrastruktur durchgeführt werde.4 Für die Kandidatur wurden 1,2 Mio. Franken gewährt. Eine Defizitgarantie wurde von der Zustimmung der Eidgenössischen Räte abhängig gemacht. Eine departementsübergeifende Arbeitsgruppe wurde eingesetzt, um die Leistungen des Bundes vorzubereiten.5 Am 12.6.1994 akzeptierte die Walliser Bevölkerung mit 61% die Kandidatur von «Sitten-Wallis 2002», so dass am 18.8.1994 das Dossier in Lausanne präsentiert werden konnte. Der Bundesrat verabschiedete die «Botschaft über die Änderung des Bundesgesetzes über die Förderung von Turnen und Sport sowie über eine Defizitgarantie des Bundes für die Olympischen Winterspiele 2002 Sitten-Wallis» am 7.9.1994 zuhanden der Eidgenössischen Räte.6
Infolge Abwesenheit von Frau Bundesrätin Ruth Dreifuss empfing Herr Bundesrat A. Ogi gleichentags eine Delegation des Kandidaturkomitees und die Schweizer IOC-Mitglieder, um eine nationale Geschlossenheit zu bewirken. Vom 18.–21.10.1994 inspizierte eine Evaluationskommission die Kandidatur von Sitten-Wallis.7 BR Dreifuss, Cotti und Ogi nahmen am offiziellen Empfang teil. Am 28.11.1994 akzeptierte der Ständerat (37:1) und am 14.12.1995 der Nationalrat (147:27) die Botschaft des Bundesrates.8 Am 16.1.1995 unterzeichneten der Regierungsrat des Kantons Wallis, die Gemeinde Sitten, das Kandidaturkomitee und vier Umweltschutzorganisationen den «Contrat nature». Am 24.1.1995 wählte das IOC aus den neun noch verbleibenden Kandidaturen die vier Finalisten: Östersund, Québec, Salt Lake City und Sion-Valais. Am 17.5.1995 empfing Frau Bundesrätin Ruth Dreifuss anlässlich der Sportministerkonferenz des Europarates in Lissabon die Vertreter von 11 europäischen Staaten, um die Kandidatur Sitten-Wallis 2002 vorzustellen.9 Im Rahmen der 104. Session des IOC in Budapest fand die Entscheidung statt. Der Bundesrat war vertreten durch Herrn Bundesrat A. Ogi und Frau Bundesrätin Ruth Dreifuss.10
Das IOC wählte am 16.6.1995 Salt Lake City im ersten Wahlgang mit 54 Stimmen (Sion 14, Östersund 14, Québec 7).11
2.1 Parlament, Bundesrat und Verwaltung haben zeitgerecht, stufengemäss und inhaltlich kompetent auf diese Herausforderung reagiert.
2.2 Alle Departementschefs lieferten die notwendigen «Garantien», die departementsübergreifende Arbeitsgruppe vernetzte das Denken der tangierten Verwaltung, das EDA unterstützte mit allen wichtigen Verbindungen die internationale Bekanntmachung, das EDI lenkte als Sportministerium die gesamte Operation erfolgreich und die Eidgenössische Sportschule Magglingen wirkte als Koordinator und Drehscheibe.
2.3 Die Kandidatur mobilisierte und band viele Kräfte. Sie war relativ erfolgreich, weil sie von der Gemeinde initiiert, durch den Kanton getragen und durch den Bund unterstützt wurde (– und nicht umgekehrt!).
2.4 Die klare Haltung von Gemeinde, Kanton und Bund war mitverantwortlich für ein starkes Sponsoring.
2.5 Das deutliche Engagement des Bundesrates wurde vom Kanton Wallis und von Sitten sehr geschätzt und wirkt sich auf die betreffenden Beziehungen positiv aus.
2.6 Die Beteiligung des Bundes mit 1,2 Mio. Franken ist hervorragende schweizerische Sport- und Tourismusförderung.
2.7 Die unmissverständliche Forderung der Departementschefin EDI nach «Volksabstimmung» und «Umweltschutz» haben das Resultat positiv beeinflusst.
2.8 Die etwas langsam aufkommende nationale Kampagne für die Kandidatur wurde durch den Bundesrat bei passenden Gelegenheiten sinnvoll und wirksam unterstützt.
2.9 Die notwendige geistige Auseinandersetzung mit dem Phänomen Hochleistungssport hat in Parlament und Bundesrat zum Teil neue Überlegungen entstehen lassen.
3.1 Das Kandidaturkomitee erwartete bei der Schlussabstimmung ein besseres Resultat. Man gab sich – vor allem in den letzten drei Monaten – einer gewissen Selbsttäuschung hin. Die eigene PR wurde teilweise als Gradmesser für die Prognose betrachtet.
3.2 Der klare Entscheid des IOC im ersten Wahlgang für Salt Lake City zeigte
– dass keine Zweifel gegenüber Salt Lake City herrschten
– dass der «Turnus der Kontinente» (Atlanta 96, Salt Lake City 2002) nicht zwingend zu sein scheint.
