Language: ns
1934 - 31.10.1943
AfZ; NARA RG 242 T 120 / MF 2834
Information Independent Commission of Experts Switzerland-Second World War (ICE) (UEK)
Info UEK/CIE/ICE ( deutsch français italiano english):
________________________

AfZ; NARA RG 242 T 120 / MF 2834


Serial Number: 6090H


Seitennummer: E 451656-451715
Umfang: 60 Seiten
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): AA Rechtsabteilung. Verhandlungen mit England über Austausch verwundeter und verletzter Soldaten, 8/1943 - 10/1943. Schweiz als Schutzmacht
Einzelne Dokumente: nicht relevant


Serial Number: 6091H


Seitennummer: E 451717 - 451739
Umfang: 23 Seiten
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): AA Rom, geheim. Krieg England gegen Achsenmächte u.a.. Sonderhandel 2 "Zweite Front", 1/1942 - 5/1943
Einzelne Dokumente: nicht relevant


Serial Number: 6092H


Seitennummer: E 451741 - 451763
Umfang: 23 Seiten
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): Handakten Hesse, AA Lissabon Botschafter Ritter.
Einzelne Dokumente: nicht relevant (Akten, in denen es um England geht).


Serial Number: 6093H


Seitennummer: E 451765 - 451801
Umfang: 36 Seiten
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): Deutsche Gesandtschaft Lissabon. Lage in England. [Keine Karte in AfZ Kartei]
Einzelne Dokumente: 1 Dokument kopiert (siehe unten)

Köcher an AA Berlin, 6.2.1943 ("Inhalt: Mitteilungen des schweizerischen Professors Keller über die Verhältnisse in Grossbritannien")


KOPIE
"Professor Keller vom Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement, der als Mitglied der schweizerischen Wirtschafts-Delegation von März bis Ende Dezember 1942 in London weilte, machte heute zweier meiner Mitarbeiter in vertrautem Kreise folgende Angaben über die Verhältnisse in Grossbritannien:" Es gebe in englischen Regierungskreisen "keinen ausgesprochenen Hass gegen Deutschland". Dafür gebe es Ablehnung gegenüber Sowjetunion (ausser bei einigen Labour-Vertretern).
Über USA und Monroe-Doktrin: werden sie sich nach dem Krieg aus Afrika und Europa zurückziehen oder nicht?
"Professor Keller ist in London persönlich aufgefallen der Mangel einer einheitlichen Planung im Hinblick auf die neue Ordnung, die diesem kriege folgen soll. Gewiss bestünden 'eine Reihe von Plänen und Plänchen', die für sich Anhänger geworben hätte, den christlichen Sekten vergleichbar, die man in England in so mannigfacher Art antreffe."
Kellers Meinung sei: "Die amtliche britische Politik beginnt Verantwortung für die Zukunft des Abendlandes zu empfinden, wenn sie auch natürlich sich davon Rechenschaft geben muss, dass es die Sowjetunion war, die England durch ihr Eingreifen vor dem Untergang bewahrt hat. Herr Keller war jedoch nicht der Auffassung, dass die Dankbarkeit gegenüber der Sowjetunion das britische Verantwortungsgefühl für die abendländische Kultur überschatte. Er glaubt im Gegenteil, dass fortschreitende Erfolge der Sowjetunion auch in der britischen Öffentlichkeit erhebliche Sorge für die Zukunft des Kontinents auslösen. Die Sowjets sind zwar als Verbündete im Kriege willkommen, Die Engländer wünschen jedoch, die Realisierung des Friedens mit anderen als sowjetischen Mitteln durchzuführen und seien sich der Tatsache bewusst, dass sie sich eines Tages mit dem heutigen Verbündeten möglicherweise auseinandersetzen müssen."


Serial Number: 6094H


Seitennummer: 451803 -451807
Umfang: 4
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): AA, Handakten Hesse 1944 [keine Karte in AfZ-Kartei]
Einzelne Dokumente: nicht relevant (über britische Kriegsgefangene)


Serial Number: 6095H


Seitennummer: E 451809 - 451833
Umfang: 25 Seiten
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): AA Pol. Abt. II Schweiz. Politische Beziehungen Schweiz-Deutschland, 5/1936 - 6/1937
Einzelne Dokumente: 2 Dokumente kopiert (siehe unten), ansonsten nicht relevant

Weizsäcker [an AA Berlin], 19.2.1937


KOPIE
Alt Bundesrat Schulthess ist momentan in Berlin. "Sofern die in Aussicht genommene Audienz von Herrn Schulthess beim Führer zustandekommt (der Herr Reichsminister hat, wie Schulthess mir sagt, die Absicht, die Audienz beim Führer noch persönlich zu befürworten), wäre die Nachricht an obige Adresse [= Hotel] zu leiten."

Deutsche diplomatisch-politische Korrespondenz, 27.2.1937 (Nr. 45)


KOPIE
"Der Führer und Reichskanzler hat in unzweideutiger Form über das Verhältnis des Reiches zur Schweiz und über deren althergebrachte Funktion, die sie im wohlverstandenen Interesse der Gesamtheit ausübt, Ausführungen gemacht, die in der ganzen Schweizer Öffentlichkeit lebhafte Genugtuung hervorgerufen haben." Man wehrt sich gegen (französischen) Vorwurf, dass Deutschland die Schweiz als Durchmarschgebiet in seine Planungen einbeziehe. - Danach Betrachtungen zur schweizerischen Neutraltität in historischer Perspektive (oberflächlich).


Serial Number: 6096 H


Seitennummer: E 451835 - 451850
Umfang: 16 Seiten
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): AA Pol. Abt. II, Schweiz. Nationalsozialismus, Faschismus und ähnliche Bestrebungen, 5/1936 - 2/1938
Einzelne Dokumente: nicht relevant (Ermordung Gustloff, Verbot der NSDAP-Landesgruppe). Dokument kopiert.

