Language: German
12.2.1937 (Friday)
Le Ministre de Suisse à Berlin, P. Dinichert, au Président de la Confédération, G. Motta
Political report (RP)
Entretien Dinichert-Neurath. D. soulève la question d’une déclaration du Chef de l’Etat sur l’intangibilité de la Suisse. Neurath y est opposé. Le paragraphe des statuts du parti nazi sur la réunion de tous les Allemands dans un même Etat ne concerne pas la Suisse. Les déclarations de Mussolini et d’Hitler au sujet de la Suisse.

Classement thématique série 1848–1945:
II. LES RELATION BILATÉRALES ET LA VIE DES ÉTATS
II.1 ALLEMAGNE
II.1.1. QUESTIONS DE POLITIQUE GÉNÉRALE ET BILATÉRALE
How to cite: Copy

Printed in

Oscar Gauye (ed.)

Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 12, doc. 27

volume link

Bern 1994

more… |
How to cite: Copy
Cover of DDS, 12

Repository

dodis.ch/46287
Le Ministre de Suisse à Berlin, P. Dinichert, au Président de la Confédération, G. Motta1

Vertraulich

Dieser Tage hatte ich mit dem Reichsminister des Auswärtigen ausserhalb seines Amtes eine Unterhaltung, bei der wir uns eine zeitlang allein befanden. Über den deutschen Gesandtenposten in Bern kam ich wieder einmal auf das uns am Herzen liegende Thema einer Erklärung von höchster deutscher Stelle hinsichtlich der Unversehrtheit, des unantastbaren Bestandes der Schweiz zu sprechen. Noch tags zuvor hatte ich, als ich Ihnen meinen vertraulichen Brief vom 8. Februar wegen der Karte «Deutsches Grenzland in Not»2 schrieb, Gelegenheit genommen, unsern Briefwechsel von Anfang 1935 in jener Sache nachzulesen. Ich brauche Ihnen also nicht näher darzulegen, was ich Freiherrn von Neurath auseinandersetzte und begreiflich zu machen suchte. Ich tat es mit der gebührenden Vorsicht, weil ich die bisherige, hier überwiegend negative Einstellung zu unserem Bestreben kenne.

Ich hatte mich auch diesmal nicht getäuscht; denn Freiherr von Neurath war ebenso klar als höflich ablehnend. Einige seiner bestimmten Äusserungen musste ich freilich in gleicher Weise beantworten.

Die Gedankengänge sind stets dieselben. Besonnene, verantwortungsbewusste Persönlichkeiten in Deutschland denken nicht daran, der Schweiz heute oder später etwas anzutun. Es bestehen hierüber keinerlei dunkle Absichten oder irgendwelche Pläne. Die Leute, die anders schreiben und reden und zeichnen, sind Phantasten oder Dummköpfe, die nicht ernst genommen werden dürfen. In diesem Zusammenhang erwähnte der Minister ausdrücklich den Reichsstatthalter in Baden, Wagner, sich daran erinnernd, dass ich ihm einmal von Letzterem für die Schweiz beleidigender Rede in Säckingen gesprochen hatte.

Der grundlegende Punkt des Programmes des deutschen Nationalsozialismus, wonach der Zusammenschluss aller Deutschen auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes der Völker zu einem Grossdeutschland gefordert wird und den ich bei solchen Auseinandersetzungen stets erwähne, hat, nach Freiherrn von Neurath, sich niemals auf die Schweiz beziehen wollen. Das sei doch eine Selbstverständlichkeit. Auf die Frage, warum denn diese Selbstverständlichkeit nicht in gebührender Form zum Ausdrucke gebracht werden könnte, wird entgegnet, dass eine Regierung nicht selbstverständliche Erklärungen abzugeben pflege. Dadurch würde sie eher den Verdacht aufkommen lassen, dass an der Sache doch etwas sein könnte.

Ich habe den Aussenminister auch auf den entsprechenden Vorgang mit Italien und Mussolini hingewiesen, welch’ Letzterer, wie ihm bekannt sein dürfte, feierliche Erklärungen abgegeben hat, die, wenn sie auch vielen als selbstverständlich erscheinen mochten, doch in hohem Masse zur endgültigen Beruhigung und damit zu den heutigen herzlichen Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien beigetragen haben.

Hierauf bemerkte Freiherr von Neurath, dass frühere Reichstagsreden Hitlers ebenfalls freundschaftliche Erklärungen über das Verhältnis zur Schweiz enthalten hätten. Ich antwortete, wir seien ihm dafür auch dankbar gewesen; denn die dadurch bekundete freundliche Gesinnung und seine guten Absichten seien unverkennbar gewesen. Immerhin hätten die gebrauchten Formulierungen und die Hinweise auf das deutsche Volk der Schweiz nicht allseits befriedigt und für die fernere Zukunft beruhigt. Es konnte natürlich nicht ausbleiben, dass der Reichsminister dazu bemerkte, dies zeige, dass mit solchen Kundgebungen das erstrebte Ziel eben doch nicht zu erreichen sei.

Das stimmt nur, insoweit man uns nicht richtig verstehen will oder kann, in Ansehung bestehender deutscher Absichten gegenüber ändern angrenzenden Ländern oder Gebieten. Deshalb versuchte ich es noch mit der Frage, den Zusammenschluss welcher Deutschen das nationalsozialistische Programm eigentlich im Auge habe. Ohne bemerkbare Zurückhaltung antwortete Freiherr von Neurath, es handle sich da vorab um Österreich, mit dem es bekanntlich eine einzigartige Bewandtnis habe und das eigentlich zu Deutschland gehöre. Was die Sudetendeutschen anbelange, so habe es die Tschechoslowakei in der Hand, ihnen ein erträgliches Dasein zu sichern und damit zu vermeiden, dass das Deutsche Reich sich ihrer in entscheidender Weise annehmen müsse. Andere Fragen dieser Art bestünden für Deutschland nicht. Selbstverständlich will Deutschland eines Tages wieder in den Besitz der durch den Friedensvertrag abgetrennten Gebiete, Elsass-Lothringen möglicherweise ausgenommen, gelangen. Diese Selbstverständlichkeit brauchte der Aussenminister mir gegenüber allerdings nicht zu erwähnen.

Vorstehendes war geschrieben, als mir die damit in Zusammenhang stehende, von der Abteilung für Auswärtiges unterm 9. Februar ausgearbeitete Aufzeichnung über Hitler’s letzte Reichstagsrede zukam; ich nehme mir vor, gelegentlich darauf zurückzukommen.

1
E 2300 Berlin, Archiv-Nr. 38. En tête du document figure cette inscription manuscrite de Bonna: M. Frölicher. Je pense qu’il convient de remercier M. Dinichert. (par Dépt.). 17/2. Bo. En marge, paraphe de Motta: M.
2
Carte irrédentiste.