Language: German
17.8.1920 (Tuesday)
CONSEIL FÉDÉRAL Procès-verbal de la séance du 17.8.1920 x
Minutes of the Federal Council (PVCF)
Le Conseil fédéral délibère au sujet des pouvoirs et compétences du Nonce apostolique, notamment par rapport aux évêques suisses. Les conseils que Motta est chargé de transmettre au Nonce: non-intervention dans les affaires intérieures de la Suisse.

Classement thématique série 1848–1945:
II. LES RELATIONS INTERGOUVERNEMENTALES ET LA VIE DES ETATS
II.16 VATICAN
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Printed in

Jacques Freymond, Oscar Gauye (ed.)

Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 7-II, doc. 387

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Bern 1984

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dodis.ch/44598
CONSEIL FÉDÉRAL
Procès-verbal de la séance du 17 août 19201

Errichtung einer Nuntiatur in Bern

In der Beratung über die Erteilung des Agrément für Monsignore Maglione als päpstlichen Nuntius in Bern wird auf das in der Presse erhobene Bedenken hingewiesen, dass nämlich die Errichtung der Nuntiatur eine Beeinträchtigung der jetzigen Stellung der schweizerischen Bischöfe zur Folge haben könne, wenn dem Nuntius die Jurisdiction über den schweizer. Clerus eingeräumt würde, ein Bedenken, das auch in katholischen Kreisen laut geworden sei. Demgegenüber wird geltend gemacht, dass derartige Befugnisse nach dem neuen Codex juris canonici mit der Nuntiatur nicht ohne weiteres verbunden seien, sondern dem Nuntius, wenn er auch eine gewisse Aufsicht über die katholische Kirche des Landes, bei dem er akkreditiert ist, ohne Zweifel ausüben könne, nur kraft besonderer Vollmachterteilung durch den Heiligen Stuhl zukomme. Der Schweizerische Episkopat hege jedenfalls in dieser Richtung keinerlei Befürchtungen. Auf eine dahinzielende Anregung hin erklärt sich der Bundespräsident bereit, dem Monsignore Maglione mündlich zu erklären, es wäre zu wünschen, dass der Heilige Stuhl seinem Vertreter bei der Eidgenossenschaft keinerlei Vollmachten erteile, die in irgendeiner Weise die Unabhängigkeit der schweizerischen Bischöfe einschränken könnten.

Ferner wird der Wunsch ausgesprochen, der Bundespräsident möchte den Nuntius darauf aufmerksam machen, dass er ein etwas schwieriges Terrain betrete und gut tun werde, keine Politik des Eingreifens in unsere innern Angelegenheiten zu treiben und durch grosse Zurückhaltung alles zu vermeiden, was zu Misshelligkeiten zwischen Katholiken und Protestanten oder unter den Katholiken selbst Anlass geben könnte. Der Nuntius müsse ein Träger des Friedens und der Versöhnung sein, wenn er sich bei uns halten wolle.

Es wird auch betont, der Nuntius müsse sich dessen bewusst sein, dass er, wenn in den nächsten Jahren, wie zu erwarten, die Revision der Kirchenartikel der Bundesverfassung zur Sprache komme, alles vermeiden sollte, was den Anschein erwecken könnte, der Heilige Stuhl suche in diesen Fragen einen bestimmenden Einfluss geltend zu machen. Wenn etwas derartiges bekannt würde, so ginge ein gewaltiger Sturm los, und die Lösung dieser Fragen, die bei ruhiger Entwicklung der Dinge etappenweise wohl möglich erscheine, würde ausserordentlich erschwert.

Der Bundespräsident erklärt sich bereit, mit Monsignore Maglione im Sinne dieser Anregungen und Wünsche Rücksprache zu nehmen.

Schliesslich wird bemerkt, es wäre wünschbar, dass die Öffentlichkeit in geeigneter Form über diese Rücksprache informiert werden könnte.

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E 1005 2/1. Etaient absents: R. Haab, E. Chuard, J.M. Musy.