Deutsche Gesandtschaft Bern (Signatur unleserlich) an AA Berlin, 28.5.1937, "Betr.: Besuch der Reichsfrauenführerin Pgn. Scholtz-Klink in Bern"


KOPIE
Bericht des Besuchprogrammes, u.a. Anlass der Deutschen Kolonie im Berratssaal des Casinos in Bern (450 Personen).


Serial Number: 6097 H


Seitennummer: E 451852 - 451873
Umfang: 22 Seiten
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): AA Abt. II, Politik, Schweiz. Politische Beziehungen Schweiz-Deutschland 11/1934 - 5/1936
Einzelne Dokumente: 1 Dokument kopiert (siehe unten), sonst nicht relevant.

Deutsche Gesandtschaft Bern (Weizsäcker) an AA Berlin, 22.11.1935. "Inhalt: Das heutige Verhältnis der Schweiz zu Deutschland."


KOPIE
  • Schliesst an einen früheren Bericht von anfang 1934 an. Deutschland habe sich weiterentwickelt, Schweiz stehe immer noch "auf dem alten Fleck". Schweizer Wahlen hätten nicht viel verändert [Frontenfrühling]: "Tatsächlich steht die Schweiz vor einer schweren wirtschaftlichen Krise, deren sie mit dem jetzigen schwerfälligen System dezentralisierter Verantwortung nicht Herr werden wird. Sie muss zu einer mehr autoritären Verwaltung und Regierung kommen. Diese Einsicht in die Tat umzusetzen, haben die jungen, vorwärtsstrebenden, mit Interesse auf Deutschland blickenden Kräfte bisher nicht vermocht. Die sogenannten Fronten sind noch immer arg zerfahren. Es fehlt ihnen am führenden Kopf und am Programm. Der völkische und der Rassegedanke, der Begriff eines totalitären Staates sowie das Führerprinzip im deutschen Sinn haben in der Schweiz keinen Boden." Schweizer stehen dem NS, "mit schwachen Ausnahmen, dem Nationalsozialismus verständnislos, kritisch,, ja feindlich, jedenfalls defensiv" gegenüber. - Aber: "Die Schweiz empfindet das von ihr gewährte geistige und personelle Asylrecht nachgerade selbst recht lästig und ist im Stillen an der Arbeit, jüdische und linksradikale Elemente abzudrängen und auszuschliessen."
  • "Nicht überall aber ist diese Tendenz gliche stark zu spüren. Mit manchen welschen Volksteilen befinden wir uns in einer Art von antibolschewistischer Gesinnungsgemeinschaft. In anderen, namentlich in der deutschen Schweiz, wo die kommunistische Gefahr nicht so ernst genommen wird, überdecken die Antipathien gegen das III. Reich z.Zt. fast alle alten deutschen Zusammenhänge, obgleich wir doch gerade da sprachlich und völkisch genommen berechtigt wären, am meisten Verständnis anzutreffen. Man behandelt dort die nationalsozialistische Weltanschauung wie eine strittige Glaubensfrage zwischen Nachbarn und Verwandten.
  • Schweiz nimmt Wiederaufrüstung Deutschlands "als etwas Natürliches" an. "Misstrauen hegt er [= der Schweizer] nur gegen den späteren politischen Einsatz unserer Wehrmacht." Es besteht Unruhe: "Seine [= des Schweizers] Unruhe wird gesteigert durch den allgemeinen diplomatischen Bewegungskrieg, der nach eineinhalb Jahrzehnten Atemholens in Europa eingesetzt hat. Probleme kommen wieder auf den Plan, die für die Schweiz auf immer geregelt schienen, wie die Mitgliedschaft im Völkerbund, die althergebrachte Neutralität und die gottgewollte Unabhängigkeit der Eidgenossenschaft. Grundfragen werden aufgeworfen, wie die nach dem Zweck und Inhalt des Staates. Es gibt wieder etwas wie eine schweizerische Aussenpolitik."
  • "Im Hinblick auf etwaige europäische Komplikationen spricht man nicht mehr von Neutralität schlechtweg, sondern von 'aktiver' oder 'differenzierter' Neutralität."
  • "Statt selbstbewusster Abwehr zeigt sich nun eher eine Reizbarkeit, die nicht gut anders erklärt werden kann als aus einem Minderwertigkeitskomplex."
  • Gemeinschaft von Deutschland mit der Schweiz im Moment "überdeckt", muss langsam wieder hervorgeholt werden. "Sie [= die Gemeinschaft] gehört zu den Imponderabilien, die bei der Pivot-Stellung der Schweiz weit über den kleinen Flächenraum des Landes mit seinen 4 Millionen Menschen hinaus in ernsten Zeiten aussenpolitisch und militärpolitisch eine grosse Rolle spielen werden. Ihre Vernachlässigung würde sich eines Tages bitter rächen können."
  • "Ist aber eine Anpassung an nationalsozialistische Denkweise in der Schweiz nicht zu erwarten, so kann es sich nur darum handeln, im Verhältnis der Schweiz zu Deutschland einen Zustand der Ruhe, der Gewöhnung und der Gelassenheit anzustreben." Es brauche eine "sehr pflegliche Behandlung unserer Wirtschaftsbeziehungen".
  • "Im übrigen lasse man Eindrücke aus Deutschland wirken, wie die der Arbeitsbeschaffung, des Arbeitsdienstes, der  sozialen Fürsorge und des sozialen Friedens. Im nüchternen Verstand des Schweizers haftet keine andere Propaganda als jene des tatsächlichen Erfolges."



Serial Number: 6098 H


Seitennummer: E 451875 - 451844
Umfang: 10 Seiten
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): AA Abt. II Politik Schweiz. Militärangelegenheiten 1/1927 - 5/1936
Einzelne Dokumente: 2 Dokumente kopiert (siehe unten), sonst nicht relevant.

