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Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 26, doc. 146
volume linkZürich/Locarno/Genève 2018
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| Archive | Swiss Federal Archives, Bern | |
▼ ▶ Archival classification | CH-BAR#E2024-02A#1999/137#1818* | |
| Old classification | CH-BAR E 2024-02(A)1999/137 304 | |
| Dossier title | Nussbaumer, Pierre, 1918 (1945–1984) | |
| File reference archive | a.215 P |
| Archive | Swiss Federal Archives, Bern | |
▼ ▶ Archival classification | CH-BAR#E2001E-01#1987/78#4565* | |
| Old classification | CH-BAR E 2001(E)-01/1987/78 718 | |
| Dossier title | Allgemeines (1971–1975) | |
| File reference archive | B.15.21 • Additional component: Polen |
| Archive | Swiss Federal Archives, Bern | |
▼ ▶ Archival classification | CH-BAR#E2001E-01#1987/78#4602* | |
| Old classification | CH-BAR E 2001(E)-01/1987/78 721 | |
| Dossier title | Wirtschaftsverhandlungen und Abkommen mit der Schweiz (1973–1975) | |
| File reference archive | C.41.111.0 • Additional component: Polen |
| Archive | Swiss Federal Archives, Bern | |
▼ ▶ Archival classification | CH-BAR#E2003A#1988/15#936* | |
| Old classification | CH-BAR E 2003(A)1988/15 415 | |
| Dossier title | Relations Culturelles Divers nach Ländern: Allemagne bis Zaire (1973–1975) | |
| File reference archive | o.301 |
dodis.ch/38309
Der schweizerische Botschafter in Warschau, P. A. Nussbaumer, an den Direktor der Politischen Direktion des Politischen Departements, E. Thalmann, und den Direktor der Handelsabteilung des Volkswirtschaftsdepartements, P. R. Jolles1
Wie ich Ihnen mitteilte, bin ich bereits am vergangenen Mittwoch, also eine Woche nach Ankunft in Warschau, vom Präsidenten2 des Staatsrates zur Übergabe meines Beglaubigungsschreibens empfangen worden. Tags vorher hatte ich den Aussenminister3 aufsuchen können. Von beiden Herren wurde ich betont zuvorkommend, ja freundschaftlich begrüsst und in Polen willkommen geheissen. Die Unterredung bei Herrn Jabłonski dauerte 50 Minuten, bei Herrn Olszowski etwas weniger lang.
In den kommenden Wochen werde ich die aufgeworfenen Fragen mit den sachlich zuständigen Mitarbeitern meiner Gesprächspartner näher erörtern und Ihnen, soweit erforderlich, über diese weiteren Gespräche berichten4. Um Ihnen indessen schon jetzt ein Bild darüber zu vermitteln, wie der Staatschef und der Aussenminister – deren Ausführungen aufeinander abgestimmt waren – die Akzente setzten, seien im folgenden die angeschnittenen Themen stichwortweise aufgezählt (ich verzichte auf die Wiedergabe meiner eigenen, auf der Hand liegenden Stellungnahmen): – Zwischen der Schweiz und Polen bestehen ungetrübte Beziehungen5. Der Staatschef holte als Historiker zu einem längeren Exkurs in die Geschichte aus und lobte die Verdienste unseres Landes um die polnischen Emigranten und Internierten im 19. Jh. und während der beiden Weltkriege6. Es fielen einige kritische Bemerkungen zur Berichterstattung einzelner schweizerischer Blätter über Polen, wobei von Herrn Jabłonski auch die NZZ
erwähnt wurde (dies zu meiner Überraschung, da mir die letzten Berichte dieser Zeitung als relativ ausgewogen erschienen sind.) _ Von beiden Herren, aber ohne viel Insistenz, wurde auf die Wünschbarkeit eines baldigen Abschlusses der KSZE7 hingewiesen. _ Mit umso mehr Nachdruck unterstrichen meine Gesprächspartner ihr Interesse am Abbau des stetig anwachsenden polnischen Handelsbilanzdefizites gegenüber der Schweiz8. Wenn ich die Zeichen richtig lese, wird in den kommenden Monaten keine der zuständigen polnischen Amtsstellen das Thema unerwähnt lassen. Diese Haltung darf nicht überraschen; wer die Statistiken über die Entwicklung des gegenseitigen Handels verfolgt hat,
