Language: German
2.5.1882 (Tuesday)
Protokoll der Sitzung des Bundesrates vom 2.5.1882
Minutes of the Federal Council (PVCF)
Der Bundesrat stimmt dem vom deutschen Ministerresidenten — unter Umgehung des schweizerischen Konsuls — ausgehandelten Vorschlag zu, die Angehörigen eines gelynchten Schweizers mit $ 2000 zu entschädigen.

Thematische Zuordung Serie 1848–1945:
IV. NIEDERLASSUNGS- UND ASYLPOLITIK
1. Niederlassung
1.4. Interessenwahrnehmung von Schweizer Emigranten
1.4.2. Siedler in Argentinien
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Printed in

Erwin Bucher, Peter Stalder (ed.)

Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 3, doc. 218

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Bern 1986

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dodis.ch/42197
Protokoll der Sitzung des Bundesrates vom 2. Mai 18821

2156. Lynchung des Karl Ludwig Kalbfuss von Bex in Ocampo in Argentinien

Von der Gesantschaft in Berlin isX mit Depesche vom 9. v. Mts2, ein vertraulicher Bericht eingelangt über eine Unterredung des Herrn Ministers Roth mit dem deutschen Gesanten in Buenos-Ayres, Herrn von Holleben, der von seiner Regierung auf hierseitigen Wunsch Weisung erhalten hat, Herrn Jaccard, den schweizerischen Konsul in Buenos-Ayres in der Angelegenheit betreffend die Lynchung des Karl Ludwig Kalbfuss von Bex, Kts. Waat, in Ocampo3(zu vergl. auch Prot, vom 8. Februar v. Jahres)4 mit seinem Rate beizustehen. Herr von Holleben hat mit dem argentinischen Minister der auswärtigen Angelegenheiten in dieser Angelegenheit oft verkehrt und es hat dieser jenem bestimmt versprochen, er werde zuhanden der Erben des Kalbfussaus freien Stüken eine Entschädigung im Betrage von 2,000 Dollars = 10,000 Fr. offeriren, sobald er von ihm (von Holleben) erfahren haben werde, dass die Schweiz. Regierung hiemit einverstanden sei.5 Herr von Holleben wünscht aber diese Angelegenheit allein und wie bisher in vertraulicher Weise, mit dem Herrn Minister verhandeln zu können und Herrn Jaccard erst Mitteilung machen zu dürfen, wenn der fait accompli vorliege. – Herr Konsul hat nämlich in dieser Angelegenheit gegenüber den argentinischen Behörden es am nötigen Takt fehlen lassen.6

In einiger Abänderung des Antrages des politischen Departements wird beschlossen:

es sei die Gesantschaft in Berlin zu beauftragen, Herrn von Holleben zu ersuchen, die Entschädigungsfrage in der von ihm beabsichtigten Weise zu erledigen, ohne dabei der Frage der Aufnahme eines neuen Untersuches und eventuell der Bestrafung des oder der Schuldigen, welches Begehren früher schon gestellt worden, neuerdings Erwähnung zu tun.

1
E 1004 1/129.
2
E 2/2390.
3
Am 24. 8.1880 berichtete der Verwalter des Gutes Ocampo dem schweizerischen Konsul in Buenos-Ayres: J’ai le regret de vous annoncer que le nommé Charles Kalbfuss, coupable de troisvols successifs à main armée, a été jugé, trouvé coupable, et pendu par les deux coupables qu’il avait entraînés dans son dernier vol [...] (E 2200 Buenos Aires 1/67). In seinem Schreiben vom 7.9.1880 an den Bundesrat bemerkte der Konsul dazu: Au point de vue de la loi criminelle et dela Constitution de la République Argentine la pendaison de Charles Louis Kalbfuss n’est en réalité qu’une application de la loi de Lynch, en usage aux Etats Unis, mais non tolérée dans ce pays. Je ne pouvais pas laisser passer ce meurtre sans réclamation, mais il était permis de douter de son succès, vu la position du propriétaire de la Colonie, M. Manuel Ocampo, homme hautement influent par les attaches politiques et religieuses, par le rang social de sa famille, due à l’importance de sa fortune pécuniaire [...] (E 2/2390).
4
E 1004 1/124, Nr. 675.
5
Am 9. 4.1882 berichtet der schweizerische Gesandte in Berlin dem Politischen Departement: [...] Im Laufe des vorangegangenen Jahres benutzte dann Herr von Holleben eine Reise nach Paraguay, um sich in dem Dorfe, von welchem aus die gedachte Colonie verwaltet wird, nach dem Gang der Sache zu erkundigen. Zu diesem Zwecke liess er den Friedensrichter des Dorfes zu sich auf das Schiff bescheiden und dieser letztere erklärte ihm dann, die ganze Angelegenheit sei erledigt. Der hiefür designirte Strafrichter habe nicht genügende Beweise beibringen können, um seinerseits weiter vorzugehen und habe desshalb den Fall ihm, dem Friedensrichter, zur Erledigung überwiesen. Es sei dann unter seinem Vorsitz eine Art Gericht organisirt worden (aus Mitgliedern der Colonie bestehend) und von diesem ad hoc zusammengesetzten Collegium sei Andrieux zu einer Busse von 1,000 Dollars (frcs. 5000) zu Gunsten der dortigen Schulen verurtheilt worden.[...] (E 2/2390).
6
So beklagte sich der argentinische Aussenminister Irigoyen in einer Note an das schweizerische Konsulat vom 19.1.1881: [...] El Sr. Consul manifiesta, en una forma inaceptable, que Cârlos Kalbfuss vino â América, buscando la realization de una fortuna que los enganchadores de Inmigrantes no tienen escrûpulo en prometer â los demasiado crédulos proletarios europeos. No puedo admitir conceptos tan ofensivos, si S.S. ha querido referirse â los Agentes de este Gobierno, porque ellos comprometen el crédito y la lealtad con que el Gobierno Argentino acostumbra cumplir sus compromisos y hace efectivas las garantias que ofrece [...] ( E 2200 Buenos Aires 1/67).