Deutsche Gesandtschaft Bern (Weizsäcker) an AA Berlin, 22.4.1936


KOPIE
  • Es geht um Botschaft des Bundesrats betreffend die Verstärkung der Landesverteidigung vom 17.4.1936. Der Bundesrat habe geglaubt, dass das Ende des Ersten Weltkrieges der Anbruch einer neuen Zeit (mit wenig oder gar keinen) militärischen Ausgaben sei. Dies sei gescheitert (Völkerbund, Abrüstungskonferenz), weshalb sich die Schweiz den neuen politischen Verhältnissen anpassen müsse. Trotz Wirtschaftskrise müsse es zu Opfern für die Landesverteidigung kommen. - Schweiz nehme - immer gemäss Botschaft - Schlüsselstellung in Europa ein (Gefahr des Durchmarsches von fremden Armeen.
  • Es folge dann Aufstellung über einzelne Posten. "Das Volkswirtschaftsdepartement hat, wie ich höre, die Absicht, einen möglichst grossen Teil der Auslandsaufträge im Rahmen des deutsch-schweizerischen Verrechnungsabkommens nach Deutschland zu legen."


Deutsche Gesandtschaft Bern (Weizsäcker) an AA Berlin, 29.4.1936


KOPIE
  • Er habe ein Gespräch mit Minger geführt anlässlich des deutschen Flugzeugunglücks bei Orvin. "Minger ist ein kräftiger Berner Bauer und kann als Repräsentant des gesunden Menschenverstands gelten. Schon seit zwei Jahren betreibt er eine rührige Wehrpolitik." Habe Wehrvorlage durchgebracht. "Diesen neuen schweizerischen Wehrwillen als Voraussetzung für eine wirkliche Neutralität hatte ich im Gespräch mit Minger gelobt. Dieser erwiderte, das sei wohl nicht die allgemeine deutsche Ansicht, und spielte auf einen kritischen Artikel der 'Börsen-Zeitung' an. Ich konnte ihm erwidern, das Blatt habe lediglich die einseitige Begründung beanstandet, nicht aber die Tatsache der schweizerischen Aufrüstung selbst."
  • Minger erwähnt deutsche Aufrüstung und Expansionswille als Grund für die schweizerischen Militäranstrengungen. Schweiz toleriere keine Waffendurchfuhr für Frankreich.



Serial Number: 6099 H


Seitennummer: E 451886 - 451918
Umfang: 32 Seiten
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): Deutsche Gesandtschaft Bern, 5/1934 - 12/1936
Einzelne Dokumente: 1 Dokument kopiert (siehe unten), sonst nicht relevant.

von Bibra an AA Berlin, 10.3.1937 mit Beilage: "Jahresbericht 1936"


KOPIE
  • allgemein: nicht relevant
  • Begleitbrief: es handelt sich um den "politischen Jahresbericht der Gesandtschaft". "Der Gesandtschaft wird erst in den nächsten Tagen wesentliches statistisches Material als Grundlage für den wirtschaftlichen Jahresbericht für 1936 zugehen, der sodann besonders vorgelegt werden wird." [liegt in diesem Dossier nicht bei, sondern in MF T 120 / 2834, 6107 H]
  • Beilage "Jahresbericht 1936": Themen sind allgemeine Politik (Bundesrat, Parlament, Frontenbewegungen, Rüstung/Wehranleihe, Abwertung, "Abwehr gegen den Kommunismus", Staatsschutzgesetz), Reichsdeutsche in der Schweiz (Ermordung Gustloffs, Verbot der NSDAP-Landesgruppe, Wirtschaftliche Lage der Reichsdeutschen, Fremdenpolizeipraxis), Aussenpolitik (Deutschland allgemein, Churer Prozess [Gustloff], Italien [Anerkennung der italienischen Oberhoheit in Abessinien], Frankreich, Spanischer Bürgerkrieg, UdSSR, Völkerbund), Aufstellung der Staatsverträge der Schweiz 1936



Serial Number: 6100 H


Seitennummer: E 451920 - 451995
Umfang: 75 Seiten
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): Deutsche Gesandtschaft Bern. Deutsche Nationalsozialisten in der Schweiz, 1/1936 - 3/1936
Einzelne Dokumente: nicht relevant (Ermordung Gustloffs, Verbot der NSDAP-Landesleitung)


Serial Number: 6101 H


Seitennummer: E 451997 - 452034 [Kreuzverweis auf Serial No. M 62, M 001728-001764 = offenbar identisch]
Umfang: 38 Seiten
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): Deutsche Gesandtschaft Bern. Neutralität der Schweiz, 1/1934 - 3/1937
Einzelne Dokumente: 3 Dokumente kopiert (siehe unten), ansonsten nicht relevant. Es geht u.a. um Besuch Schulthess bei Hitler (kopiert), Bürgerkrieg Spanien, Neutralität betr. Spanien und Abessinien, Schindler über Neutralität (kopiert)

Engerth an "Herrn Staatssekretär für die Auswärtigen Angelegenheiten, Dr. Guido Schmidt, Wien", 4.3.1938 [ist nicht 1937 gemeint? Vgl. MF T 120 / 2834, Serial No. 6095 H und Dokument unten]


KOPIE
  • Engerth hatte Gelegenheit, mit Bonna, Chef Abteilung Auswärtiges EPD, zu sprechen und erfuhr folgendes:
  • Schulthess war in Berlin, wollte massgebende Persönlichkeiten aufsuchen, v.a. Schacht. Traf auch mit Hitler zusammen. Dieser habe in der letzen Rede die Schweiz - im Gegensatz zu Holland und Belgien - nicht erwähnt. Schulthess wollte Hitler die Frage stellen, "ob die Deutung, welche man diesem Umstand in der Schweiz gegeben hat, nämlich dass die Neutralität und Unverletzlichkeit der Schweiz etwas zu notorisches und festzustehendes ist, um darüber Worte zu verlieren, richtig sei." Motta, den Schulthess um Erlaubnis für diese Frage anging, war einverstanden. "[...], die Unterredung Schulthess-Hitler aber nahm insofern einen fast unerwarteten Verlauf, als die über eine Stunde dauerte, sich über fast Alles ausdehnte, was überhaupt besprochen werden konnte, und schliesslich dazu führte, dass der Reichskanzler spontan seine Zustimmung dazu gab, dass seine Äusserungen über die schweizerische Neutralität publiziert würden." Die schweizerischen Kritiken gegenüber einer "Geheimmission" Schulthess' seien deshalb unrichtig.


