Language: German
30.12.1878 (Monday)
Protokoll der Sitzung des Bundesrates vom 30.12.1878
Minutes of the Federal Council (PVCF)
Italien will den Handelsvertrag bloss verlängern, wenn die Schweiz einem Zollkartell zur Bekämpfung des Schmuggels zustimmt, das in den wichtigsten Zügen skizziert wird. Der Bundesrat hält das Kartell für unannehmbar, erklärt sich aber zu Verhandlungen bereit.

Thematische Zuordung Serie 1848–1945:
II. WIRTSCHAFTS-, HANDELS- UND WÄHRUNGSPOLITIK
1. Bilaterale Verhandlungen
1.3. Die Verhandlungen mit Italien
1.3.2. Die Bekämpfung des Schmuggels

Darin: Umreisst die Ausgangslage und formuliert die maximalen Konzessionen in bezug auf ein Zollkartell. Vorab gelte es, Zeit zu gewinnen. Annex vom 6.1.1879
Darin: Der Bundesrat erklärt, er lehne ein Zollkartell nach dem Vorbild des italienisch-österreichischen ab, er klärt sich aber bereit zu Verhandlungen. Annex vom 6.1.1879
Darin: Die neuen italienischen Schutzzölle haben zu einem starken Tabakschmuggel geführt. Ein Zollkartell würde, wie das Beispiel Österreich zeigt, Italien wenig nützen, wäre aber für die Schweiz sehr nachteilig. Annex vom 9.2.1879
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Printed in

Erwin Bucher, Peter Stalder (ed.)

Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 3, doc. 152

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Bern 1986

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dodis.ch/42131
Protokoll der Sitzung des Bundesrates vom 30. Dezember 18781

6846. Handelsvertrag mit Italien

Der schweizer-italien. Handelsvertrag vom 22. Juli 1868 (A.S. IX, 657), der im Jahre 1875 gekündet, aber leztlich unterm 2. Juli ds.Js. (PNo 3589) prolongirt worden ist, geht mit dem 31. dies zu Ende. Das Departement hat nicht unterlassen durch Vermittlung der schweizer. Gesantschaft in Rom eine nochmalige Prolongation auf etwa 6 Monate vorzuschlagen. Troz wiederholter Bemühungen ist es aber Herrn Pioda nicht gelungen, eine längere Prolongation als auf 1 Monat auszuwirken, und zwar in dem Sinne, dass innert dieser Frist in Rom über die Revision des bisherigen Vertrages verhandelt werden solle, wofür aber der Abschluss eines Zollkartells zwischen den beiden Staten nach Analogie des zwischen Italien und Österreich bestehenden unerlässliche Bedingung sei.2 Das Departement hat Herrn Pioda unterm 27. dies dann ermächtigt, eine Deklaration betr. Verlängerung auf einen Monat auszuwechseln und dabei die Abordnung eines Unterhändlers, der auch mit Instructionen bezüglich der Kartellfrage versehen sein werde, zugesagt.3

Laut neuerlichem Telegramm des Herrn Pioda vom 28. dies4 hat nun aber die italien. Regierung die Prolongation des bisherigen, sowie den Abschluss eines neuen Handelsvertrages abgelehnt, wenn die Schweiz nicht zum voraus im Grundsaz dem Kartell zustimme. Die Propositionen des Herrn Depretis, die quasi als Ultimatum zu betrachten, sind folgende:

1. LaSvizzera stabilisce coll’Italia un «cartello» doganale per impedire reciprocamente il contrabando, lungo i confini, come lo è stabilito tra l’Austria e l’Italia.

2. Si contenta di limitarsi per ora ad un solo trattato di «trattamento di nazione la più favorita.»

3. Un trattato spéciale a Tariffa puö farsi, ma escludendo il cotone (riservandosi la sua decisione in riguardo alia seta, non essendone lui abbastanza informato) e cio sino a quando un simile trattato non sia conchiuso con la Francia, per avere con questa nazione la libera azione.

4. Proroga di un mese (se l’Austria l’ottiene) colla condizione, che la Svizzera sia disposta di entrare in queste trattative comprese nei Art1 1, 2, 3, 4 & 5.

5. Desidera, mettendolo quasi quai condizione, ehe le negoziazioni succedino e si facciano a Roma invece a Berna.

Heute Vormittag hat nun zwischen dem Stellvertreter des Handels- und dem Vorsteher des Finanz- & Zolldepartements, dann den Herren Köchlin-Geigy von Basel, welcher früher die Vertragsunterhandlungen mit Italien geführt und Henri Hotz in Winterthur und Mailand, welcher kürzlich für das Dept. eine Mission in Rom besorgt hat, endlich den Zolldirektoren Meyer und Franscini eine Konferenz über die neuen Vertragsunterhandlungen im Allgemeinen und über die Cartellfrage insbesondere stattgefunden.

Sie führte zu dem Resultat, dass die Schweiz mit Italien ein Zollcartell, wie das zwischen Österreich und Italien bestehende, nicht abschliessen könne, dass sie aber ein solches auch nicht rundweg ablehnen dürfe, weil sonst eine Prolongation verweigert werden und die Wiederaufnahme der Unterhandlungen für einen neuen Vertrag sehr schwer halten würde. In Übereinstimmung hiemit beantragt das Departement das Telegramm des Herrn Pioda vom 28. dies folgendermassen zu beantworten:

«Nous ne refusons pas cartel en principe, mais nous nous réservons discussion des conditions à Rome.»

Nach gepflogener Beratung hat der Bundesrat heute beschlossen: es sei Herrn Pioda telegraphisch folgender Bescheid zu erteilen:

Annoncez Gouvernement Italien que nous admettons No 2, 3, 4 & 5 comme base négociations. Quant au premier point, nous ne refusons pas un cartel en principe, mais nous réservons discussion des conditions à Rome. – Réponse.

1
E 1004 1/115. Abwesend: Heer.
2
Vgl. E 13 (B)/214.Vgl. auch den Annex 1.
3
Vgl. E 13 (B)/212.
4
E 13 (B)/63.