dodis.ch/13135 Der Generalsekretär des politischen Departements,
A. Zehnder, an den schweizerischen Gesandten in
London,
A. Daeniker1
Persönlich Bern, 5. März 1956
Besten Dank für Deinen Brief vom 25. Februar2.
Ich habe die Reaktion der internationalen Presse auf meinen Vortrag in Genf gesehen3. Die Frage des Beitritts der Schweiz zur UNO ist innerpolitisch eine heikle Sache. Ich habe natürlich die Stellungnahme des Bundesrates, der Eidgenössischen Räte und des Volkes vorbehalten. Erwähnt habe ich lediglich, dass das Problem aktuell geworden ist, weil die UNO die Universalität so gut wie erreicht hat. Persönlich bin ich der Auffassung, dass die schweizerische Neutralität nicht gegen den Beitritt der Schweiz zu einer universellen politischen Organisation spielen sollte, sonst wird sie zu einem Stein des Anstosses. Ob und in welcher Form es uns gelingen werde, uns von Sanktionsverpflichtungen jeglicher Art freizuhalten, ist eine Frage der Sondierungen und Verhandlungen. Heikel ist das Problem deshalb, weil die Meinungen im Bundesrat geteilt sind und auch Bundesrat Petitpierre eine eher abwartende Haltung einnimmt. Rien ne presse.
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