Language: ns
1.5.1938-30.6.1941
AfZ; NARA RG 242 T 120 / MF 177
Information Independent Commission of Experts Switzerland-Second World War (ICE) (UEK)
Info UEK/CIE/ICE ( deutsch français italiano english):
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AfZ NARA RG 242 T 120 / MF 177


Serial Number: 183


Seitennummer: 85827 - 86381
Umfang: 554 S.
Bemerkung (Karteikarte AfZ, paraphrasiert - meist aktenproduzierende Stelle plus Dossiertitel bzw. Inhaltsangabe): AA, Büro des Staatssekretärs, Schweiz, Bd. 1, 5/1938 -6/1941. - Inhalt: Neutralitätsprobleme und Nachschub lebenswichtiger Güter im Kriegsfall; Proteste gegen Luftraumverletzungen durch deutsche Flieger (z.T. kopiert); deutsche Proteste wegen schweizerischen Fliegerangriffen auf deutsche Flieger [diese Themen z.T. kopiert]
nicht kopiert sind folgende Themen: Schweizerische Schiffahrt, Swissair (Flugverkehr), Rotes Kreuz, Rütli-Rapport, Brief Jacob Schaffner an Weizsäcker, 3.10.1940, Journalistenreise nach Deutschland 1941, Charité-Dokumente, René Sonderegger (Zürich, Rede eines Schweizer Patrioten an die Deutschen in der Schweiz, 16 S.).
Kurzbeschrieb: z.T. kopiert.

Einzelne Dokumente:


Wingen (AA) an verschiedene Ministerien, 22.6.1938


[KOPIE]

Betr. die Unterbrechung der Wirtschaftsverhandlungen. Muff, Präsident der Deutschen Handelskammer in der Schweiz, hat in einem Schreiben an Weizsäcker über "durch die Unterbrechung der Verhandlungen in der Schweiz entstandene Unruhe und ihre nachteiligen Auswirkungen auf den deutschen Warenbezug" berichtet und sich "für eine möglichste [sic] Vermeidung eines vertragslosen Zustandes" ausgesprochen. Weizsäcker habe geantwortet, dass er dazu keine Möglichkeit sehe.

Clodius (im Auftrag gez.) an ? [kein Empfänger], 20.6.1938


[KOPIE]

Betr. Schreiben von Bundesrat Obrecht vom 8.6.1938 an von Bibra. Er [Clodius] lässt Obrecht folgendes mitteilen:
"Herr Gesandter Hemmen habe Herrn Hotz mit keinem Wort den Vorwurf gemacht, dass er eine Politik betreibe, die nicht mit der des Bundesrats übereinstimme. Dagegen habe er, nachdem in der letzten Vollsitzung der schweizerische Delegationsführer selbst das Gespräch auf die persönliche Unterhaltung mit Herrn Obrecht in der Deutschen Gesandtschaft gebracht hatte, erklärt, dass er und mit ihm die anwesenden deutschen Herren aus dieser Unterhaltung allerdings den bestimmten Eindruck gewonnen hätten, dass Herr Obrecht den Vorschlag eines Regierungsausschusses als einen sehr glücklichen Gedanken bezeichnet habe, um so mehr, als Herr Obrecht anschliessend dem Herrn Gesandten Köcher spontan vorschlug, sich selbst und den Gesandten als Ehrenvorsitzende eines solchen Regierungsausschusses bestellen zu lassen."
die schweizerischen Vorschläge "bedeuteten eine grundlegende Änderung des Systems des deutsch-schweizerischen Verrechnungsabkommens, indem sie künftig die Einsetzung der freien Devisenspitze, ganz oder teilweise, für die Ausfälle an Gutschriften aus der deutschen und der österreichischen Ausfuhr fordern".