Engerth an "Herrn Staatssekretär für die Auswärtigen Angelegenheiten, Dr. Guido Schmidt, Wien", 5.3.1937


KOPIE
  • "In den offiziellen schweizerischen Kreisen herrscht eitel Freude und Befriedigung über die seitens des Herrn deutschen Reichskanzlers gegenüber Altbundesrat Schulthess abgegebenen Erklärungen [betr. Neutralität] [...]." Es habe eine "Art von Détente" gegeben (vorher Spannungen wegen Ermordung Gustloffs.
  • "Ob und was die Aktion Schulthess, und das was folgen wird, zur Bereinigung der Verstimmung zwischen Schweiz und Deutschland beitragen wird und kann, muss vorläufig dahingestellt bleiben. Die Schweizer, zumal die Deutschschweizer, können aber das viele Geld, das sie teils bereits in Deutschland effektiv verloren haben, teils zumindest nach der Schweiz nicht repatriieren können, ja von dem sie nicht einmal die Zinsen hereinbekommen, nicht verschmerzen und wenn sich hier nichts bessert, wird mit platonischen Erklärungen nicht viel zu machen sein. Einer wirklichen Besserung aber dürfte die Devisenlage des Reiches unüberwindliche Hindernisse in den Wege legen. Auffallend ist, dass die Stimmung gegenüber Deutschland in der französischen Schweiz bei weitem nicht so verärgert ist, wie in der deutschen Schweiz, einmal weil man von dort weniger Geld nach Deutschland eloziert hatte und daher von den jetzigen Verlusten auch weniger betroffen wird, dann wohl auch, weil die französische Schweiz geistig in viel engerem Kontakt mit Frankreich steht und daher die Volksfronterfahrungen, wie sie in Frankreich gemacht werden, viel näher miterlebt als die deutsche Schweiz. Man hat daher dort vor einer Volksfront mehr Angst als vor einem Faschismus oder Nationalsozialismus, während sich die Abneigung der Deutschschweizer naturgemäss mehr gegen den Nationalsozialismus richtet. Auf diese Erscheinung - unter anderen - hat dieser Tage ein Artikel in den Basler Nachrichten aufmerksam gemacht."


Deutsche Gesandtschaft Bern (Weizsäcker) an AA Berlin, 13.12.1935. "Inhalt: Schweizerische Neutralität und Wirtschaftssanktionen".


KOPIE
  • Bericht über einen Aufsatz der "Neuen Schweizerischen Rundschau" (Dezembernummer, Nr. 8) mit Aufsatz von Dietrich Schindler, Professor für Staatsrecht an der Universität Zürich.
  • "Schindler rechtfertigt die schweizerische Neutralität aber nicht nur vom Standpunkt der Schweiz aus, sondern legt später dar, dass sie auch vom Standpunkt der Staatengesamtheit aus gesehen ein unentbehrliches Element der politischen und militärischen Sicherheit im Herzen Europas bilde."
  • "Um nachzuweisen, dass wirtschaftliche Sanktionen sehr wohl mit der schweizerischen Neutralität vereinbar seien, geht der Verfasser vom V. Haager Abkommen vom 18.10.1907 aus, aus dem hervorgehe, dass die Neutralität ein wesentliches militärisches Verhältnis sei und dass der Grundsatz der wirtschaftlichen Unparteilichkeit nur für einige wenige Gebiete ausdrücklich ausgesprochen sein. Neutralität bestehe also als Rechtsbegriff nur für den Krieg im militärischen Sinne des Wortes. Der Wirtschaftskrieg kenne die Neutralität als Rechtsbegriff nicht. Denn die den Wirtschaftskrieg führenden Mächte hätten bisher nicht wie im militärischen Verhältnis eine entsprechende Pflicht auf Achtung der wirtschaftlichen Neutralität übernommen. Da somit die völkerrechtlichen Normen die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Neutralen und Kriegführenden nicht regelten, so könne der Neutrale ohne Verletzung der Neutralität diese Beziehungen auch einseitig einschränken oder abbrechen. Der Kriegführende könne aus einer solchen Haltung niemals ein Recht auf eine Kriegserklärung an die Neutralen herleiten. Einer 'differentiellen Neutralität' stehe das Neutralitätsrecht im Gebiete der Wirtschaftsbeziehungen nicht entgegen."
  • "Was schliesslich die Frage der Waffenausfuhr angeht, so steht Professor Schindler auf dem Standpunkt, dass der Protest, den der französische Delegierte in der Sitzung des Völkerbunds vom 2. November gegen den schweizerischen Standpunkt in dieser Frage vorbrachte, der juristischen Grundlage entbehre. Die Waffenausfuhr und -durchfuhr seien eine jener Massnahmen, die ein ausdrückliche Regelung im Neutralitätsrecht gefunden haben und dies gehe, wie stets, den Verpflichtungen der Schweiz aus dem Völkerbundsvertrag vor."



Serial Number: 6102 H


Seitennummer: E 452036 - 452057
Umfang: 154 Seiten
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): AA Abt. II, Politik Schweiz. Nationalsozialismus, Faschismus und ähnliche Bestrebungen, 4/1934 - 2 / 1936
Einzelne Dokumente: nicht relevant (Ermordung Gustloff, Verbot NSDAP-Landesleitung)


Serial Number: 6104 H


Seitennummer: E 452214 - 452241
Umfang: 28 Seiten
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): AA Abt. W, Handel Schweiz (HaPol IIa). Handel mit Kriegsgerät - Schweiz, 4/1937 - 8/1940
Einzelne Dokumente: kopiert, aber nicht im einzelnen exzerpiert.

