Printed in
Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 25, doc. 134
volume linkZürich/Locarno/Genève 2014
more… |▼▶2 repositories
| Archive | Swiss Federal Archives, Bern | |
▼ ▶ Archival classification | CH-BAR#E2200.192#1992/3#78* | |
| Old classification | CH-BAR E 2200.192(-)1992/3 8 | |
| Dossier title | Industrialisation Horlogere au Mexique (1968–1972) | |
| File reference archive | 512.21(1) • Additional component: Mexiko |
| Archive | Swiss Federal Archives, Bern | |
▼ ▶ Archival classification | CH-BAR#E7110#1983/13#1647* | |
| Old classification | CH-BAR E 7110(-)1983/13 121 | |
| Dossier title | Allgemeines (1972–1972) | |
| File reference archive | 870 • Additional component: Mexiko |
dodis.ch/35885
Der Delegierte des Bundesrats für Handelsverträge, R. Probst, an den schweizerischen Botschafter in Mexiko, A. Fischli1
INRESA
Für Ihren ausführlichen Bericht vom 6. April2 über die Situation der Inresa3 danken wir Ihnen sehr. Ihre Darlegungen der Probleme dieses Unternehmens im besondern und der schweizerischen Uhrenindustrie im allgemeinen sind für uns sehr wertvoll4.
Die Bedenken, die Sie in Bezug auf die Zukunft der Inresa hegen, sind uns durchaus verständlich. Es erübrigt sich, hier auf die Vorgeschichte, die der Gründung dieser von der Schweiz aufgezogenen Uhrenfabrik voranging, zurückzukommen5. Doch darf daran erinnert werden, dass die schweizerische Uhrenindustrie aus einer Zwangslage heraus und nach einem von der damaligen mexikanischen Regierung aufgestellten Konzept (Uhrenherstellung im Land mit 70% Integration oder Verlust der Importlizenzen) handeln musste6.
Wir haben uns bewusst zu sein, das die Sachlage für die F. H. und die Sapiam von Anfang an kompliziert war, kam doch zu dem recht schwerfälligen Verteilungsapparat der Produktion der Inresa die Tatsache, dass der grösste Uhrenimporteur Mexikos, H. Steele, einmal als Vertreter einiger namhafter schweizerischer Uhrenfabriken wie auch durch seine eigene Uhrenfabrikation im Lande, in direkter Konkurrenz zum mexikanisch-schweizerischen Unternehmen stand.
Unter diesen Umständen war es fast zu erwarten, dass Ihre Botschaft bei der Wahrung der Gesamtinteressen der schweizerischen Uhrenindustrie in eine Zwickmühle geraten musste. Unsere Auffassung geht aber dahin, dass die Inresa am Leben erhalten werden sollte. Bei einer Liquidation des Unternehmens stände zuviel auf dem Spiel: Einmal der Ruf einer schweizerischen Investition in einem Entwicklungsland, die als erste schweizerische Uhrenfabrik im Ausland eine Art Testfall bildet; sodann aber auch das Ansehen der schweizerischen Uhrenindustrie ganz allgemein, der man nur allzuleicht mangelnden guten Willen vorwerfen und ebenso leichtfertig die Schuld in die Schuhe schieben würde. Wir wären Ihnen deshalb dankbar, wenn Sie die Bemühungen der Sapiam, die Inresa zu retten, im Rahmen dessen, was Ihnen verantwortbar erscheint, ermutigen und unterstützen könnten. Mit 49% schweizerischer Kapitalbeteiligung an der Inresa glauben wir, dass man Ihnen auf mexikanischer Seite eine Interessenahme nicht wird verübeln können. Der Vorschlag7 der Inresa an das Secretaría de Industria y Comercio, mit den importierten Uhren und den mit einem hohen Integrationsansatz im Lande fabrizierten Uhren – unter Ausklammerung von Luxus- und Roskopfuhren – eine Mischrechnung anzustellen, um im Durchschnitt auf eine mit 25% integrierte inländische Uhrenerzeugung zu gelangen, scheint uns vernünftig und konstruktiv.