Woermann an ? [interne Notiz], 10.8.1938


[KOPIE]

"Der Schweizerische Gesandte sagte mir heute, er wolle mich nur vorläufig darüber unterrichten, dass in der Schweiz ernste Erwägungen im Gange seien, um den Zuzug von Juden aus Deutschland einzudämmen. Die Schweizerische Regierung sei entschieden gegen eine Verjudung des Landes, wofür wir Verständnis haben würden. Es könne sein, dass im Laufe der vom Schweizerischen Bundesrat zu beschliessenden Massnahmen an Deutschland wegen einer Mitwirkung herangetreten werden würde. Zu den Erwägungen, die in der Schweiz angestellt würden, gehöre auch die Einführung eines Visumzwanges für Reichsdeutsche. Augenblicklich bestünde ein Visumzwang nur für das Gebiet des ehemaligen Österreich. Es würden aber anscheinend deutsche Pässe, die die österreichische Herkunft nicht erkennen liessen, auch für Juden aus Österreich ausgestellt. Kürzlich seien vom Konstanz aus sogar Juden mit dort ausgestellten Grenzpassierscheinen nach der Schweiz gekommen, obwohl die Juden nicht im Grenzgebiete beheimatet seien. Der Zuzug der Juden aus dem alten Reiche nehme in letzter Zeit einen ausserordentlichen Umfang an. So seien am letzten Freitag allein über Basel 47 Juden eingereist. Er glaube, dass die Deutsche Gesandtschaft in Bern bereits durch die Fremdenpolizei auf die Angelegenheit hingewiesen worden sei."
gez. Woermann

"Aufzeichnung" Rintelen, 15.8.1938


[KOPIE]

Köcher teilt telephonisch mit:
"Er höre von dem Chef der schweizerischen Fremdenpolizei, dass am 13.d.M. erneut in grösserer Zahl Emigranten aus Deutschland in die Schweiz gelangt seien, bezw. versucht hätten, dorthin zu gelangen. 79 Emigranten seien bei Diepoldsau (südlich Bregenz) auf schweizerisches Gebiet hinübergekommen. Des weiteren seien bei Waldshut am vergangenen Freitag 12 Personen von den schweizerischen Grenzorganen zurückgewiesen worden, hätten dann sich aber am Sonnabend erneut bei Erzingen an der Grenze eingefunden, und zwar ausgestattet mit Grenzpassierscheinen. Die schweizerischen Grenzbeamten hätten sie jedoch nicht hineingelassen, was zur Folge gehabt habe, dass der Zollinspektor Sickingen in Erzingen angeordnet habe, dass schweizerische Staatsangehörige mit Grenzpassierscheinen nicht mehr nach Deutschland hinüber zu lassen seien.
Herr Rothmund habe erklärt, diese neuen Vorkommnisse liessen die Zustände an der Grenze nachgerade unerträglich werden, sodass die Schweizer Regierung wohl keinen andern Ausweg mehr sehen werde, als die Wiedereinführung des Sichtvermerkzwangs für den gesamten deutsch-schweizerischen Verkehr. Es werde sich auch nicht mehr verhindern lassen, dass die Presse die Angelegenheit aufgreife und gross aufgemacht behandle, da die durch die Vorkommnisse entstandene Erregung bereits recht erheblich sei."
Köcher meint, "dass ein dringendes Eingreifen von hier aus geboten erscheine".

gez. F. (Schweizerische Gesandtschaft in Deutschland, Abschrift), 24.9.1938


[KOPIE]

Thema: Wunsch der Schweiz, dass Nachbarstaaten eine Erklärung abgeben, dass sie ihre Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern aufrechterhalten könne.

Notiz Woermann, 2.12.1938


[KOPIE]

Weiterer Entwurf der Schweiz betr. ihrer Versorgung mit Gütern im Kriegsfalle.

Weizsäcker an Reichsminister, 16.1.1939


[KOPIE]

