dodis.ch/44625 Le Chef du Département de l’Economie publique,
E. Schulthess, au Ministre de Suisse à
Berlin, A. von
Planta1
Wir verdanken Ihnen Ihre Zuschrift vom 7. Oktober2 und haben mit grossem Interesse von Ihren Ausführungen Kenntnis genommen. Leider ist Herr Stucki einige Tage im Militärdienst abwesend, so dass der Unterzeichnete die Angelegenheit mit ihm nicht besprechen konnte. Er wird nicht verfehlen, sich den Vertrag vorlegen zu lassen, um sich selbst ein Bild über die Ausführungsmöglichkeiten zu machen und die verschiedenen Auffassungen objektiv nachprüfen zu können.
Wie Sie schon aus der Initiative schliessen können, die der Unterzeichnete ergriffen hat, um zu einer Verkürzung des Vertrages zu gelangen,3 so hatten wir selbst das Gefühl, dass die deutsche Regierung sich in einer etwas heiklen Situation befindet und dass ihrer Stellungnahme nicht jede Berechtigung von vorneherein abgesprochen werden kann. Wir wollten ihr durch diese Änderungen, die wir den Interessenten gleichsam aufgezwungen haben, die Lösung erleichtern und fanden, dass das grösste Bedenken in der unabsehbar langen Dauer des Vertrages liege. Nunmehr glauben wir aber doch, auch ein Recht auf Berücksichtigung zu haben. Sie berühren den schwierigsten Punkt der Angelegenheit. Das deutsche Kohlensyndikat macht die Schwierigkeiten, um in der Preisgestaltung gegenüber der Schweiz freie Hand zu bekommen. Die rücksichtslose Haltung dieser Herren zwingt nun gerade auch uns, den Vertrag nicht preiszugeben.
Im übrigen stehen die Dinge so, dass wir Deutschland gerne Kohle zu vernünftigen Bedingungen abkaufen. Wenn aber das Kohlensyndikat die Preise zu stark hinaufschraubt, so werden wir uns eben anderweitig zu decken suchen. In kürzerer Zeit werden sich vermutlich andere Kohlenproduzenten lebhaft um unsere Kundschaft bewerben. Das mag man in Berlin auch berücksichtigen.