Language: German
4.10.1906 (Thursday)
Der Sekretär des Schweizerischen Bauernverbandes, E. Laur, an den Vorsteher des Handels-, Industrie- und Landwirtschaftsdepartementes, A. Deucher
Letter (L)
Waadtländische Weinbauern sind über den Vertrag mit Spanien empört. Laur hat den Vertrag nur widerstrebend unterzeichnet.

Thematische Zuordung Serie 1848–1945:
II. BILATERALE BEZIEHUNGEN
18. Spanien
18.2. Handelsvertragsverhandlungen
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Printed in

Herbert Lüthy, George Kreis (ed.)

Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 5, doc. 148

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Bern 1983

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dodis.ch/43003 Der Sekretär des Schweizerischen Bauernverbandes, E. Laur, an den Vorsteher des Handels-, Industrie- und Landwirtschaftsdepartementes, A. Deucher1

Gestern traf ich in Bern zufälligerweise eine waadtländische Delegation, welche bei Herrn Bundesrat Ruchet in Sachen des spanischen Handelsvertrages gewesen war. Die Herren zeigten sich sehr erregt und machten mir schwere Vorwürfe. Herr Bundesrat Ruchet habe nämlich ihren Bedenken gegenüber dem spanischen Vertrage entgegen gehalten, dass ja der Vertreter der Landwirtschaft mit dem Vertrage einverstanden sei und ihn unterzeichnet habe.2

Dieser Vorfall veranlasst mich, nun doch ausdrücklich festzustellen, dass ich vom landwirtschaftlichen Gesichtspunkte aus den Abschluss des Vertrages und insbesondere die Gewährung der Meistbegünstigung vor der Ratifikation und vor der schweizerischen Weinernte sehr bedauert habe. Wenn ich trotzdem den Vertrag unterschrieb, so ist dies nach reiflicher Überlegung deshalb geschehen, weil ich nicht den Vorwurf erhalten wollte, ich hätte durch die Verweigerung meiner Unterschrift den Widerstand und die Erregung der Weinbauern provoziert.

Ich möchte sehr bitten, bei den kommenden Verhandlungen in den Räten und den Kommissionen meiner Unterschrift nicht eine Bedeutung beizulegen, die ihr nach der ganzen Art, wie der Vertrag zustande gekommen ist, nicht beigemessen werden kann.

1
Schreiben: E 13 (B)/256.
2
Als das Handelsdepartement dem Bundesrat am 2. November 1906 den Entwurf zu einer Botschaft über den Handelsvertrag mit Spanien vorlegte, erklärte Ruchet, dass er nicht für die Genehmigung der Botschaft stimmen könne, da er mit dem Vertrag nicht einverstanden sei (E 1004 1/226).