"Der Schweizerische Gesandte beschwerte sich heute bei mir über einige deutsche Verlagserzeugnisse.
Zunächst nannte Herr Frölicher mir die Nationalsozialistischen Monatshefte von 1939, wo im Januarheft Nr. 106 Seite 46 ff ein Artikel von Dr. Bockhoff enthalten ist mit der Ueberschrift 'Neutralität und Demokratie im 20. Jahrhundert'. In diesem Artikel, den ich noch nicht kannte, sei, so führte Herr Frölicher aus, ein neuer Begriff eingeführt, nämlich der der sogenannten Volksneutralität, während doch in Wirklichkeit der Neutralitätswille und die Neutralitätshandlung der Regierungen massgebend seien. Seite 65 dieses ausführlichen Artikels desavouiere Herr Bockhoff die dem Gesandten selbst sowie dem Bundesrat Schulthess vom Führer ausgesprochene Absicht des Reiches, die Neutralität der Schweiz unter allen Umständen zu achten.
Ich habe Herrn Frölicher zunächst gesagt, bei uns sei nur das Wort des Führers massgebend. Eine Fragestellung: hie Führer, hie Bockhoff gebe es nicht [!]. Ohne den Artikel gelesen zu haben, könne ich nicht antworten, müsse aber - wie schon wiederholt - bemerken, dass in demokratisch regierten Ländern der Neutralitätswille der Regierung schon im Frieden unterbaut sein müsse durch eine korrekte Haltung der Presse."
Es folgt eine Diskussion um die Haltung der schweizerischen Presse: Bundesrat (Motta) sei daran, "die Presse Schritt um Schritt in ihre Schranken zurückzuverweisen".

Woermann (interne Notiz), 3.4.1939


[KOPIE]

Thema: deutsch-schweizerische Erklärung über den Durchgangsverkehr im Kriegsfalle (samt Anhang mit dem schweizerischen Vorschlag und einem deutschen Gegenvorschlag (Nr. 2))

"Aufzeichnung" Hemmen, 21.4.1939


[KOPIE]

Thema: deutsch-schweizerische Erklärung über den Durchgangsverkehr im Kriegsfalle. Verfasser ist dagegen. Zusätzlich deutscher Gegenvorschlag (Nr. 3).

Woermann (interne Notiz), 26.5.1939


[KOPIE]

Thema: deutsch-schweizerische Erklärung über den Durchgangsverkehr im Kriegsfalle. Samt Kompromissvorschlag vom 26.5.1939 und dessen Korrektur vom 31.5.1939

Memorandum, 26.5.1939


[KOPIE]

Thema: deutsch-schweizerische Erklärung über den Durchgangsverkehr im Kriegsfalle.

Schweizerische Gesandtschaft Berlin an AA Berlin, 29.8.1939


[KOPIE]

Thema: deutsch-schweizerische Erklärung über den Durchgangsverkehr im Kriegsfalle.
Gesandtschaft teilt mit, "dass die Schweizerische Regierung Wert darauf legt, den Austausch meteorologischer Nachrichten zwischen den beiden Ländern auch im Falle kriegerischer Verwicklungen aufrechtzuerhalten. Die schweizerischen Behörden würden sich selbstverständlich verpflichten, die von deutscher Seite erhaltenen Wetternachrichten geheim zu halten."

Weizsäcker an Abteilung Pol., AA Berlin, 13.2.1940 [nummeriert mit Nr. 149]


[KOPIE]

"Herr Vallotton, schweizerischer Nationalratspräsident, hinterliess mir anliegende Notiz mit der Angabe, dass Herr Krauel ein Duplikat davon bereits an der zuständigen Stelle, d.h. wohl in der Politischen Abteilung abgesetzt habe." [unklar, ob die folgende - undatierte - Notiz die hier gemeinte ist.]

Abschrift Notiz Weizsäcker an Referat Deutschland, AA Berlin, o.D.


[KOPIE]

Vallotton teilt mit:
"1) die Familie: (g.Polen)
Dr. Stefan Landau-Wasserberger, geb: 19.IV.1898, Krakau
Dr. Jakob Lewkovicz-Wasserberger, geb: 9.VI.1902, Krakau
Dr. Arthur Gutentag-Wasserberger, geb: 29.I.1902 Lwön
sind bewilligt, nach Brasilien und Palästina auszuwandern.

2) Die Frauen und Kinder sind schon in Lausanne - Schweiz - und warten auf die drei Männer, welche in Kaunas geblieben sind.
Frauen und Kinder haben das Flugzeug genommen: Kaunas - Riga - Stockholm- Kopenhagen - London - Paris.

3) Die drei Familien sind bewilligt durch die Schweizern Behörden - Eidgenössische Polizei - und Kanton) nach Lausanne zu kommen für einen Aufenthalt von drei Monaten - aber müssen nach Brasilien oder Palästina weiterreisen.

