Language: German
12.1.1896 (Sunday)
Le Ministre de Suisse à Berlin, A. Roth, au Président de la Confédération et Chef du Département politique, A. Lachenal
Letter (L)
Le Secrétaire d’Etat Marschall se méfie des intentions annexionnistes de la Grande-Bretagne envers l’Afrique du Sud. Cela explique en partie le télégramme Krüger. Les Anglais auraient fait par la suite des déclarations rassurantes.
How to cite: Copy

Printed in

Yves Collart et al. (ed.)

Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 4, doc. 197

volume link

Bern 1994

more… |
How to cite: Copy
Cover of DDS, 4

Repository

dodis.ch/42607
Le Ministre de Suisse à Berlin, A. Roth, au Président de la Confédération et Chef du Département politique, A. Lachenal1

Als ich vor einiger Zeit den Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Baron von Marschall, anlässlich des wöchentlichen Nachmittags-Empfangs der Chefs de Mission besuchte, begegnete ich bei demselben betreffend die Vorgänge in dem Transwaal-Staat einem erklärten Misstrauen gegen das offizielle England. Er betonte mit besonderm Accent wie die englische Regierung notorisch fortgesetzt versuche, europäische Complicationen hervorzurufen. So neuern Datums wieder im Orient. Auch die gedachten Vorfälle in der südafrikanischen Republik – führte er weiter aus – bieten, so weit man bis jetzt über dieselben unterrichtet sei, diese und jene Anhaltspunkte für die Annahme, dass das Londoner-Kabinet denselben nicht ferne stehe. Die Kaiserliche Regierung habe sich denn auch veranlasst gesehen, dasselbe ohne Verzug um Auskunft über dessen Auffassung und Absichten zu ersuchen. Und da man hier auf Grund der schon damals eingegangenen Berichte von vornherein bestimmt annehmen zu müssen glaubte, England werde in seiner Vernehmlassung die südafrikanische Republik betreffenden Souveränitätsrechte geltend machen, bzw. also einen mit der Unabhängigkeit und Souveränität derselben nicht vereinbarten Standpunkt einnehmen, so habe der Kaiser es als opportun erachtet, durch sein Telegramm an den Präsidenten Krüger a priori klar zu stellen, dass er und seine Regierung einer solchen Interpretation des Vertrags zwischen dem Transwaalstaat und Grossbritannien vom 27. Februar 1884 entschieden entgegentreten müssten. Dieses Telegramm sei in seinem ganzen Wortlaut in einer Konferenz zwischen dem Kaiser einerseits und dem Reichskanzler Fürst Hohenlohe und ihm, Baron Marschall, anderseits festgestellt worden, sozusagen jedes Wort desselben sei Gegenstand der reiflichsten Erwägung gewesen, die Hauptbetonung habe man aber auf die Unabhängigkeit des Transwaalsstaates gelegt wissen wollen.

Betreffend die deutsche Auffassung über die durch den oben zitierten Vertrag vom Jahre 1884 geschaffene Situation des Transwaalsstaates darf ich Sie auf den in der Anlage mit folgendem offiziösen Artikel der Kölnischen Zeitung, reproduziert in der Nordeutschen Allgemeinen Zeitung, (no 10, vom 7. d.Mts. Abend-Ausgabe) verweisen.

Bei einem erneuerten Besuche (vor wenigen Tagen) fand ich dann aber Baron Marschall ganz erheblich calmiert. Auf meine Frage, wie das Londoner-Kabinet sich zu den fraglichen deutschen Demarchen stelle, antwortete er, dasselbe habe die bestimmte Absicht zu erkennen gegeben, dem Vertrage von 1884 in allen Theilen nachzuleben, auch betreffend die Desavouierung von Dr Jameson und Consorten und Cautelen gegen erneuerte Bedrohung der öffentlichen Ordnung im Transwaalsstaat seien beruhigende Zusicherungen ertheilt worden und es habe sich demzufolge die Situation so gestaltet, dass der diesbezügliche Meinungsaustausch zwischen Regierung und Regierung und speziell seine, Baron Marschalls, «Unterhaltungen» mit dem hiesigen englischen Botschafter in der denkbar ruhigsten und verbindlichsten Weise weitergeführt werden.

Vorderhand sei es also lediglich das nicht offizielle England, welches ernstere Differenzen zu provozieren suche und da es den Buren aus eigener Kraft gelungen sei, den status quo ante bereits wieder herzustellen, so liege kein ernster Grund für die Annahme vor, die englischen Offiziellen könnten sich aus ihrem dermaligen, zu einer Verständigung à l’amiable tendierenden Verhalten schliesslich doch noch herausdrängen lassen.

So sprach sich mutatis mutandis Baron Marschall bis jetzt mir gegenüber aus.

Auf die Frage eines meiner Collegen, wozu denn bei dieser Sachlage die englischerseits angeblich angeordneten Partial-Rüstungen, antwortete Baron Marschall, es sei ihm in zuverlässiger Weise versichert worden, dieselben seien weder gegen Deutschland, noch gegen die Transwaal-Republik gerichtet, sondern vielmehr zum Zwecke der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in der Kap-Kolonie in Aussicht genommen worden.

Bei alle dem vermisst man aber bis jetzt noch eine bestimmte Erklärung des englischen Kabinets dahin gehend, dass es auf Grund des Vertrages vom 1884 die Souveränität und Unabhängigkeit des Transwaalsstaates rückhaltlos anerkennt. Um diese Frage dürften sich denn auch die weitern Pourparlers zwischen Berlin und London drehen und bleibt nun abzuwarten, ob sich nicht diesbezüglich doch noch Meinungsdifferenzen mit unerwünschten Consequenzen geltend machen.

1
Lettre: E 2300 Berlin 12.