Printed in
Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 25, doc. 45
volume linkZürich/Locarno/Genève 2014
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| Archive | Swiss Federal Archives, Bern | |
▼ ▶ Archival classification | CH-BAR#E2001E#1980/83#228* | |
| Old classification | CH-BAR E 2001(E)1980/83 54 | |
| Dossier title | Attentat auf ein El-Al-Flugzeug im Flughafen Kloten am 18.2.1969 und Entführung eines Swissair-Flugzeuges durch arabische Terroristen am 6.9.1970 nach Jordanien (1969–1970) | |
| File reference archive | B.11.40.1 |
dodis.ch/35434
Interne Notiz des Politischen Departements1
ZUSAMMENFASSUNG DER NOTIZ2 ÜBER DIE FLUGZEUGENTFÜHRUNGEN NACH JORDANIEN
I. Beziehungen zu den arabischen Staaten
1. Reaktionen der arabischen Staaten auf die Parlamentsdebatte
Die Parlamentsdebatte3 vom 8. Oktober hat in den arabischen Staaten keine Reaktion hervorgerufen, was sicher auf den Tod Präsident Nassers und auf verschiedene innerarabische Probleme zurückzuführen ist.
2. Die schweizerisch-arabischen Beziehungen seit den Flugzeugentführungen
Unsere Beziehungen zu den arabischen Staaten haben sich seit den Flugzeugentführungen nicht verschlechtert; es fehlt im Gegenteil nicht an einigen ermutigenden Anzeichen. Eine stichwortartige Übersicht ergibt folgendes Bild:
Libanon war der Schweiz immer gut gesinnt; keine Änderung.
Syrien hat die Einführung verschärfter Visavorschriften4 noch nicht überwunden.
VAR: Die Haltung der neuen Regierung ist noch nicht klar ersichtlich; ein konstruktiver Dialog mit dem gemässigten Premierminister Fawzi scheint möglich zu sein5.
Jordanien hat die Eröffnung einer Botschaftskanzlei6 sehr begrüsst.
Libyen ist über die Befreiung der Klotener-Attentäter7 befriedigt.
Tunesien und Marokko: Keine Änderung; Einführung der Visapflicht noch nicht vergessen.
Algerien verhält sich der Schweiz gegenüber etwas distanziert, was vielleicht auf ein gewisses Schuldgefühl zurückzuführen ist.
II. Einige Hinweise zur Beantwortung der von Herrn Nationalrat Chevallaz in seinem Schreiben8 vom 21. Oktober 1970 aufgeworfenen Fragen
1. Haltung der arabischen Staaten in Bezug auf die Flugzeugentführungen
Die Haltung der arabischen Staaten9 gegenüber Anschlägen, die in Drittstaaten verübt werden, war immer zwiespältig. Man erkannte zwar, dass Attentate der arabischen Sache schadeten, fürchtete aber gleichzeitig, eine Verurteilung dieser Aktionen würde als Verrat an den Palästinensern ausgelegt.
Der Bürgerkrieg in Jordanien10 erschwerte nun noch eine klare Stellungnahme der betreffenden Regierungen. Im allgemeinen missbilligten die arabischen Politiker in privaten Gesprächen die Flugzeugentführungen, waren aber nicht dazu zu bringen, sie öffentlich zu verurteilen (z. B. Algerien und Tunesien; die ägyptischen Zeitungen lehnten die Attentate ab, die der ägyptische Aussenminister11 unter vier Augen als sinnlose Aktionen bedauerte; der irakische Präsident Bakrschien persönlich empört über das Vorgehen der Kommandos; Syrien als Mitglied des Sicherheitsrates der UNO hat der Verurteilung der Flugzeugentführungen zugestimmt; Libanon verurteilte schon immer Flugzeugentführungen, war aber nicht stark genug, um dagegen aufzutreten).
Libanon, Irak und Syrien sagten uns ihre Hilfe zur Befreiung der Geiseln zu; Libyen und Tunesien boten insbesondere ihre Unterstützung zugunsten der schweizerischen Geiseln an12. Die VAR scheint sich von Anfang an tatkräftig um die Befreiung der Geiseln bemüht zu haben. Jordanien war in seinen Aktionsmöglichkeiten praktisch gelähmt. Sicher haben die jordanischen Behörden, soweit es in ihren Kräften stand, alles getan, um die Geiseln unversehrt zu retten. (Im Verlaufe des Bürgerkrieges in Jordanien unterstützten Libyen und vor allem Syrien die Palästinenser, während sich die in Jordanien stationierten irakischen Truppen abwartend verhielten; Tunesien und vor allem Nasser ergriffen Initiativen, den Krieg zu beenden, indem sie insbesondere auf König Hussein einen gewissen Druck ausübten.)