Telegramm Bibra an AA Berlin, 10.4.1937


KOPIE
"Oberst Fierz, Leiter der kriegstechnischen Abteilung im Eidgenössischen Militärdepartement, teilte mir vertraulich mit, dass Schweizerische Regierung seinen Stellvertreter Oberst Lang zu Informationsreise nach Spanien entsende. Oberst Lang soll sich vor allem über die Erfahrungen mit Panzerkraftwagen im spanischen Krieg unterrichten. Wie mir hiesiger Krupp-Vertreter vertraulich mitteilt, hängt Lang's Reise nach Spanien mit beabsichtigten Bestellungen von Panzerwagen durch Schweizerische Regierung in Deutschland zusammen. Sowohl im Reichskriegsministerium wie im Reichsluftfahrtministerium sei Oberst Lang bekannt." Er wird zwischen 13. und 17. April in Valencia und Salamanca eintreffen.

"Vermerk" [Wingen], 13.12.1937


KOPIE
  • Kruppvertreter für die Schweiz, von Kallenberg, suchte Verfasser auf und unterrichtet über die Verhandlungen betr. die Panzerplattenlieferung (von Deutschland nach Schweiz). Deutschland will teilweise Bezahlung in Devisen, Schweiz lehnt ab. Deutschlands Standpunkt: "Wenn das Kruppgeschäft nicht zustande käme, werde auch aus den in Aussicht genommenen Aufträgen an Siemens, Rheinmetall und Heinkel nichts werden. Man habe bereits günstige fremde Offerten vorliegen. Der Chef des Militärdepartements habe sich über die deutsche Forderung sehr verstimmt gezeigt. Deutschland beweise kein Entgegenkommen, während die Schweiz im Falle Oerlikon im August 1937 bereitwilligst Zugeständnisse gemacht habe. Nach den Angaben des Chefs des Militärdepartements soll es sich hierbei um eine Lieferung von 2 cm-Kanonen im Auftrage Deutschlands angeblich an eine dritte Macht handeln. Dafür habe die Schweiz zunächst von Deutschland Bezahlung voll in Devisen verlangt, sich dann aber auf deutschen Antrag mit 75 v.H. Devisen und 25 v.H. Verrechnung begnügt."
  • Es handelt sich offenbar um einen verwaltungsinternen Konflikt: Das RWiM und der "Vierjahresplan" sind für strenge Bedingungen, während das AA aus politischen Gründen Kompromisse eingehen möchte.


Deutsche Gesandtschaft (Köcher) an AA Berlin, 15.12.1937


KOPIE
Es geht immer noch um das Kruppgeschäft. Köcher hat nochmals mit Minister Stucki geredet. "Persönlich habe ich aus den Besprechungen gewonnen, dass, trotzdem die schweizerischen Militärbehörden an sich grossen Wert auf die Krupplieferungen legen, eine Verbesserung der Zahlungsbedingungen zu unseren Gunsten in der Tat nicht zu erreichen und damit das Zustandekommen des Geschäftes in Frage gestellt ist."

Brief [unleserlich, = Wingen] an Seyboth und Kapitän Koch [Reichskriegsministerium, Wehrwirtschaftsstab], 21.12.1937


KOPIE
"Im Hinblick auf das vorhandene starke militärpolitische Interesse Deutschlands an der Schweiz - gleichartige Bewaffnung des schweizerischen Heeres, gewisse Sympathien des schweizerischen Offizierkorps für das deutsche usw. - bitte ich dringend um eine Nachprüfung der vom Reichswirtschaftsministerium gestellten Zahlungsbedingungen, da mir angesichts der grossen Differenz zwischen der deutschen Forderung und dem schweizerischen Angebot eine wenn auch nur geringfügige Verbesserung des schweizerischen Angebots durchaus möglich erscheint."

Reichskriegsminister [i.A. (Oberst) Thomas] an Reichs- und Preussischen Wirtschaftsminister, 31.12.1937


KOPIE
Verhandlungen über Zahlungsbedingungen für deutsche Rüstungslieferungen gestalten sich schwierig. "Ich darf jedoch betonen, dass ein wesentliches militärpolitisches Interesse daran besteht, dass die Schweiz Rüstungseinkäufe in Deutschland macht und dass die freundschaftlichen Beziehungen zu schweizer militärischen Stellen erhalten und nach Möglichkeit vertieft werden.
Ich wäre dankbar, wenn diese Gesichtspunkte über das rein Wirtschaftliche hinaus Beachtung fänden, und bitte, die deutschen Lieferungen nicht durch vielleicht unerfüllbare Zahlungsforderungen zu gefährden."

Deutsche Gesandtschaft Bern an AA Berlin, 30.12.1937


KOPIE
Obige Angelegenheit liegt "in der Schwebe". Dazu kommen Lieferungen deutscher Jagdflugzeuge an die schweizerische Armee zur Sprache, bei denen ebenfalls Probleme auftauchen, weil die Schweiz "aus Gründen der grösseren Sicherheit der Material- und Ersatzteilonachlieferung in Spannungszeiten überhaupt die Vergebung der Aufträge an Frankreich und England bevorzuge.
"Damit scheint eine weitere Möglichkeit gefährdet zu sein, für die deutsche Industrie einen wichtigen Anteil an der durch die Wehranleihe 1936 und behördlicherseits als dringen bezeichnete Aufrüstung der Schweiz zu gewinnen Neben den wirtschaftlichen Überlegungen liegen die politischen Bedenken, die mit einer weitgehenden Bindung der schweizer Armee an die tschechische, französische oder englische Rüstungsindustrie für unsere Stellung in der Schweiz verbunden sind, auf der Hand."

Seyboth an Wingen (AA Berlin), 15.1.1938


KOPIE
Will der Schweiz etwas entgegenkommen (Krupp-Lieferung), allerdings will er einen Teil der Bezahlung in Devisen.

"Vermerk" Wingen, 11.2.1938


KOPIE
Erhielt Besuch vom Kruppvertreter für die Schweiz, von Callenberg [= Kallenberg], um mitzuteilen, "dass die schweizer Stellen energisch jede Devisenzahlung ablehnten, aber bereit seien, hinsichtlich der zu kontingentierenden [letztes Wort durchgestrichen; Korrektur unleserlich] Waren mit sich reden" lassen.

