Language: German
30.3.1860 (Friday)
CONSEIL FÉDÉRAL Procès-verbal de la séance du 30 mars I860
Minutes of the Federal Council (PVCF)
Nouvelles de Turin et de Genève. Envoi d’un Commissaire à Genève et levée de troupes.

Classement thématique série 1848–1945:
I. RELATIONS BILATÉRALES
I.9. France
I.9.5. Question de Savoie
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Printed in

Jean-Charles Biaudet et al. (ed.)

Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 1, doc. 385

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Bern 1990

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dodis.ch/41384
CONSEIL FÉDÉRAL
Procès-verbal de la séance du 30 mars I861 12

1516. Telegramme:

a. von Hrn. Tourte in Turin vom 28. dies, No 587/11091, chiffrirt3: Er habe protestirt; Cavour werde antworten; er habe versucht, ihn zu beruhigen; die Franzosen kommen in grosser Anzahl über den Mont-Cenis.

Von Hrn. Tourte in Turin vom 29. dies, No 594/11254, theilweise chiffrirt:5 Cavour ermächtige ihn, zu telegraphiren: die sardinischen Behörden werden in der Administration des Landes fortfahren bis zur Ratifikation des Vertrages durch die Kammern. Die Volksabstimmung werde in Savoien vor dieser Ratifikation stattfinden; inzwischen werden die piemontesischen durch savoiische Beamte ersezt; in der Konversation sei ihm jedoch die Äusserung entschlüpft, dass wenn Frankreich absolut wollte (was nicht geschehe), so würde er auf die nämliche Weise protestiren, wie dies durch Jocteau mitgetheilt worden sei. Das wäre aber Alles.

b. von Hrn. Challet-Venel in Genf vom 29. dies, No 88 2/10806: die französische Administration etablire sich incognito im Faucigny. Französische Agenten seien der Douane von Annecy adjungirt; die sardinische Administration bereite die Inventare über Salz und Tabak vor. Wenn die administrative Besiznahme erfolge, so sei alles gesagt.

1517. Telegramme betr. Ausfall nach Savoien.

c. Privatdepesche von Thome Guex in Genfan Hrn. Ed. Gerber in Bern vom 30. dies7, dem Hrn. Stämpfli zugestellt: das Dampfboot A igleNo 2 sei heute Nacht mit einem Freikorps der Fruitiers, geführt von Perrier, nach den neutralisirten Provinzen zur Besizergreifung ausgefahren.

d. von Hrn. William de La Rive in Genf an den Bundespräsidenten vom 30. dies, No 931/11518: heute Nacht um 2 Uhr seien 80 Mann Bewaffnete mit dem Dampfboot «Adler» ausgefahren; Bestimmung nach Thonon; Aufregung und Indignation sei allgemein. Das Savoierkomite protestire gegen dieses Unternehmen mit Indignation.

e. vom Vizepräsidenten Fontanel in Genf an den Bundesrath vom 30. dies, No 936/11557: heute Nacht seien 50 zum Theil Bewaffnete auf dem Adler No 2 an das savoiische Ufer ausgefahren; sie seien vor Thonon; von Ouchy sei eine ähnliche Expedition erfolgt; das Savoierkomite erkläre des Bestimmtesten, an diesem Vorfall keinen Theil zu haben. Genf habe der waadtländischen Regierung Anzeige gemacht und sie nöthigenfalls um Beistand angerufen. Zwei Jägerkompagnien haben das Schiff «Helvetia» bemannt, um diese unkluge Manifestation aufzuhalten; eine Untersuchung sei eingeleitet. Sie wünsche Weisung (Ordres).

f. von Hrn. Challet-Venel in Gen/vom 30. dies, No 951/1160:9 die Regierung von Genf erlasse in diesem Augenblik eine Proklamation gegen obigen fatalen Vorgang. Eine Untersuchung sei angehoben. Das Dampfschiff «Wilhelm Teil» werde bewaffnet ausfahren, um den Adler einzuholen und die Effekten zu arretiren. Die Regierung von Waadt sei zur Unterstüzung im Falle der Noth angerufen. Sie habe heute morgen diesseitige Ordres verlangt, aber die Zeit dränge und sie handle; die Regierung size in Permanenz.

g. vom Bundespräsidenten an Genf von heute (30. dies)10: man habe Anzeige von dem Ausfall von 80 Mann unter Perrier nach Thonon; die Regierung wolle mittheilen, was daran sei und welche Massregeln sie ergriffen habe.

Nach genommener Kenntnis von diesen Depeschen (von c., d., e., f. und g.) ist nach obgewalteter Diskussion beschlossen worden:

1. es sei ein eidgenössischer Kommissär in der Person des Hrn. Ständerathes Dr. Blumer von Glarus zur Information und Berichterstattung nach Genf abzuordnen.

2. seien zum Zweke der Aufrechthaltung der Ordnung an der westlichen Gränze die bisher in kantonalen Wiederholungskursen gestandenen Truppen in Genf und Waadt unter eidgenössisches Kommando zu stellen.

3. seien die Truppen in Genf, nämlich Bataillon No 20 von Genf und 12 Pfünder-Batterie No 9 von Genf, und die zur 1. Division gehörenden im Wiederholungskurs stehenden Truppen im Kanton Waadt: 12 Pfünder-Batterie No 9 von Waadt und Scharfschüzenkompagnie No 3 und 10 von Waadt unter das Kommando des Hrn. eidgenössischen Obersten Ziegler, und

4. das Bataillon No 26 von Waadt unter das Kommando des Hrn. eidgenössischen Obersten Veillon gestellt.

5. sei hievon den Regierungen von Waadt und Genf Anzeige zu machen.11

6. sei den schweizerischen Gesandtschaften in Paris, Turin, Wien und London per Telegraph Anzeige von dem Vorfall zu machen12, sowie von der Absendung eines eidgenössischen Kommissärs nach Genf13 und der Anordnung einer Untersuchung gegen die Thäter und Bestrafung derselben. Massregeln zur Verhütung ähnlicher unbesonnener Unternehmungen seien getroffen.

7. sei den Gesandtschaften von Frankreich, England, Österreich, Preussen, Russland und Sardinien mittels Verbalnote ebenfalls Kenntnis zu geben.14

1
Etait absent: J. Furrer.
2
E 1004 1/40.
3
E 2/1630.
4
Idem.
5
Idem.
6
Idem.
7
Idem.
8
Idem.
9
Idem.
10
Idem.
11
Idem.
12
Idem.
13
A. O. Aepli, de Saint-Gall, Conseiller aux Etats. Cf. ses lettres de créance du 30 mars 1860 (E 2/1630).
14
Dont le texte est identique à celui du télégramme adressé aux représentants de la Suisse (cidessus, notell). Une note verbale du 31 mars(E 2/1630) signale que celle du 30 «çexà essentiellement de son importance en ce que les particuliers[...] partis de Genève n’ont pas[...] franchi armés le territoire savoisien».