Language: German
17.9.1926 (Friday)
Protokoll der Sitzung des Bundesrates vom 17.9.1926 1
Minutes of the Federal Council (PVCF)
Der Bundesrat stellt fest, dass sich Griechenland mit den angebotenen schweizerischen Konzessionen nicht zufriedengibt. Nach dem Auslaufen der Handels übereinkunft vom 10.6.1887 ist ein vertragsloser Zustand eingetreten. Das EVD gedenkt, vorerst eine formelle Antwort der griechischen Regierung auf das letzte schweizerische Angebot abzuwarten.

Thematische Zuordung Serie 1848–1945:
III. BILATERALE BEZIEHUNGEN
9. Griechenland
9.1. Handelsvertragsverhandlungen

Darin: Griechische Erklärung, wonach auf schweizerische Waren der Minimaltarif ohne Meistbegünstigung angewendet wird. Annex vom 9.9.1926
How to cite: Copy

Printed in

Walter Hofer, Beatrix Mesmer (ed.)

Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 9, doc. 218

volume link

Bern 1980

more… |
How to cite: Copy
Cover of DDS, 9

Repository

dodis.ch/45235
Protokoll der Sitzung des Bundesrates vom 17. September 19261

1493. Handelsvertrag mit Griechenland

Der Bundesrat ermächtigte das Volkswirtschaftsdepartement gemäss seinem Antrage vom 3. September.2 am 4. dies3, Griechenland zur Erleichterung des Abschlusses eines neuen Handelsvertrages eine Ermässigung des Zolles für Korinthen (ex Pos. 33) auf Franken 10 per q anzubieten.

Trotz dieses Angebotes und des Hinweises darauf, dass auf die griechischen Weinspezialitäten und Süssweine (ex Pos. 117c) sowie auf die Argos-Tabake und das Tabak-Bruchmaterial bereits ermässigte Zölle zur Anwendung gelangen, war es leider bis jetzt nicht möglich, den neuen Vertrag zum Abschluss zu bringen. Griechischerseits wird erklärt, dass man sich mit der einzigen Konzession für Korinthen nicht zufriedengeben könne.

Da auch keine weitere Verlängerung der Handelsübereinkunft vom 10. Juni 1887 erwirkt werden konnte, ist diese Übereinkunft am 10. dies ausser Kraft getreten, und es besteht seither zwischen der Schweiz und Griechenland ein vertragsloser Zustand. Nach den Erklärungen von griechischer Seite würde Griechenland seit 11. dies auf die schweizerischen Waren einen Minimaltarif ohne Meistbegünstigung anwenden4. Da die bereits in Kraft stehenden neuen Handelsverträge mit Grossbritannien und Frankreich verschiedene griechische Zollermässigungen enthalten, kommt dies einer differenziellen Behandlung der Schweiz gleich.

Nachdem schweizerischerseits durch das Angebot für die Korinthen der Beweis des guten Willens in einwandfreier Weise geleistet wurde und da, wie man die Griechen wiederholt wissen Hess, ein besonderes Zollzugeständnis für Wein und Tabak nicht in Betracht kommen kann, ist es unter den dargelegten Verhältnissen unmöglich, einen neuen Vertrag zu vereinbaren, wenn nicht Griechenland sich mit seinen Forderungen mehr bescheidet.

Das Volkswirtschaftsdepartement gedenkt nun, in erster Linie die formelle Antwort der griechischen Regierung auf das letzte schweizerische Angebot abzuwarten und hierauf das weitere Vorgehen mit der schweizerischen Handelsvertragsdelegation zu besprechen.

Einstweilen wird hievon Vormerkung am Protokoll genommen.

1
E 1004 1/300. Abwesend: Motta und Musy.
2
E 1001 1/ EVD, 1926.
3
Vgl. BR-Protokoll vom 4.9.1926 (E 1004 1/300, Nr. 1447).
4
Eine diesbezügliche Mitteilung des griechischen Geschäftsträgers in Bern, V. Dendramis, ist als Annex abgedruckt.