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Diplomatische Dokumente der Schweiz, Bd. 1994, Dok. 36
volume linkBern 2025
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| Archiv | Schweizerisches Bundesarchiv, Bern | |
| Signatur | CH-BAR#E4801.2#2004/5#312* | |
| Dossiertitel | Bundesratssitzung vom 24.8.1994 (1994–1994) | |
| Aktenzeichen Archiv | 5 |
| Archiv | Schweizerisches Bundesarchiv, Bern | |
| Signatur | CH-BAR#E8812#1998/341#228* | |
| Dossiertitel | BR-Sitzung vom 31. August Unwetterschäden VS und TI Nachtragskredit, UKW-Sendernetzplanung (1994–1994) | |
| Aktenzeichen Archiv | 1 |
| Archiv | Schweizerisches Bundesarchiv, Bern | |
| Signatur | CH-BAR#E2200.100#2003/270#19* | |
| Dossiertitel | Visites de personnalités suisses (1993–1996) | |
| Aktenzeichen Archiv | 101 |
| Archiv | Schweizerisches Bundesarchiv, Bern | |
| Signatur | CH-BAR#E7001D#2005/345#723* | |
| Dossiertitel | -1 Besuche der Bundesräte und Ratspräsidenten - Verschiedene (1994–1999) | |
| Aktenzeichen Archiv | 7045 |
dodis.ch/67359Gespräche des Vorstehers des EJPD, Bundesrat Koller, mit dem peruanischen Präsidenten Fujimori in Lima und dem ecuadorianischen Präsidenten Ballén in Quito1
Meine Besuche in Peru und Ecuador
Am 18. Juli habe ich Peru und am 19. sowie vom 26.–27. Juli Ecuador einen offiziellen Arbeitsbesuch abgestattet.2 Den Aufenthalt in beiden Ländern benützte ich zudem dazu, Schweizer Entwicklungsprojekte zu besuchen und den Kontakt mit Mitgliedern unserer Kolonien zu pflegen.
In Lima habe ich mit Präsident Alberto Fujimori, Parlamentspräsident Jaime Tanaka, Ministerpräsident und Aussenminister Efraín Goldberg, Innenminister Juan Dávila und Justizminister Fernando Vega Santa Gadea Gespräche geführt. Dabei sind vor allem Fragen der Bekämpfung des Drogenhandels, des Terrorismus und der Gewalt im Land, der Menschenrechte sowie die Wirtschaftslage erörtert worden. Alle meine Kontakte zeigten, dass die Schweiz in Peru ein hohes Ansehen geniesst.3
Bezüglich Bekämpfung des Drogenhandels wies Präsident Fujimori auf eine gemeinsame internationale Verantwortung hin.4 In Peru wird der Anbau von Drogen durch Repression und Prävention bekämpft. Der Justizminister wies in diesem Zusammenhang auf die striktere Kontrolle der Importe von Kunstdüngern und Pflanzenschutzmitteln und laufende Programme zur Förderung alternativer Anbaukulturen hin.5 Der Innenminister hat den Abschluss eines Rahmenabkommens über die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Handels mit und des Konsums von Drogen vorgeschlagen, was ich angesichts der Bedeutung Perus als Drogenproduktionsland begrüsst habe. Wir sind dahingehend verblieben, dass die zuständigen Amtsstellen den mir übergebenen Entwurf prüfen und alsdann der peruanischen Seite auf diplomatischem Weg unsere Stellungnahme übermitteln werden.6
Ich habe Präsident Fujimori darauf hingewiesen, dass das Ansehen Perus im Ausland engstens mit der Menschenrechtsfrage verbunden sei. Er und der Justizminister erklärten, sie seien entschlossen, die Menschenrechtssituation weiter zu verbessern, gaben aber auch zu bedenken, dass sich Peru vor zwei Jahren in einer echten Notstandssituation befand.7
Im Wirtschaftsbereich haben meine Gesprächspartner auf die Erfolge Perus, namentlich im Bereich der Makroökonomie, hingewiesen (erfolgreiche Inflationsbekämpfung und anhaltendes Wirtschaftswachstum von 7–8%). Die Regierung ist sich bewusst, dass insbesondere bei der Bekämpfung der Armut noch viel zu tun bleibt, wovon auch der Erfolg in den nächstjährigen Wahlen zu einem schönen Teil abhängen dürfte. Der Tourismus als wichtiger Devisenbringer verzeichnet einen Aufwärtstrend. Hier ergeben sich Investitionschancen für das Schweizer Gastgewerbe.8 Ich habe erklärt, dass der Bundesrat ein vermehrtes Engagement schweizerischer Direktinvestoren begrüssen würde. Unsere Botschaft in Lima hat den Besuch, in dessen Verlauf ich mit rund 600 Mitgliedern unserer Kolonie zusammentraf, ausgezeichnet organisiert.
