Language: German
7.11.1914 (Saturday)
Le Ministre de Suisse à Washington, P. Ritter, au Chef du Département fédéral du Commerce, E. Schulthess
Report (R)
Ritter commente les démarches qu’il a faites pour obtenir le libre passage des produits américains destinés à la Suisse par le port de Gênes.
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Printed in

Jacques Freymond et al. (ed.)

Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 6, doc. 68

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Bern 1981

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dodis.ch/43343
Le Ministre de Suisse à Washington, P. Ritter, au Chef du Département fédéral du Commerce, E. Schulthess1

Ich beehre mich, Ihnen die vom 5.-7. November zwischen Ihrem Departement und meiner Gesandtschaft gewechselten Kabel (in der Beilage als 1-4 bezeichnet) zu wiederholen und daran folgende Erklärungen zu knüpfen.

ad. I.2 Die bevorstehende Ausfuhr amerikanischer Baumwolle nach Deutschland beruht nicht auf einer Entente zwischen dem genannten Lande und den Vereinigten Staaten, sondern lediglich darauf, dass die Vereinigten Staaten es nicht mehr länger ertragen wollten, dass England die Ausfuhr von Baumwolle - welche noch niemals als Kriegskontrebande angesehen worden ist - nach Deutschland und Österreich noch ferner hindere. Grossbritanien gab nach, da die Volksstimmung in den Vereinigten Staaten, der sich stetig mehrenden Schikanen wegen, welche der amerikanische Handel durch Kaperung und Aufhalten von amerikanischen Europasendungen durch die Engländer fortgesetzt erfährt, merklich zu Ungunsten Englands und zu Gunsten Deutschlands umschlug.

Es ist übrigens einstweilen stets noch unmöglich, die dringenden deutschen Baumwollorders auszuführen, da reguläre See-Versicherungen dorthin noch immer nicht möglich sind und die amerikanischen Versicherungsgesellschaften (englische können nicht mittun) immer noch auf Klausel beharren «exempting the insurer from loss arising from British capture, seizure and detention».

Als ich Ihren Wunsch dem stellvertretenden Staatssekretär, Mr. Lansing, vortrug (Herr Bryan ist auf Reisen), sagte er sofort, dass zur Zeit nur italienische Häfen in Betracht kommen können, auch wünschte er, dass ich den englischen Botschafter sehe, da von England, welches die Schiffahrt dominiere, eben alles abhänge.

ad. 2.3 Das Staatsdepartement hatte gerade in den letzten Tagen sich sehr stark mit nach Italien bestimmten, seitens englischer Kriegsschiffe in Gibraltar aufgehaltenen Kupfersendungen zu beschäftigen. Aus den hier beigefalteten neuesten Zeitungsausschnitten werden Sie ersehen, wie arbiträr England auch zum Beispiel Holland gegenüber handelt und wie Schweden gegen Schliessung der Nordsee durch England protestiert, etc. Andere neutrale Staaten wie z.B. Norwegen, die ihre eigenen Schiffe haben, unterziehen sich ebenfalls den englischen Vorschriften.

Nicht wissend, ob Ihnen all das so genau bekannt ist und da ich überdies durch unser Konsulat in New York erfahren hatte, dass dort telegraphische Anfragen bezüglich Lieferungen von Kupfer, Stacheldraht, etc., die augenscheinlich den schweizerischen Bedarf weit übersteigen würden, eingelaufen seien, so nahm ich gerne an, dass es Ihnen als Ergänzung meines unterm 22. Oktober an das Politische Departement gerichteten «Kupferberichtes»4 vielleicht recht willkommen sein möchte, die Stimmung des bei den Vereinigten Staaten beglaubigten englischen Botschafters, welcher hier «Regen und Sonnenschein macht», zu kennen. Als ich Sir Cecil Spring-Rice aufsuchte, war er äusserst (ich möchte fast sagen «übertrieben») liebenswürdig, versicherte mich seiner Bewunderung für die Schweiz und wiederholte immer wieder, dass wir von ihm alles was wir haben wollen bekommen können, vorausgesetzt nur, dass wir nicht Deutschland und Österreich bedienen.

Der Schlusssatz meines Kabels (No. 2) bezieht sich darauf, dass Herr Lansing mich gebeten hatte, mein Gesuch schriftlich niederzulegen. Ich zögerte dies zu tun, nicht wissend, ob Sie vielleicht schon spezielle Wünsche auszusprechen gedenken.

Die Vereinigten Staaten, so mächtig sie darauf ausgehen, ein möglichst grosses Exportgeschäft mit allen Kriegsführenden zu machen (ich verweise auf meine jüngsten Politischen Berichte No. 165 und 174 und die Handelsberichte vom 19. September.6, 12.4 und 29. Oktober.4) stehen eben doch unter sehr starkem englischen Einflüsse. Ganz nebenbei sei erwähnt, dass Staatssekretär Bryan’s Schwiegersohn als englischer Offizier im Felde steht.

ad. 3. Nach Erhalt Ihres erklärenden Kabels vom 6. Nov.7, welches mich in die Lage versetzte, die Situation endlich besser überblicken und verstehen zu können, begab ich mich heute wieder zu Herrn Lansing und überreichte ihm die hier in Kopie beigefaltete Note8. Er sagte mir, dass er sofort an Botschafter Page in Rom «to use his good offices» kabeln werde, woraufhin ich das chiffrierte Kabel No. 4.9 Ihnen zuzusenden mich beehrte.