Oberkommando der Wehrmacht (i.A. Thomas) an Göring (Vierjahresplan, Geschäftsgruppe Devisen), 16.2.1938


KOPIE
Erlaubt sich nochmals darauf hinzuweisen, dass es militärpolitische Gründe gebe, um mit der Schweiz ins Geschäft zu kommen. "Die bisher gute Fühlung mit der Schweiz auf dem Rüstungsgebiet droht sich zu verschlechtern. Ich sehe darin ausgesprochene Nachteile für unsere Landesverteidigung und darf Sie darum bitten, einer solchen Entwicklung vorbeugen zu wollen".

Reichsgruppe Industrie (Geschäftsführung, unleserlich) an Reichskriegsministerium, Reichswirtschaftsministerium, AA, Vierjahresplan, 15.2.1938


KOPIE
Wegen der deutschen Forderung nach Zahlung in Devisen sind bereits einige Aufträge für Deutschland verloren gegangen. "Ein Auftrag auf Ho 112 ist nicht an Deutschland, sondern an die französische Morane-Saulnier-Werke gegangen, Die Siemens-Schuckertwerke, die seit langem enge Verbindungen mit den eidgenössischen Heeresstellen unterhalten und u.a. Scheinwerfer angeboten hatten, haben einen Anfangsauftrag auf 4 Scheinwerfer an die Italiener verloren. Die Krupp-Werke - in dauernder Lieferbeziehung mit Panzerplatten - hatten bereits einen Auftrag auf Panzerplatten in Händen. Dieser Auftrag wurde zurückgenommen, da die Devisenforderung hindernd entgegenstand.
Nach unserem Eindruck erscheint es ausgeschlossen, die Schweiz weiterhin als Absatzmarkt für deutsches Kriegsgerät anzusehen, wenn die Frage der Devisenquote nicht in einem Sinne gelöst wird, der dem Eidgenössischen Volkswirtschafts-Departement entgegenkommt. Da die Schweizer Stellen sich bereit erklärt haben, Rohstoffe als Gegenwert zu liefern, die in Deutschland sowohl dringen benötigt wie überhaupt nur mit Devisen beschafft werden können, erscheint es unbedingt erforderlich, die Frage des Ersatzes der Devisenforderung durch eine andere Regelung, nämlich der Gegenlieferung von Rohstoffen, einer erneuten Prüfung zu unterziehen.
Wir bemerken in diesem Zusammenhang, dass die Schweiz wie auch Holland auf dem Gebiete der Devisenzahlungen eine besondere Empfindlichkeit an den Tag legen. Auf der anderen Seite handelt es sich um Absatzmärkte, deren Kaufkraft nicht übersehen werden darf und die aus diesem Grunde wie auch aus politischen Rücksichten von konkurrierenden Auslande besonders aufgesucht werden. Wenn Deutschland auf diese Märkte für Kriegsgerät überhaupt Wert legt - nach unserer Kenntnis ist dies aus militärpolitischen Gründen durch das Reichskriegsministerium der Fall - , muss es sich klar darüber sein, dass allein schon die Konkurrenzlage gegenüber den Rüstungsindustrien in Frankreich, England und Schweden ein Entgegenkommen in den Zahlungsbedingungen erforderlich macht."

"Vermerk betr. Rüstungslieferungen nach der Schweiz" Wingen, 3.3.1938


KOPIE
Deutsche Stellen konnten sich auf neuen Vorschlag gegenüber der Schweiz einigen:
10% ins Clearing
50% Erzlieferungen
20% Waren innerhalb der Zahlungswertgrenzen
20% Waren ausserhalb der Zahlungswertgrenzen

Reichs- und Preussische Wirtschaftsminister (i.A. Schlotterer) an Firma Fried. Krupp AG, 8.3.1938


KOPIE
  • "Betrifft: Ausfuhr von Kriegsgerät und Heeresausrüstungsgegenständen nach der Schweiz"
  • Verhandlungsgrundlage über die Lieferungen von Kriegsmaterial an die Schweiz (siehe dort)



Serial Number: 6105 H


Seitennummer: E 452243 - 452322
Umfang: 80 Seiten
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): AA Abt. W, Handel Schweiz (HaPol IIa), Handelsvertragsverhältnisse Deutschland - Schweiz, [?] - 7/1937
Einzelne Dokumente: zum Teil kopiert (siehe unten); nicht kopiert: Telegramme, Entwürfe, Berichte über Verhandlungen, Käseexport, Kunstseide