4) Es ist notwendig, dass die deutschen Behörden die Bewilligung den drei Schwagern geben - von Kaunas nach Stockholm hin zu fliegen.

5) Man bittet höflichst die hohen deutschen Behörden dieses Bewilligung durch Telegramme an das Deutsche Konsulat in Riga und Kaunas bekanntzugeben.

Weizsäcker an Referat Deutschland, AA Berlin, o.D. [nummeriert mit Nr. 150]


[KOPIE]

"Herr Vallotton, schweizerischer Nationalratspräsident gab mir anliegendes Memorandum. Ein Duplikat davon soll Herr Krauel bereits bei der zuständigen Stelle abgegeben haben, wie ich annehme bei dem Referat Deutschland." [unklar, ob die folgende nicht datierte Notiz damit gemeint ist.]

"Memorandum" (Abschrift), o.D.


[KOPIE]

"Mr. Henry Vallotton - Rechtsanwalt und Nationrats-Präsident - in Lausanne teilt mit:
1) Hugo Schimmelburg, g. Deutscher - Frankfurt - ist 75 Jahre alt und krank in einer Klinik.
2) Seine Tochter - Frau Max Albert Bloch - Nationalität von Liechtenstein - lebt in Genf, Schweiz.
3) Herr Schimmelburg, der kein Vermögen in Deutschland hat - ist durch die Schweiz bewilligt - wegen seines Alters und seiner Krankheit - nach der Schweiz zu kommen.
4) Herr Schimmelburg hat Schwierigkeiten mit der Devisenstelle, um Deutschland verlassen zu können.
5) Durch eine Note an den Herrn Deutschen Konsul in Lausanne vom Dezember 1939 hat Herr Vallotton eine Offerte von 100.000 (hunderttausend) Schweizer Franken gemacht. Diese Summe würde zum Deutschen Konsul in Lausanne sofort, beim Eintreten des Herrn Schimmelburg in der Schweiz bezahlt.
6) Herr Vallotton erneuert diese Offerte."

SD-Meldung an Ribbentrop, Weizsäcker, Woermann, 16.2.1940


[KOPIE]

"Ein schweizerischer Gewährsmann berichtet, dass im schweizerisch-deutschen Grenzgebiet eine grosse Anzahl Juden ihre Wohnhäuser und Villen zum Verkauf ausgeschrieben hat.
So wurde bekannt, dass eine jüdische Firma im Bodenseegebiet ihr dort gelegenes Unternehmen verkauft hat. Die Inhaber sind wie viele andere Juden nach der französischen Schweiz übergesiedelt.
Diese Meldung wird bestätigt durch einen schweizerischen Fabrikanten, der beabsichtigt, sein in Basel gelegenes Haus zu verkaufen. Er berichtete, dass dieses heute nur mit den grössten Verlusten möglich sei, da die Juden eine grössere Anzahl Häuser zum Verkauf ausgeschrieben hätten und dieses Geschäfte unter allen annehmbaren Preisen tätigten.
Auch aus Zürich wird berichtet, dass von dort aus eine gewisse Umsiedlung von Juden nach der Welschschweiz vor sich gehe, bzw. dass Juden sich heute bereits dort Unterkunftsmöglichkeiten schafften, um bei einer evtl. Ausbreitung des Kriegsschauplatzes auf schweizerisches Gebiet möglichst nahe der französischen Grenze zu sein.
Der Besitzer eines Juweliergeschäftes in Basel erzählte, dass Judenkreise ihre Barmittel in Schluck und vor allen Dingen in Brillanten anlegten; er habe durch diese Angstkäufe ein glänzendes Geschäft gemacht."