Wir hatten in diesen Tagen auch noch Gelegenheit, mit Direktor Retornaz das Uhrenproblem Mexiko kurz zu streifen; er teilt unsere Auffassung in der Frage der Existenz der Inresa. In seiner Begleitung befand sich Herr A. Taillard, der uns über die Uhrensituation in Mexiko und die Sorgen, die ihn vor allem wegen der Uhrmacherschule beschäftigen, unterrichtete.
Wie schwierig es für die Sapiam halten dürfte, aus dem Dilemma herauszukommen, lässt sich auch daran ermessen, dass ihr Präsident, Herr Walter Schären, gleichzeitig Generaldirektor der «GeneralWatch Company Ltd.» (neue Fertiguhrgruppierung der ASUAG) ist, die zu ihrem runden Dutzend Uhrenfabriken Firmen wie Eterna, Era-Watch und weitere Lieferanten der Firma H. Steele zählt.
Wir haben den Eindruck, dass die Vertreter der Sapiam beim Suchen nach einer Lösung mit Schwierigkeiten kämpfen, die fast der Quadratur des Kreises gleichen. Es ist deshalb auch für uns ein Ding der Unmöglichkeit, heute schon klar zu sehen. Im Zwiespalt zwischen den Interessen der Inresa und dem schweizerischen Uhrenexport finden auch wir einstweilen keinen andern Ausweg, als nach Möglichkeit gemäss dem Grundsatz «das eine tun und das andere nicht lassen» zu handeln.
Zu Ihren Bedenken wegen einer allfälligen Einschaltung des Präsidenten der Interamerikanischen Entwicklungsbank, Ortiz Mena, wäre von uns aus gesehen noch eine Klarstellung anzubringen. Wir hätten sein Mitwirken nicht in seiner Eigenschaft als ehemaliger Finanzminister Mexikos, sondern als Prä sident der IDB verstanden, zu dessen Aufgaben es gehört, Auslandsinvestitionen in Lateinamerika, vor allem wenn sie als «joint ventures» aufgezogen sind und einen echten Beitrag zur Entwicklung des Landes bringen, zu unterstützen. Zudem ist der Vorschlag, sich des Falles Inresa anzunehmen, seinerzeit spontan von Ortiz Mena ausgegangen8, ohne das geringste Drängen von unserer Seite. Man darf auch annehmen, dass der Präsident der IDB als Lateinamerikaner über das nötige Fingerspitzengefühl verfügt, um in dieser heiklen Materie den richtigen Ton zu finden. Es würde uns interessieren, ob Sie bei Ihrer ablehnenden Stellungnahme auch diese Aspekte einer Unterstützung durch Ortiz Mena in Erwägung gezogen haben.
Da wir annehmen, dass Sie über den Ausgang der kürzlich abgehaltenen Generalversammlung der Inresa informiert werden, erwarten wir gerne Ihren weiteren Bericht9 in dieser Angelegenheit.
- 2
- Schreiben von A. Fischli an P. R. Jolles vom 6. April 1972, dodis.ch/37126.↩
- 3
- Vgl. dazu das Schreiben von J.-L. Pahud an P. R. Jolles vom 27. Oktober 1970, dodis.ch/36566; das Schreiben von A. Fischli an P. R. Jolles vom 8. November 1971, dodis.ch/36564 und das Schreiben von A. Fischli an P. R. Jolles vom 18. November 1971, dodis.ch/36565.↩
- 4
- Zu den Wirtschaftsbeziehungen der Schweiz mit Mexiko vgl. das Schreiben von H. Hofer an J.-L. Pahud vom 22. April 1970, dodis.ch/36569; die Notiz von H. Hofer und H.-U. Greiner vom 10. April 1970, dodis.ch/36568 sowie das BR-Beschlussprot. II vom 2. Juli 1970 der 26. Sitzung vom 1. Juli 1970, CH-BAR#E1003#1994/26#13*, S. 9.↩
- 5
- Vgl. dazu das Schreiben von R. Probst an J.-L. Pahud vom 30. August 1968, dodis.ch/32163.↩
- 6
- Zur Uhrenfrage in Mexiko vgl. DDS, Bd. 24, Dok. 46, dodis.ch/32160.↩
- 7
- Eingabe der Inresa an das mexikanische Industrie- und Handelsministerium vom 6. März 1972, CH-BAR#E7110#1983/13#1647* (870).↩
Tags
Watch industry Mexico (Politics)