Deutsche Gesandtschaft (Weizsäcker) an AA Berlin, 18.5.1936


KOPIE
  • Stucki überreicht "vorläufige Bemerkungen zum deutschen Memorandum vom 11.5.1936" (in Beilage). Stucki ist vom Bundesrat zum einzigen Delegierten der Schweiz für die kommenden Verhandlungen bestimmt worden. "Herr Stucki wird als Sachverständige je nach Bedarf verschiedene Vertreter der Finanz- und Wirtschaftskreise hinzuziehen, so insbesondere Herrn Direktor Jöhr (Kreditanstalt), Direktor Schnorf (Nationalbank) Nationalrat Wetter (Handels- und Industrieverein).
  • Beilage: "Vorläufige Bemerkungen zum Deutschen Memorandum vom 11.5.1936", 18.5.1936, "mit Genehmigung des Gesamtbundesrats abgefasst" (vgl. Begleitbrief). [Das Memorandum selbst ist nicht enthalten]: Wehrt sich gegen einige Vorwürfe des Memorandums, so z.B.: "Unter diesen Umständen kann die Schweiz der von deutscher Seite vertretenen Rechtsauffassung über den eventuellen Hinfall der verschiedenen bestehenden Abmachungen auf den 30. Juni a.c. nicht beipflichten und macht diesbezüglich alle Vorbehalte." Die Schweiz konnte nicht weiter die passiven Überschüsse tragen. "Sie hat, im Gegensatz zu andern Ländern, die sich aufdrängenden Abwehrmassnahmen auf dem Gebiete der mengenmässigen Beschränkung der Einfuhr und nicht in Form der Währungsabwertung oder der allgemeinen starken Zollerhöhung gesucht. Der Bundesrat ist auch heute noch der Auffassung, dass die Schweiz nicht anders handeln konnte und ihre Lage heute ohne diese Abwehrmassnahmen verzweifelt sein müsste."
  • "Schweizerischerseits ist immer verstanden worden, dass ein Land in der Lage Deutschlands die Auffassung vertrat, die Frage der Regelung seiner Auslandsschulden könne nicht einseitig im Verhältnis zu einem einzelnen Land betrachtet und entschieden werden. Die Schweiz ihrerseits war aus ihrer Lage heraus schlechterdings genötigt, den andern, den bilateralen Standpunkt zu vertreten und sie steht, was den Transfer anbetrifft, auch heute noch auf dem gleichen Standpunkt.
  • Schweiz habe "seit Abschluss des ersten Verrechnungsabkommens vertraglich und autonom die Einfuhr deutscher Waren durch Erhöhung von Kontingenten und durch Erleichterungen zwecks Ausnützung von Kontingenten zu fördern versucht". Einfuhr habe sich aber trotzdem nicht gesteigert. Sie will mit deutscher Regierung Mittel suchen, "um den deutschen Warenimport nach Möglichkeit zu steigern".
  • "Die Schweiz hat nie bestritten, dass die Ergebnisse des Verrechnungsabkommens vom 26.7.1934 sowie des Ergänzungsabkommens vom 8.12.1934 die von beiden Seiten gehegten Erwartungen nicht erfüllt haben und dass die deshalb von deutscher Seite verlangten Abänderungen grundsätzlich berechtigt waren. Sie ist aber der Ansicht, dass durch den Abschluss des Bestehenden Abkommens vom 17.4.1935, welches für Deutschland eine wesentliche Verbesserung und für wichtige schweizerische Interessen eine ausserordentlich starke Verschlechterung brachte, die hinreichenden Korrekturen angebracht worden sind."
  • Bei den Rückständen hat "ein ganz wesentlicher Abbau stattgefunden".
  • "Die Schweiz muss grundsätzlich darauf bestehen, dass ihre Finanzgläubiger nicht schlechter gestellt werden, als diejenigen anderer Gläubigerländer, welche Deutschland nicht grössere Uebersschüsse im Warenverkehr verschaffen, als dies seitens der Schweiz der Fall ist."
  • "Die Schweiz hat mit Deutschland das gemeinsame Interesse, dass die deutsche Verschuldung ihr gegenüber nicht nur nicht zunimmt, sondern nach Möglichkeit vermindert wird."
  • "Es ist nicht zutreffend, dass sich die Auffassung des Bundesrates darüber, in welchem Umfang und in welcher Reihenfolge die einzelnen schweizerischen Gläubigergruppen an dem verfügbaren Devisenaufkommen teilnehmen sollten, im Verlaufe der letzten Jahre gewandelt hätte. Nach Einführung des deutschen Transfermoratoriums war eine volle Deckung der Interessen der Warengläubiger und des Fremdengewerbes gesichert und stand gar nicht zur Diskussion, so dass vor allem die Frage des Kapitaldienstes erörtert wurde. Die Bevorzugung der erstgenannten beiden Gruppen ist übrigens im März 1935 von deutscher Seite gefordert und dann von der Schweiz angenommen worden."
  • Bundesrat stimmt mit deutscher Seite überein, dass das Ziel sein solle, "die langjährigen engen deutsch-schweizerischen Wirtschaftsbeziehungen auch über die in den letzten Jahren im Zahlungsverkehr entstandenen Schwierigkeiten hinaus fortzusetzen und weiter auszubauen".


Notiz ohne Signatur [wahrscheinlich Weizsäcker] und ohne Datum. "Besprechung mit Minister Stucki am 26.5.1936 16 -19 Uhr nachmittags".


KOPIE
"Herr Stucki teilte mit, dass innerhalb der schweizerischen Delegation sehr lebhafte Auseinandersetzungen stattgefunden hätten über die Einstellung zu dem deutschen Memorandum." Finanzgläubiger (Jöhr) wollten deutschen Vorschlag annehmen.
Bundesrat will Kohle und Reise gegenüberstellen. Weitere Ausführungen zum Reiseverkehr.
"Stucki teilte ferner mit, dass Überlegungen angestellt würden, einen Teil der Mittel, welche in der schweizerischen Wehrvorlage bereitgestellt werden, zum Bezuge von Material aus Deutschland zu verwenden." (Insgesamt 25-40 Mio. Fr.) "Stucki erwähnte, dass Präsident Schacht ihm die Frage vorgelegt hätte, wie die Einzahlungen bei der Verrechnungsstelle in Zürich erhöht werden könnten und ob die Schweiz nicht von Deutschland besonders Material kaufen wollte. Ich wies darauf hin, dass die Schweiz hieraus nicht den Schluss zeihen könnte, dieses Material ohne Aufwendung von Devisen zu erwerben, da ein Teil dieses Materials von uns nur gegen Devisen verkauft würde."
Weiterer Punkt: "Differenz in den Versicherungszahlungen", Diskussion über die Begriffe "Spitze im Versicherungsverkehr" bzw. "Versicherungsspitze".
"Stucki erörterte dann noch einmal die Folgen eines Abbruchs der gegenseitigen Beziehungen und wies dabei darauf hin, welche Zahlungen von deutscher Seite vertragsmässig ohnehin geleistet werden müssten, wie Stillhaltezinsen, Neukredite, Goldhypotheken, Fundingbonds. Diese 4 Positionen zusammen beliefen sich auf 38,2 Millionen sfrs. Die Schweiz würde im Falle einer Kündigung aller Abkommen die Beteiligung an der Olympiade absagen müssen und würde die Kündigung des Niederlassungsvertrags in Aussicht nehmen, wovon ca. 130.000 Deutsche in der Schweiz und ca. 25.000 Schweizer in Deutschland betroffen würden [...].
Bezüglich des Warenverkehrs war er der Auffassung, dass der Warenverkehr sich ebenfalls auf ein Minimum einspielen würde, wie dies auch bei den Sanktionsländern Italien gegenüber der Fall gewesen sei. Da die deutsche ausfuhr nach der Schweiz sich auf 280 Mill. sfrs in Waren belaufen habe, würde sich für die Schweiz eine erhebliche Steigerung der eigenen Industrie ergeben zur Belieferung des Schweizer Marktes. Andererseits würde in der Schweiz nicht verkannt, dass Deutschland bei dem Abbruch der Beziehungen vielleicht im ganzen in der stärkeren Stellung sei, da die schweizerische Exportindustrie und die Finanzgläubiger sowie der Reiseverkehr sehr schwer getroffen würden.
Die schweizerische Taktik geht im Augenblick darauf hinaus alle Klagen von deutscher Seite zu befriedigen, um das alte Vertragswerk aufrecht zu erhalten."