"Aktenvermerk" Ritter, 30.5.1940


[KOPIE]

Hat Frölicher und Hotz in Gegenwart von Hemmen in Berlin gesprochen (am 27.5.1940; vor Beginn der Verhandlungen).
Er sagte ihnen: "Ich hätte sie zu mir gebeten im Rahmen meines gegenwärtigen besonderen Aufgabenkreises, nämlich Wirtschaftskrieg und Kriegswirtschaft. Die schweizerischen Herren würden verstehen, dass wir zur Zeit alle wirtschaftlichen Verhandlungen auch unter diesem Vorzeichen führen müssten. Unter diesem Vorzeichen erscheine uns die Schweiz heute als eine grosse Rüstungswerkstatt, die fast ausschliesslich für England und Frankreich arbeite."
1) Wünscht Kenntnis des Vertrags der Schweiz mit England und Frankreich; hätte umgekehrt auch nichts dagegen (Verträge mit Deutschland der Gegenseite offenlegen). "Herr Hotz sagte nach einigen Erklärungen und Ausflüchten, er werde mir demnächst eine Antwort auf diese Frage geben."
2) Der zweite Punkte betrifft Kohlenlieferungen.

Telegramm Seyboth / Koecher an AA Berlin, 13.7.1940


[KOPIE]

Schweiz weiterhin gegen vollständige Ausfuhrsperre nach England und Frankreich (mit Begründung). Widerstand der Schweiz gegen Beschränkung der Ausfuhr nach neutralen Staaten. "Schweiz verweist auf Notwendigkeit Ausfuhrsteigerung nach neutralen Ländern wegen Notwendigkeit vergrösserter Bezüge von dort und vermutet hinter unserer Forderung handelspolitische Motive. Habe solche bestritten und nur auf Beeinträchtigung unserer Bezugsmöglichkeit aus der Schweiz bei Steigerung Ausfuhr nach neutralen Ländern hingewiesen. Diese Begründung zutrifft natürlich nur auf für uns erwünschte Waren."
"Schweiz anerkennt, dass sie mehr denn je auf Absatz nach Deutschland angewiesen und ist bereit, im Rahmen vorhandener Bestände und nach Ziffer 1 erwarteter Zufuhr Deutschland weitestgehend zu beliefern.
Es folgt dann Stellungnahme von Seyboth zu den Forderungen der Schweiz.
"Zur Regelung meiner Sprache erbitte Mitteilung, welche Gründe der gewünschten scharfen Kontrolle der schweizerischen Ausfuhr, insbesondere nach neutralen Ländern, zugrundeliegen. Hotz verweist darauf, dass bei Berliner Besprechung mit Botschafter Ritter, bei der ihm allerlei Unangenehmes gesagt worden sei, diese für die Schweiz sehr ernste Frage nicht berührt wurde."

Weizsäcker an Wiehl, 8.8.1940 [KOPIE]


[KOPIE]

Hotz zu Besuch beim Verfasser. "Er erwähnte dabei jedoch seine Hoffnung, dass bei den demnächst notwendig werdenden Verhandlungen mit der Schweiz über fragen des Protektorats die deutsche Delegation nach Bern kommen könne. Hotz sagte dabei, er komme mit seinen Herren an sich gern, sowie auch dieses Mal, nach Berlin, sei aber doch sehr beschäftigt und zwar insbesondere wegen des Wechsels seines Chefs, des Bundesrats Obrecht, der von Herrn Stampfli abgelöst worden ist."

Weizsäcker (interne Notiz), 8.8.1940


[KOPIE]

"Der schweizerische Gesandte liess heute bei mir ein Wort darüber fallen, dass man in Deutschland die langsame Demobilisierung des schweizerischen Heeres zu beanstanden schiene und sprach in diesem Zusammenhang von einer Kundgebung des Generals Guisan auf dem Rütli.
Ich erwiderte, ob die Schweiz schnell oder langsam demobilisiere sei ihre Sache. Die von Herrn Frölicher erwähnte Rede des Generals Guisan aber fände ich nicht gleichgültig. Ohne in der Materie vorzugreifen, wolle ich ihm sagen, dass diese Auslassungen Guisan's auch mir übel aufgefallen seien und wohl noch ihre Folge haben werde."