In Quito bin ich mit Präsident Sixto Durán-Ballen, Aussenminister Diego Paredes Peña, Finanzminister Cesar Robalino, Innenminister Marcelo Santos Vera, dem Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, Francisco Acosta Yepez sowie Generalstaatsanwalt Carlos Larreátegui zusammengetroffen. Auch in Ecuador geniesst unser Land ein hohes Prestige.9
Mit den Aussen- und Finanzministern habe ich ein Entschuldungsabkommen unterzeichnet, kraft dessen die Schweiz Ecuador Schulden im Gesamtwert von 61,4 Mio Fr. erlässt. Ecuador hofft, dass dieses Abkommen insofern eine Signalwirkung entfalten wird, als auch andere Länder dem Schweizer Beispiel folgen und somit die Aussenschuld des Landes von derzeit 12,8 Mrd Dollar schrittweise abgebaut werden könnte.10
Präsident Durán-Ballen dankte dem Bundesrat für den Schuldenerlass und wies auf positive Anzeichen der Wirtschaftsentwicklung Ecuadors hin. Da eine Verfassungsrevision vorbereitet wird, zeigte sich der Präsident am politischen System der Schweiz besonders interessiert.
Der Aussenminister unterstrich die politische Bedeutung der ausgezeichneten bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Er bestätigte ferner den Willen seiner Regierung, noch dieses Jahr dem GATT beizutreten.11 Eine weitere Vertiefung der bestehenden Wirtschaftszusammenarbeit – die Schweiz ist Ecuadors drittwichtigster Direktinvestor – beispielsweise im Bereich des Tourismus würde begrüsst.12
Mit dem Innenminister und dem Generalstaatsanwalt habe ich vor allem über Fragen der Bekämpfung des Drogenhandels und der Geldwäscherei gesprochen. Wir sind übereingekommen, ein bilaterales Rechtshilfeabkommen auszuhandeln.13
Ich benutzte meine Anwesenheit in Quito, um auch dem Generalsekretär der lateinamerikanischen Vereinigung für Menschenrechte (ALDHU), Juan de Dios Parra, einen Besuch abzustatten. Herr Parra beurteilt die Situation in Peru als «einen Tunnel mit Ausgang».14 Unsere Botschaft in Quito hat den Besuch ausgezeichnet organisiert und mir Gelegenheit geboten, mit rund 600 Mitgliedern unserer Kolonie zusammenzutreffen.
Peru und Ecuador sind Schwerpunktländer der Schweizer Entwicklungshilfe.15 Ich habe in beiden Ländern einige Projekte, die von unserer Entwicklungshilfe unterstützt werden, besucht und festgestellt, dass die knappen Mittel durchwegs haushälterisch verwaltet werden und dass mit grossem Engagement Hilfe zur Selbsthilfe geleistet wird.