Telegramm Weizsäcker an AA Berlin, 7.6.1936


KOPIE
Gesellschaftlicher Anlass mit Schacht und schweizerischen Regierungsmitgliedern. "Präsident Schacht machte schweizerischen Herren in bekannter schlagfertiger und anschaulicher Weise Zwangslage klar, unter deren Druck wir zur Revision bestehenden Vertragsverhältnisses schreiben müssen. Aussprache vollzog sich in freundschaftlichster Form und unter beiderseitiger Voraussetzungen, dass während der noch verfügbaren Verhandlungsfrist positives Ergebnis erzielt werden muss."

Telegramm Schacht und Benzler an AA Berlin (für Ministerialdirektor Wohlthat), 20.6.1936


KOPIE
"Mir scheinen Ihre Verhandlungen auf einen völlig falschen Weg zu geraten". Unterzeichner wünschen:
  • Einhaltung sämtlicher Verträge
  • Weitere Detailfragen siehe dort


"Vermerk über die Besprechung des Herrn Präsidenten Schacht mit Herrn Minister Stucki am 13.5.1937", ohne Signatur, ohne Datum


Schacht teilt Stucki mit, dass schweizerischer Gegenvorschlag den deutschen Wünschen nicht entspreche.

"Vermerk über die Besprechung mit Herrn Minister Stucki vom 14.5.1937", Wohlthat, ohne Datum


KOPIE
  • Anwesend: Wohlthat, Seyboth, Hartenstein, Janke.
  • "Herr Stucki nahm einleitenden auf die vorangegangene Besprechung bei Herrn Präsidenten Schacht Bezug und teilte nochmals mit, dass der Bundesrat beschlossen habe, den deutschen Vorschlag über die Einführung eines Zahlungsabkommens in freien Devisen abzulehnen, oder mindestens weitgehende Forderung auf Einführung von Kontrollmassnahmen in der Schweiz zu stellen.
  • "Bezüglich des Warenverkehrs führte Herr Stucki wie folgt aus: Die Schweiz müsste bezüglich der Warenmengen einen gleichen Export nach Deutschland, wie vor der Abwertung, verlangen."
  • Deutsche Seite: "Von der Ablehnung des Vorschlags auf Einführung des Zahlungsabkommens wurde Kenntnis genommen. Deutschland hofft weiter, dass die Schweiz sich während der Übergangszeit von den Vorteilen einer freien Ausgestaltung der gegenseitigen Zahlungen überzeugen und später doch einer Einführung eines Zahlungsabkommens zustimmen würde.
  • Weitere Details siehe dort (Finanzgläubiger, Barquote, Strom, Reiseverkehr, Franken-Grundschuldzinsen: "Das Politische Departement in Bern hätte immer betont, dass diese Grundschulden besonders behandelt werden müssten, zumal sie durch besondere Staatsverträge garantiert seien."


Pressemitteilung ohne Signatur, ohne Datum


KOPIE
  • Ergänzung zur Pressemitteilung über den Abschluss eines neuen Verrechnungsabkommens Schweiz-Deutschland
  • u.a.: "Die Neuregelung bedeutet gegenüber dem bisherigen Zustand, dass die schweizerischen Finanzgläubiger jetzt für ein Jahr mit gewissen festen, wenn auch etwas gesenkten Zinsen rechnen können. Bisher wurden die zur Verfügung stehenden Mittel vierteljährlich nachträglich festgesetzt und auch erst nachträglich ausgeschüttet."



Serial Number: 6106 H


Seitennummer: E 452324 - 452334
Umfang: 11 Seiten
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): AA HaPol IIa, Schweiz. Handelsvertragsverhältnisse Deutschland-Schweiz, Reiseverkehr, 7/1936 - 6/1943
Einzelne Dokumente: nicht relevant


Serial Number: 6107 H


Seitennummer: E 452336 - 452353
Umfang: 18 Seiten
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): AA Abt. W, Wirtschaft Schweiz (HaPol IIa); Allgemeine wirtschaftliche Lage - Schweiz (Wirtschaftsbericht für 1936)
Einzelne Dokumente: Wirtschaftsbericht kopiert (siehe unten)

"Wirtschaftlicher Jahresbericht für 1936" der deutschen Gesandtschaft Bern (so Begleitbrief Gesandtschaft an AA Berlin, 20.5.1937)


KOPIE
  • Es handelt sich um die Fortsetzung des politischen Jahresberichts (MF T 120 / 2834, 6099 H). Insgesamt nicht interessant, da keine Interpretation durch den Verfasser (z.B. Folgen für Deutschland). Folgende Unterkapitel:
  • "Zustand der schweizerischen Volkswirtschaft bis zur Frankenabwertung."
  • "Die Abwertung als Wendepunkt." Erfolg, allgemeiner Stimmungsumschwung
  • "Aussenhandelspolitik."
  • "Aussenhandelsstatistik." Ausfuhr stieg wertmässig an. Zahlen zur schweizerischen Aussenhandelsbilanz
  • "Die Einfuhrveränderungen bei einzelnen Warengruppen." Nach Gruppen, aber auch nach Ländern. Statistische Angaben
  • "Innerer Markt."

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