Telegramm Koecher an AA Berlin, 5.9.1940


[KOPIE]
Geht um die englischen Verletzungen des schweizerischen Luftraums und um den schweizerischen Protest dagegen. Verfasser hat in dieser Sache den Bundespräsidenten aufgesucht.
"Bundespräsident fand ausserordentlich scharfe Worte für britisches Verhalten, das schweizerischer Öffentlichkeit Aufgen geöffnet habe, wie Grossbritannien angemasste Rolle als Hüter der Rechte kleiner Nationen praktisch durchführe."
Weiter über Blockadepolitik.
"Bundespräsident unterstrich, dass schweizerische Sympathien in siebenbürgischen Fragen stets auf ungarischer Seite gewesen sein. Schweiz ablehnt instinktiv korrupten rumänischen Staat und findet, dass Rumänien kein Unrecht geschehen sei."
"Zum Schluss betonte Bundespräsident spontanen schweizerischen Willen zur Zusammenarbeit mit Deutschland. Schweiz befinde sich auf Wege innerer Erneuerung und wünsche Ausrichtung auf neue europäische Ordnung, wolle ihrerseits Beitrag auf wirtschaftlichen Gebieten leisten und annehme, dass schweizerische Industrie im Rahmen europäischer Zusammenarbeit nützliche Aufgaben erhalten werde. Liberale Auffassung vergangener Zeiten verschwände auch hier, Bankiers hätten, wie überall politischen Einfluss verloren und müssten sich Erfordernissen schweizerischer Volkswirtschaft anpassen. Bundespräsident fand besonders anerkennende Worte für im besetzten Gebiet allgemein beobachtetes kameradschaftliches Verhältnis zwischen Offizieren und Mannschaften trotz vorhandener strenger Disziplin, für soziale Errungenschaften nationalsozialistischer Staatsführung, die Gefolgschaftsgedanken anstelle Gegensatzes Arbeitgeber und Arbeitnehmer gesetzt habe, schweizer Arbeiter müssen wie die deutschen Arbeiter andere Stellung im [Wort fehlt] zugewiesen erhalten.
Gewinne aus Unterredung Eindruck erhöhter Bereitschaft schweizer Regierung zur Zusammenarbeit mit uns, nicht nur auf wirtschaftlichen sondern auch auf politischem Gebiet."

Notiz ohne Verfasser, 5.11.1940


[KOPIE]
"Der Schweizerische Gesandte übergab mir die beiliegende Aufzeichnung über Betätigung schweizerischer Versicherungsgesellschaften in Elsass und Lothringen."
Beilage (Aufzeichnung der Schweizerischen Gesandtschaft Berlin vom 5.11.1940).

Telegramm Hemmen / Koecher an AA Berlin, 19.11.1940


[KOPIE]

"Habe in mehreren Besprechungen mit Bundesrat Stämpfli [sic] Direktor Hotz und Direktor Hoberger [sic, = Homberger] den deutschen Antrag auf Vergebung von Wehrmachtaufträgen an schweizer Firmen in Höhe von ca 300 Millionen Franken und deren Bevorschussung durch den Bund vertreten. Die Aufnahme war überall sehr zurückhaltend. Stämpfli [sic] wies in erster Linie auf die schwierige Finanzlage der Nationalbank hin, sowie auf die politische Rückwirkung, die solch ein Rüstungskredit in England zu ungunsten [sic] der Schweiz auslösen werde, er wird auftragsgemäss den Bundesrat informieren."
Hemmen meint, dass der Bundesrat - wenn überhaupt - nur unter Bedingungen darauf eintreten werde.

Brieftelegramm Koecher an AA Berlin, 14.12.1940


[KOPIE]

Hotz teilt mit: "Bundesrat ist grundsätzlich bereit, für das Jahr 1941 unter gewissen Voraussetzungen für unsere Bestellung in der Schweiz einen Kredit bis zu dem Betrag von maximal 200 Mill. Schweizer Franken zu gewähren. Bedenken Bundesrats gegen Zustimmung lagen auf finanz- und währungspolitischen Gebiet. Weiter hatte Überlegung Rolle gespielt, dass ähnliche Kreditwünsche auch von anderen Staaten (wohl Italien) gestellt werden können."
Es folgen Schweizer Gegenforderungen: Kohlelieferungen, Eisen, Nichteisenmetalle; "Verteilung der Nutzniessung an dem Kredit auf andere Industrien"; sonstige Forderungen.
"Direktor Hotz sprach die persönliche dringende Bitte aus, dass die Verhandlungen über den gesamten Fragenkomplex in Bern geführt werden möchten; er und seine Mitarbeiter seien zur zeit in ganz besonderem Masse durch Besprechungen kriegswirtschaftlicher Art im Hinblick auf in Aussicht genommene einschneidende Massnahmen auf dem Gebiet der Mangelbewirtschaftung in Anspruch genommen."

