Language: German
22.10.1937 (Friday)
Le Haut-commissaire de la SdN à Danzig, C.J. Burckhardt, au Président de la Confédération, G. Motta
Letter (L)
Persécution des Juifs et dissolution du Parti du Centre à Danzig. Forster accélère le rythme des changements avant son départ. La situation du Haut-Commissaire. La colère d’Hitler envers l’Angleterre. Ses propos à B.
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Printed in

Oscar Gauye (ed.)

Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 12, doc. 142

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Bern 1994

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Cover of DDS, 12

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dodis.ch/46402
Le Haut-commissaire de la SdN à Danzig, C.J. Burckhardt, au Président de la Confédération, G. Motta1

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Wir haben durch die neu einsetzenden Judenverfolgungen und die Auflösung der Zentrumspartei hier schwere Tage hinter uns. Die rasche Folge, in welcher die beiden Massnahmen nach den Ankündigungen des hiesigen Parteitages durchgeführt wurden, hängen damit zusammen, dass es vereinten Bemühungen verschiedener Stellen in Berlin gelungen ist, die Transferierung des Gauleiters Forster in die nähere Umgebung General Goerings zu bewirken. Er wird nur noch sporadisch hier auftauchen und will nun vorher noch vieles erledigen, bevor er in der Reichshauptstadt mit ändern Agenden betraut wird. Sein Einfluss wird auch dann ein starker bleiben, aus dem einfachen Grund, dass er der Favorit des Staatsoberhauptes ist. An dem für Mussolini gegebenen Dîner von 60 Gedecken in der Reichskanzlei war Forster der einzige anwesende Gauleiter. Ingerenz des Auswärtigen Amtes auf die Polen berührenden Massnahmen des Diktators von Danzig gestattet der Kanzler nicht. Forster Parteitagrede wurde vom Amte Ribbentrops korrigiert.

Meine Lage könnte annehmbar sein, wenn der Völkerbund sich entschliessen könnte, seine Garantie der Danziger Verfassung aufzugeben, und es klar auszusprechen, dass die von ihm im Freistaat geschaffene Institution des H.C. nur noch die, heute mehr als je für den Frieden bedrohlichen, aussenpolitischen Belange der Stadt, d. h. das Verhältnis Danzig-Polen wahrzunehmen habe. Ist dieses Ziel nicht auf irgend einem Wege zu erreichen, so sehe ich nur eine würdige Möglichkeit für Genf, um sich aus der Sache zu ziehn, und das ist der Entschluss, wegzugehn.

Die allgemeine Richtung hier hat seit dem Monat Mai völlig umgeschlagen, weil sich das deutsche Verhältnis zu England gänzlich geändert hat. Nach den Annäherungsbestrebungen im Frühsommer, die in Berlin sehr deutlich waren, ist eine heftige Verstimmung des «Führers» eingetreten. Ein Freund im Auswärtigen Amt sagte mir, die erbitterte Einstellung Hitlers gegenüber London, sei kaum durch sachliche, einzig durch persönliche Gründe zu erklären. Jemand müsse ihm persönlich beleidigende, nicht wieder gut zu machende Aussprüche hinterbracht haben. Ich hatte anlässlich meiner letzten Durchreise durch Berlin eine Audienz bei Hitler, er war in allen seinen Äusserungen sehr heftig; was aber England anbetrifft, so sagte er mir: «Die haben meine Hand zurückgestossen, das ist Irrsinn, das kann zu furchtbaren Katastrophen führen, ich habe einen starken Alliierten in Ostasien, einen ändern in Südeuropa». Dies bitte ich als streng confidentiell zu betrachten.

Soeben erfahre ich durch den so gefälligen und tüchtigen Hr. Regli, dass die Clearingschwierigkeiten zwischen der Schweiz und Danzig einer allgemeinen Lösung entgegengehn. Falls die Ereignisse mich in nächster Zeit nach Genf führen sollten, freue ich mich, Ihnen, hochverehrter Herr Präsident, einmal Näheres über diese Ostpolitik erzählen zu dürfen.

In alter Verehrung bin ich stets Ihr sehr ergebener

Carl J. Burckhardt

1
Lettre: E 2001 (D) 1/253. En haut du document Motta a écrit de sa main: streng confidentiell et Auswärtiges, 25.X.37, M.
2
Dans le passage supprimé, Burckhardt demandait l’intervention de Motta en sa faveur auprès de l’Office suisse de compensation, qui lui refusait l’envoi hors clearing de sommes d’argent à partir de sa banque en Suisse.