muss sich im klaren darüber sein, dass die Devisenbeschaffung für Polen, das jetzt nahezu die Hälfte seines Aussenhandels mit westlichen Industrieländern abwickelt, zu einem schwierig zu bewältigenden Problem wird. Dies umso mehr, als die nationalen Bedürfnisse nicht mehr einfach zu Gunsten des Exportes vernachlässigt werden dürfen. Der Staatschef erkundigte sich eingehend nach den Möglichkeiten einer intensivierten industriellen Kooperation. Das Thema Kreditgewährung wurde von keiner Seite erwähnt. – Mit Genugtuung wurde auf die guten schweizerisch-polnischen Kontakte im kulturellen Sektor hingewiesen9. – Der Staatschef wünscht sich eine Verstärkung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit10. Ein Rahmenabkommen sei hierzu nicht erforderlich
(«es herrschen hier andere Verhältnisse als in der UdSSR»)11; was er als besonders wichtig erachtet, sind direkte Beziehungen zwischen Universitäten, wissenschaftlichen Vereinigungen, Dachorganisationen, usw. – Vom Aussenminister wurde die Frage der langen Vakanz auf der polnischen Botschaft in Bern angeschnitten und erwähnt, man sei sich polnischerseits dieses Problems bewusst und werde sich beeilen, es «bald» zu lösen12.
In den am Schluss der Unterredung mit dem Staatschef der allgemeinen Weltlage gewidmeten Gedanken äusserte dieser die Meinung, ohne mehr Toleranz liessen sich die bestehenden Spannungen, Krisenherde und kriegerischen Verwicklungen nicht abbauen. Diese Worte spiegeln recht gut das Dilemma, um nicht zu sagen die Tragik eines Landes, das, als Folge einer langen geschichtlichen Entwicklung klar nach Westen orientiert, aus geopolitischen Gründen zu einem seiner Natur in vielem zuwiderlaufenden Verhalten gezwungen wird.
- 1
- Schreiben: CH-BAR#E2024-02A#1999/137#1818* (a.215P). Visiert von E. Thalmann. Kopie an das Politische Sekretariat und die Direktion für internationale Organisationen des Politischen Departements.↩
- 4
- Zum Besuch bei J. Olszewski vgl. das Schreiben von P. A. Nussbaumer an P. R. Jolles vom 10. Juli 1975, dodis.ch/38357.↩
- 5
- Vgl. dazu die Aufzeichnung von C. Caratsch und G. F. Pedotti vom 21. Januar 1974, dodis.ch/38370; den Schlussbericht von P. Frochaux vom 24. Februar 1975, dodis.ch/38401 sowie das Schreiben von P. A. Nussbaumer an die Politische Direktion des Politischen Departements vom 3. November 1975, dodis.ch/38363.↩
- 6
- Vgl. dazu das Schreiben von P. Frochaux an E. Thalmann vom 7. Dezember 1973, dodis.ch/38353 sowie die Notiz von C. Caratsch vom 17. Dezember 1973, dodis.ch/38360.↩
- 7
- Zur Vorbereitungskonferenz (und zur ersten Phase) der KSZE in Helsinki vgl. DDS, Bd. 26, Dok. 32, dodis.ch/38816 und zu den Verhandlungen der KSZE währen der zweiten Phase in Genf vgl. DDS, Bd. 26, Dok. 57, dodis.ch/38848 sowie DDS, Bd. 26, Dok. 89, dodis.ch/38858. Zur polnischen Haltung zur KSZE-Schlusskonferenz vgl. den Politischen Bericht Nr. 10 von P. A. Nussbaumer vom Oktober 1975, dodis.ch/38381.↩
- 8
- Vgl. dazu Anm. 5; Dok. 27, dodis.ch/38361 sowie die Notiz von L. Roches an R. Probst vom 17. Januar 1974, dodis.ch/38355.↩
- 9
- Vgl. Anm. 5 und 6.↩
- 10
- Vgl. Anm. 5.↩
- 11
- Zu den wissenschaftlichen Beziehungen zur Sowjetunion vgl. DDS, Bd. 25, Dok. 172, dodis.ch/35655.↩
- 12
- Vgl. dazu das Schreiben von P. A. Nussbaumer an E. Thalmann vom 11. November 1975, dodis.ch/38371.↩
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