Notiz Schweizerische Gesandtschaft Berlin, 21.1.1941


[KOPIE]
"Die Abmachungen, die die Schweiz mit Deutschland und Frankreich über die Heimschaffung der französischen Internierten getroffen hat, bestimmen, dass das französische Kriegsmaterial, ausschliesslich der Pferde, Deutschland zur Verfügung gestellt wird.
Die Schweiz hat nun ein Interesse, von diesem Material folgendes Käuflich zu erwerben:"
Es folgt eine Liste: Personen-, Lastwagen, Sanitätsfahrzeuge, Traktoren, Anhänger.
"Der Bundesrat würde es lebhaft begrüssen, wenn deutscherseits auf diese Anregungen eingetreten würde und wenn möglichst bald Verhandlungen über den Ankauf dieses Materials auf genommen werden könnten."

Interne Notiz AA [Kürzel unleserlich], 22.1.1941


[KOPIE]
"Der Schweizerische Gesandte und ich erörterten heute u.a. die Pressebeziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz. Herr Frölicher erwähnte mit Befriedigung den bevorstehenden Besuch schweizerischer Pressevertreter in Deutschland. Dagegen verwies er mich auf das anliegende Blatt der Freiburger Zeitung 'Der Alemanne' vom 12. ds. Mts. Ohne sich amtlich zu beschweren, beanstandete Herr Frölicher doch sehr, dass - wie dies in dem Blatt heisst - die offizielle Schweiz auf Seiten der Feinde Deutschlands stehe. Er sagte dazu, die offizielle Schweiz habe soeben mit der Deutschen Regierung eine Wirtschaftsvertrag gemacht, welcher den Vorschuss der Schweiz gegenüber Deutschland im Clearing auf 450 Millionen Schweizer Franken bringe. Stünde die offizielle Schweiz auf der Seite unserer Gegner, so hätte sie das gewiss nicht getan. Sie setze vielmehr auf den deutschen Sieg, denn sonst wären diese 450 Millionen doch in den Rauchfang geschrieben."

Puhl (Deutsche Reichsbank) an Staatssekretär [Weizsäcker?], 15.5.1941


[KOPIE]
Verfasser war in Zürich betr. Verhandlungen mit Schweizer Stillhaltegläubigern. Hat mit Präsident der SNB (Weber) gesprochen.
"Es war Herrn Präsident Weber bekannt, dass von deutscher Seite kürzlich gefordert worden war, die Höchstgrenze der schweizerischen Vorlage gegenüber Deutschland auf sfrs 800 Mill. heraufzusetzen, wobei die Nationalbank ihrerseits der Schweizerischen Verrechnungsstelle diesen Betrag zwecks Auszahlung an die schweizerischen Exporteure zur Verfügung stellen sollte. Herr Präsident Weber wies darauf hin, dass die Summe von sfrs 800 Mill. fast die Hälfte des Schweizer Notenumlaufs überhaupt ausmache und gab hierbei, um die Bedeutung dieser Angelegenheit zu demonstrieren, zu überlegen, welche Gefahren bei entsprechender Ausweitung des Notenumlaufs beispielsweise in Deutschland entstünden. Er sehe in der Ausdehnung des Notenumlaufs, wie sie jetzt von deutscher Seite gefordert würde, jedenfalls eine besorgniserregende inflationistische Entwicklung, die sehr bald das schweizerische Wirtschaftsleben erschüttern und letzten Endes sich auch nachteilig auf die Lieferfähigkeit der schweizerischen Wirtschaft gegenüber Deutschland auswirken müsse. Herr Präsident Weber verkannte keinesfalls die Notwendigkeit der engen deutsch-schweizerischen Wirtschaftsverflechtung und die zwangsläufig daraus resultierenden Rückwirkungen auf den Geldsektor und diskutierte auch nicht die Höhe des Betrages an sich. Seine Anregung ging lediglich dahin, die Frage der Finanzierung auf der schweizerischen Seite durch die Schweizer selbst regeln zu lassen. Geld- und Kapitalmarkt wären flüssig, ausserdem hätte die Industrie, was er mir mit einigen Beispielen belegte, durchaus Möglichkeiten, die Geschäfte unmittelbar zu finanzieren. Die finanzielle Kapazität der Schweizer Wirtschaft reiche jedenfalls aus, die erforderlichen Beträge aufzubringen, ohne dass sie sofort der Notenbank zur Last fielen.
Diesen Ausführungen von Herrn Präsident Weber kann man sich nicht verschliessen, zumal auch der deutschen Seite eine Ausnutzung der vielfachen Finanzierungsmöglichkeiten in der Schweiz nur erwünscht sein kann. Auch Herr Reichswirtschaftsminister und Präsident der Deutschen Reichsbank Walther Funk ist grundsätzlich der Meinung, dass man in der Aufbringungsfrage den Schweizern so weit wie irgend möglich Freiheit lassen solle und würde es begrüssen, wenn bei der weiteren Behandlung dieser Frage den Gedankengängen des Herrn Präsident Weber nach Möglichkeit Rechnung getragen wird. Es wäre sicherlich zweckdienlich, wenn dieser Fragenkomplexes in den nächsten Sitzung des Handelspolitischen Ausschusses nochmals eingehend behandelt würde."

