dodis.ch/30212
Der Vorsteher des Politischen Departements,
F. T. Wahlen, an den österreichischen Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten, B.
Kreisky1
Ich bin Ihnen für Ihren persönlichen und vertraulichen Brief vom 11. April3, der mir durch Herrn Botschafter Tursky übermittelt wurde4, zu grossem Dank verpflichtet.
Obschon die Stellungnahme von Herrn Vine nichts Neues vermittelt, ist es doch erfrischend, eine bereits bekannte Stellungnahme in so burschikoser Art bestätigt zu hören5. Ich habe immer mehr den Eindruck, dass man im State Department den Sechs viel weniger Vertrauen entgegenbringt als sie tatsächlich verdienen. Mit andern Worten: Man traut ihnen zu, dass sie durch jedes Entgegenkommen, das gegenüber den Neutralen gezeigt werden könnte, auf Abwege geraten würden.
Unglücklicherweise sind die Fortschritte – oder besser gesagt die fehlenden Fortschritte – in Verhandlungen um die politische Union nicht dazu angetan, diesen Verdacht zu verkleinern. Wir werden also am kommenden 7. und 8. Mai6 allerhand Stoff zur Unterhaltung vorfinden, um so mehr als Sie bis dahin auch persönliche Eindrücke von Washington mit sich bringen werden.
Ich darf Sie versichern, dass ich den Bericht, den Sie mir zu Verfügung stellten, als höchst vertraulich behandeln werde.