– dass organisatorische Unzulänglichkeiten der Sommerkandidatur (Atlanta 96) wenig Einfluss auf die Winterkandidatur haben
– dass eine langfristige Aufbauarbeit in der Kandidatur und in den Beziehungen (Vertrauen) notwendig ist
– dass eine gewisse «Einheit des Ortes und des Geschehens» gesucht wird
– dass wirtschaftliche Potenz und Sicherheit der Kandidatur eine gewisse Bedeutung haben
– dass die fertiggestellte Infrastruktur für alle Wettbewerbe das Resultat positiv beeinflussen kann
3.3 Das relativ gute Resultat von Sitten-Wallis kann folgendermassen interpretiert werden:
– die Volksabstimmung war positiv (61%)
– die Anlagen für die alpinen Wettbewerbe sind weltweit anerkannt
– die Schlussphase der Kandidatur zeigte Professionalismus und Enthusiasmus
– die IOC-Besuche wurden gut betreut und jedesmal mit einem persönlichen Willkommensschreiben von Frau Bundesrätin Ruth Dreifuss empfangen
– die Ernsthaftigkeit im Umweltschutz wurde wahrgenommen
– das EDA leistete über die Botschaften gute Arbeit
– der Präsident des Kandidaturkomitees (Gilbert Debons) baute ein beachtliches Beziehungsnetz auf
– die Präsentation in Budapest war inhaltlich und darbietungsmässig gut.
3.4 Als mögliche Erschwernisse für das Resultat von Sitten-Wallis können erwähnt werden
– die kurze Vorbereitungszeit
– die Dezentralisierung aller Wettbewerbe
– die Aufteilung des Athletendorfes
– die noch fehlenden Sportanlagen
– die Abstimmungsresultate bei der Volksabstimmung betreffend das Verbot der Rassendiskriminierung12
– die Haltung der Schweiz in internationalen Fragen, insbesondere in Europa
– die reduzierte Kommunikationszeit mit den IOC-Mitgliedern
– das noch etwas fragile Budget
4.1 Eine Kandidatur benötigt mehr Zeit. Die Termine sind durch das SOC frühzeitig festzulegen.
4.2 Für die räumliche Realisierung braucht es mehr Kompaktheit, ein «Zentrum des Geschehens».
4.3 Die Anlagen müssen fertiggestellt oder im Bau sein.
4.4 Die sport-touristische PR soll durch vorbereitende gute Anlässe langfristig und weltweit erfolgen.
4.5 Lokal-politisch begründete Kompromisse können eine Kandidatur erschweren.
4.6 Die Kontakte mit dem IOC müssen auf allen Ebenen unterhalten und gepflegt werden.
4.7 Es braucht eine nationale Grundüberzeugung für eine erfolgreiche Kandidatur Schweiz.
4.8 Die direkte Zusammenarbeit mit dem Umweltschutz ist positiv.
4.9 Der «Nachrichtendienst» über die Chancen/Schwächen der Kandidaten muss nüchtern und richtig sein.
4.10 Die Schweiz benötigt dringend eine Sportpolitik.
4.11 Eine «Öffnung der Schweiz» ist eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Kandidatur.
4.12 Eine Kandidatur in Europa benötigt den Kontakt mit europäischen Partnern, eine europäische Sportpolitik.
Ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Eidgenössischen Sportschule Magglingen und der departementsübergreifenden Arbeitsgruppe sowie dem Kandidaturkomitee Sitten-Wallis für die ausgezeichnete Zusammenarbeit.
- 1
- CH-BAR#E5004A#2014/94#1975* (653.12-001). Diese Notiz wurde vom Direktor der Eidgenössischen Sportschule Magglingen, Heinz Keller, unterschrieben. Die hier edierte Kopie wurde am 24. Juli 1995 vom Generalsekretär, Hans-Ulrich Ernst, und dem Chef der Stabsabteilung desGeneralsekretariats des EMD, Peter Marti, visiert. Die Notiz wurde bereits am 3. Juli 1995 als Beilage der Informationsnotiz des EDI an den Bundesrat weitergeleitet, vgl. dodis.ch/70386.↩
- 2
- Für die Unterstützung von Bundesrätin Ruth Dreifuss vgl. das Dossier CH-BAR#E5281-01#2005/151#200* (14-08-02).↩
- 3
- Vgl. den Bericht von Direktor Keller vom 8. März 1994, dodis.ch/74853.↩
- 4
- Vgl. das BR-Prot. Nr. 952 vom 30. Mai 1994, dodis.ch/74854.↩
- 5
- Vgl. dazu das Protokoll der ersten Sitzung vom 23. Juni 1994 der Arbeitsgruppe Bund zur Beurteilung der Kandidatur für die Olympischen Winterspiele in Sitten-Wallis, dodis.ch/74919.↩
- 6
- Vgl. dodis.ch/74856. ↩
- 7
- Vgl. das Dossier CH-BAR#E5004A#2014/94#1975* (653.12-001).↩
- 8
- Vgl. Amtl. Bull. SR, 1994, IV, S. 1085–1089 und Amtl. Bull. NR, 1994, IV, S. 2360–2376.↩
- 9
- Vgl. die Informationsnotiz des EDI an den Bundesrat vom 23. Mai 1995, dodis.ch/70525.↩
- 10
- Vgl. dazu die Notiz von Berhard Marfurt, stv. Generalsekretär des EMD und persönlicher Mitarbeiter des Vorstehers des EMD, Bundespräsident Kaspar Villiger, vom 1. Mai 1995, dodis.ch/73239, sowie das BR-Prot. Nr. 805 vom 24. Mai 1995, dodis.ch/74835.↩
- 11
- Vgl. dazu die Informationsnotiz des EDI an den Bundesrat vom 3. Juli 1995, dodis.ch/70386.↩
- 12
- Vgl. dazu DDS 1994, Dok. 48, dodis.ch/68546.↩
Liens avec d'autres documents
| http://dodis.ch/73241 | est l'annexe de | http://dodis.ch/70386 |
Tags
Candidature pour les Jeux olympiques d'hiver à Sion (2002 et 2006)