Notiz [ohne Unterschrift],27.5.1941


[KOPIE]
über das Geleitscheinsystem und den dennoch noch beobachteten Schmuggel von Waren über die Grenze nach Frankreich.
"Über eine weitere Sicherung gegen unerlaubte Ausfuhr wird zur Zeit mit der Schweizerischen Delegation verhandelt. Diese Verhandlungen haben zum Ziel, die gesamte Ausfuhr aus der Schweiz nach Frankreich auf die Linie Genf-Bellegarde zu beschränken. Alle anderen Grenzübergänge nach Frankreich sollen für den Personen- und Güterverkehr mit Ausnahme des kleinen Grenzverkehrs, der zugelassen bleibt, gesperrt werden. Die eingesetzten Kontrollbeamten haben sodann also lediglich zu überwachen, dass keine Waren oder Personen die Grenze überschreiben ausser im kleinen Grenzverkehr, der jedoch ebenfalls überwacht wird."

Hemmen (Deutsche Waffenstillstands-Delegation für Wirtschaft) an AA Berlin, 11.6.1941


[KOPIE]
Es geht um die Verhinderung der Ausfuhr von Kriegsmaterial aus der Schweiz nach Feind- und neutralen Ländern.
"Sobald sich diese Kontrolle als unzulänglich erwies, insbesondere für die Verhinderung der Ausfuhr der kleinen und kleinsten  aber sehr wichtigen Zünderteile und Uhrensteine, Produkte der Frankreich unmittelbar benachbarten welschen Juraindustrie, so wurden nacheinander folgende Verschärfungen betroffen: [...]."
"Offen bleibt nur die Möglichkeit des Schmuggels in den engen Juratälern und am langgestreckten Südufer des Genfer Sees. Ferner der bedeutsame diplomatische Kurierverkehr aus der Schweiz nach den Feind- und neutralen Ländern.

Weizsäcker an Deutsche Gesandtschaft Bern, 16.6.1941


[KOPIE]
"Zu dem Schlusssatz Ihres Berichts vom 4. d.M. [...] bemerke ich, dass ich bei dem vor etwa 2 Monaten erfolgten Besuch einer Delegation schweizerischer Journalisten in Deutschland diese Pressevertreter empfangen und ihnen eine kurze Ansprache gehalten habe. In diese Ansprache habe ich die Bemerkung einfliessen lassen, die Schweiz sei in Deutschland durch einen Gesandten vertreten, der bei aller Wahrung seines Standpunkts Verständnis für das Dritte reich an den Tag lege und die Beziehungen seiner Heimat mit dem Reich in ausgezeichneter Weise zu pflegen verstehe."
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