Ich lege noch einige weitere neue Ausschnitte allgemeiner Natur hier bei, welche Sie als mit dem heutigen Schreiben im Zusammenhang stehend, zweifellos interessieren dürften.

Gleichzeitig gestatte ich mir die ergebene Anregung zu machen, ob es nicht tunlich wäre, diese Gesandtschaft, welche in dem sozusagen einzigen Lande liegt, nach dem noch Absatzmöglichkeiten aller Art bestehen, über die nun in der Schweiz existierenden kommerziellen und industriellen Verhältnisse einigermassen auf dem Laufenden zu erhalten.

Wir wissen hier nichts und können oft auf die einfachsten Fragen nicht antworten. Das Ausfuhrverbot vom 13. August gilt nicht mehr genau. Welche Industrien sind exportfähig? Warum liest man stets, dass die Schweiz über Rotterdam verschifft und nicht über Italien? Sind Besucher, Reisende, Fremde in der Schweiz willkommen oder unwillkommen? Um Ihnen ein Beispiel zu geben: Kürzlich klagte uns ein amerikanischer Phonographenfabrikant, dass er durch die Einstellung der schweizerischen Saphirsteinlieferungen gezwungen sein werde, hier seine Fabrikation einzustellen. Wir nahmen an, dass wohl alle Arbeiter an der Grenze seien, kabelten aber schliesslich eine Anfrage an die Fabrik und erhielten umgehend die Antwort, dass Fabrikation und Ausfuhr niemals unterbrochen gewesen seien und dass man um recht zahlreiche Bestellungen bitte.

Die Gesandtschaft gibt sich die grösste Mühe, schweizerische Fabrikate in entstehende Lücken einzuschieben.

Interessenten haben übrigens Gelegenheit, sich in Europa Auskunft über Ausund Einfuhr amerikanischer Waren zu verschaffen durch den neuen amerikanischen Handelsattaché in Berlin, der zurzeit dem Konsulate der Vereinigten Staaten in Rotterdam zugeteilt worden ist. Seine Adresse lautet: Mr. Thompson, c/o Consulate of U. S., Rotterdam.

1
E 2300 Washington, Archiv-Nr. 31.
2
Le télégramme du Département fédéral du Commerce envoyé le 4 novembre 1914 disait: D’après télégramme Allemagne recevra coton américain en suite d’entente avec gouvernement Etats-Unis. Prière faites toutes démarches pour obtenir appui amical gouvernement américain pour faire passer ports neutres européens tous produits américains notamment coton, métaux, pétrole. Attachons grand prix résultat favorable démarche.
3
Le télégramme de la Légation de Suisse à Washington envoyé le 5 novembre 1914 disait: Coton était toujours entièrement libre. Angleterre avait seulement empêché exportation pour Allemagne et Autriche. Le Gouvernement américain consent vous appuyer amicalement par son ambassadeur Rome pour passer port neutre Gênes tous produits américains. Autres ports neutres présenteraient difficultés. En outre j’ai vu ambassadeur britannique qui offre faciliter le transport en légalisant et recommandant ma déclaration que gouvernement suisse garantirait chargements destinés uniquement pour Suisse et que marchandises ne seront pas réexportées. Ambassade italienne nous fournit maintenant déjà recommandations analogues pour chargements blé destination Gênes. Gouvernement américain attend votre décision pour câbler instructions Rome.
4
Non reproduit.
5
Non reproduit.
6
Non retrouvé.
7
Ce télégramme disait: Ihre Depesche vom 5. erhalten. Sind sehr erstaunt, dass Sie Frage mit englischem Botschafter diskutiert haben. Wünschen Hilfe amerikanischer Regierung möglichst freie und unbehinderte Zufuhr amerikanischer Waren zu erreichen sowie englische Kontrolle und Deklaration über Verwendung zu vermeiden. Getreide und Petrole werden allerdings ausschliesslich im Lande verwendet; für andere Waren aber muss freie Verwendung, insbesondere für aus ihnen hergestellte Produkte Vorbehalten werden. Vermeidet weitere Diskussion mit englischem Botschafter. Bittet Regierung sich in Rom für unbehinderte Zufuhr amerikanischer Waren durch Italien zu verwenden, da England dort Schwierigkeiten zu machen sucht.
8
Cette note disait: Referring to the promise given me verbally on November 5th to support Switzerland amicably with a view of obtaining unobstructed passage of American goods destined for Switzerland through Italien ports, I have the honor to respectfully request, in expressing to you my thanks for your courtesy, to kindly give, as offered, telegraphic instructions in that sense to His Excellency the American Ambassador in Rome.
9
Ce télégramme disait: Kabel vöm 6. erhalten. Regierung kabelte heute Instruktionen Botschaft Rom Schweizer Wünsche zu unterstützen.