- 1
- CH-BAR#E4801.2#2004/5#312* (5). Diese an den Bundesrat gerichtete Informationsnotiz wurde vom Vorsteher des EJPD, Bundesrat Arnold Koller, verfasst und unterzeichnet. Im Rahmen der 24. Sitzung des Bundesrats vom 17. August 1994 informierte Bundesrat Koller, dass er einen schriftlichen Bericht zu seiner Reise nach Peru und Ecuador an den Bundesrat vorbereite, vgl. das Verhandlungsprotokoll vom 23. August 1994, dodis.ch/67653.↩
- 2
- Zwischen diesen beiden offiziellen Besuchen verbrachte Bundesrat Koller eine Ferienwoche mit seiner Familie in Peru. Für das Programm des Besuchs vgl. das Dossier CH-BAR#E2010A#2005/342#10* (A.11.10.51).↩
- 3
- Vgl. dazu den Bericht des schweizerischen Botschafters in Lima, Marcus Kaiser, vom 22. Juli 1994, dodis.ch/68100. Für die Aufzeichnung der geführten Gespräche vgl. dodis.ch/68101.↩
- 4
- Zur internationalen Drogenpolitik der Schweiz vgl. DDS 1992, Dok. 6, dodis.ch/61928, sowie die Notiz von Alexandre Guyot von der Direktion für internationale Organisationen des EDA vom 3. November 1994, dodis.ch/69878. Der Bundesrat genehmigte am 13. Dezember 1993 die Stationierung von schweizerischen Polizeiverbindungsbeamten im Ausland zur Bekämpfung des illegalen Drogenhandels, wobei Peru allerdings nicht als Standort vorgesehen wurde, vgl. DDS 1993, Dok. 55, dodis.ch/61948.↩
- 5
- Vgl. dazu das Schreiben von Pierre de Cocatrix von der schweizerischen Botschaft in Lima vom 6. Dezember 1994, dodis.ch/69303.↩
- 6
- Zur Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Peru im Bereich der Drogenbekämpfung vgl. das Schreiben von Botschafter Kaiser vom 26. Juli 1994, dodis.ch/69302, sowie die Notiz der Politischen Direktion des EDA vom 6. Juli 1994, dodis.ch/69316.↩
- 7
- Vgl. dazu die Notiz des Chefs der Politischen Abteilung II des EDA, Botschafter Pierre-Yves Simonin, vom 18. Juni 1992, dodis.ch/62391.↩
- 8
- Zu den Wirtschaftsbeziehungen mit Peru vgl. zudem die Notiz von Caroline Sancey vom Bundesamt für Aussenwirtschaft (BAWI) des EVD vom 13. Mai 1994 zum Besuch der peruanischen Industrieministerin Liliana Canale in Bern, dodis.ch/68103.↩
- 9
- Vgl. dazu das Fernschreiben Nr. 38 des schweizerischen Botschafters in Quito, Paolo Brogini, vom 1. August 1994, dodis.ch/68171. Für die Gesprächsnotizen vgl. das Dossier CH-BAR#E2200.100#2003/270#19* (101).↩
- 10
- Für das Agreement between the Swiss Confederation and the Republic of Ecuador on the reduction of external debt and the creation of a counterpart fund vom 19. Juli 1994 vgl. das Dossier CH-BAR#K1#1000/1480#724* (K1.4643). Vgl. dazu auch die Notiz des Delegierten des Bundesrats für Handelsverträge, Botschafter Nicolas Imboden, vom 1. Juli 1994, dodis.ch/70047. Zu den Verhandlungen vgl. das BR-Prot. Nr. 1015 vom 26. Mai 1993, dodis.ch/64014, sowie die Notiz des BAWI vom 4. Oktober 1993, dodis.ch/65210.↩
- 12
- Vgl. dazu die Notiz von Caroline Sancey vom BAWI vom 23. Juni 1994 über den Besuch von Minister José Vincente Maldonado in Bern, dodis.ch/68152.↩
- 13
- Zur Vorbereitung der Gespräche von Bundesrat Koller über Drogenfragen vgl. die Notiz der Politischen Direktion des EDA vom 6. Juli 1994, dodis.ch/69316.↩
- 14
- Für die Gesprächsnotiz mit Juan de Dios Parra vom 26. Juli 1994 vgl. das Dossier CH-BAR#E2200.100#2003/270#19* (101).↩
- 15
- Vgl. dazu die Jahresprogramme 1994 der Direktion für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe (DEH) des EDA für Peru, dodis.ch/64395, und für Ecuador, dodis.ch/65209.↩
Verknüpfungen mit anderen Dokumenten
| http://dodis.ch/68100 | siehe auch | http://dodis.ch/67359 |
| http://dodis.ch/68171 | siehe auch | http://dodis.ch/67359 |
| http://dodis.ch/67359 | nimmt Bezug auf | http://dodis.ch/68101 |
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Peru (Allgemein) Ecuador (Allgemein)