2. Reaktion der arabischen Staaten auf die Vorladung13 der arabischen Missionschefs14 in Bern durch den Departementsvorsteher
Eine direkte Reaktion auf die Vorladung der arabischen Missionschefs in Bern durch den Departementsvorsteher am 9. September ist nicht zu verzeichnen. Es ist aber mit Sicherheit anzunehmen, dass die zahlreichen Interventionen, die gleichzeitig von mehreren Regierungen und von unseren Botschaftern unternommen worden waren, ihren Eindruck auf die arabischen Staaten nicht verfehlten und in ihrer Gesamtheit als ein nicht unwesentlicher Faktor zu betrachten sind, der schliesslich die glückliche Heimkehr der Geiseln ermöglichte.
3. Libération des otages
Selon les renseignements obtenus du CICR les différents groupes d’otages ont été libérés dans les circonstances suivantes:
Le groupe de passagers (femmes, enfants, malades et autres voyageurs) qui a pu rentrer après une semaine de détention a été délivré par le FPLP. Le premier groupe d’otages au nombre de 16 a été libéré ou plutôt récupéré par l’armée hachémite. Le deuxième groupe d’otages a été remis au CICR par les fédayin, donc a été délivré par ces derniers. Le dernier groupe d’otages a été remis au CICR par les fédayin et par l’entremise de l’Ambassade de la RAU à Amman.
La décision de libérer les deuxième et troisième groupes d’otages a été prise par un conseil réunissant toutes les organisations palestiniennes. Ce conseil a probablement été convoqué à la suite d’une démarche du Président Nasser à qui le Premier Ministre Heath avait envoyé un message personnel en le priant d’user de son influence pour la libération des derniers otages.
- 3
- Zur Beantwortung der Interpellation von G. A. Chevallaz und A. Lusser durch den Bundesrat am 8. Oktober 1970 vgl. Amtl. Bull., NR, 1970, S. 654–665 und Amtl. Bull., SR, 1970, S. 369–393.↩
- 4
- Zu den verschärften Visavorschriften für Angehörige arabischer Staaten infolge des Flugzeugabsturzes von Würenlingen vgl. DDS, Bd. 25, Dok. 8, dodis.ch/35440, Anm. 5. Zur Reaktion Syriens vgl. das Schreiben von P. von May an E. Thalmann vom 26. Februar 1970, dodis.ch/35444.↩
- 5
- Vgl. dazu DDS, Bd. 25, Dok. 73, dodis.ch/35768.↩
- 6
- Zur Eröffnung einer Botschaft in Jordanien vgl. die Notiz von M. Gelzer vom 3. November 1970, dodis.ch/36562 und das BR-Prot. Nr. 2016 vom 25. November 1970, dodis.ch/36563.↩
- 7
- M. Abu al-Heiga, A. Dahbor und I. T. Yousef. Zum Attentat der Volksfront für die Befreiung Palästinas auf ein El Al Flugzeug in Kloten am 18. Februar 1969 vgl. DDS, Bd. 25, Dok. 11, dodis.ch/35442, Anm. 2.↩
- 8
- Gemeint ist mit grosser Wahrscheinlichkeit die Interpellation von G. A. Chevallaz vom 21. September 1970. Vgl. dazu Anm. 3.↩
- 9
- Vgl. dazu auch die Notiz von P. Dietschi vom 28. August 1970, dodis.ch/35505. Zur Frage der völkerrechtlichen Verantwortlichkeiten der arabischen Staaten für die Entführungen vgl. die Notiz von J.-P. Ritter vom 16. Februar 1971, dodis.ch/35433.↩
- 10
- Zur schweizerischen Unterstützung der Hilfsaktionen des IKRK und SRK im jordanischen Bürgerkrieg vgl. das BR-Prot. Nr. 1716 vom 5. Oktober 1970, dodis.ch/36561.↩
- 12
- Vgl. dazu CH-BAR#E2001E#1980/83#228* (B.11.40.1) Bd. 53.↩
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Near and Middle East Highjackings to Zarqa (1970)


