Language: German
20.11.1867 (Wednesday)
Le Chargé d'Affaires de Suisse à Vienne, J.J. von Tschudi, au Vice-président de la Confédération, J. Dubs
Political report (RP)
Entretiens avec les milieux officiels et le Nonce à Vienne, concernant le projet d’une conférence européenne sur la Question romaine.

Classement thématique série 1848–1945:
II. AFFAIRES ECCLÉSIASTIQUES
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Printed in

Roland Ruffieux (ed.)

Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 2, doc. 114

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Bern 1985

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Cover of DDS, 2

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dodis.ch/41647
Le Chargé d'Affaires de Suisse à Vienne, J.J. von Tschudi, au Vice-président de la Confédération, J. Dubs1

Auch heute war es mir wieder nicht möglich, den Herrn Reichskanzler Beust zu sprechen. Die eine Hälfte der für den diplomatischen Empfang bestimmten Stunden bringt S. Ex. im Reichsrathe zu, in der ändern Hälfte empfängt er die Bothschafter und Minister, und die übrigen diplomatischen Vertretter müssen sich auf den nächsten Empfangstag vertrösten, der gewöhnlich wieder eben so verlauft wie der vorhergehende.

Ich habe mich indessen auf dem Ministerium des Äusseren und bei meinen Collegen über die Haltung der verschiedenen Regierungen zur Conferenzfrage erkundigt und bin nun in der Lage, Ihnen folgendes mitzutheilen. Österreich hat ziemlich unumwunden die Geneigtheit gezeigt, an der Conferenz Theil zu nehmen, die Regierung aber hofft, dass sie nicht zu Stande kommen werde. Damit stimmt auch die Haltung der officiellen Wiener Zeitung überein, die bis jezt noch keine Mittheilung über Österreichs Zustimmung brachte, hingegen sehr scrupulös, man möchte sagen mit Behagen, die ablehnenden oder ausweichenden Antworten anderer Mächte verzeichnet. Positiv soll nur Hessen zugestimmt haben. Die hiesigen Diplomaten sind zum grössten Theile ganz ohne bestimmte Nachrichten von ihren Regierungen über diese Frage und können daher nur ihre individuelle Ansicht äussern, die natürlich auch nicht immer der Regierungsausdruk ist; so die Gesandten von Baiern, Würtemberg, Spanien, Portugal u.s.f. Die lezteren beiden glauben, dass ihre Ministerien die Conferenz beschiken würden. So viel ist immerhin sicher, dass man in den hiesigen diplomatischen Kreisen nicht im Mindesten an das Zustandekommen der Conferenz glaubt.

Ich hatte gestern eine lange Unterredung mit dem Nuntius Falcinelli; er sagte mir, dass Rom nur unter der Bedingung die Berechtigung einer Conferenz anerkennen würde, wenn von Vornherein der Grundsatz der Aufrechthaltung der weltlichen Macht des Pabstes ausgesprochen und der Territorialbestand des heiligen Stuhles vor dem Kriege von 1859 gesichert würde. Er wiederholte mir ein dutzendmal «cuique suum», so lange der Pabst nicht wieder das sämmtliche Gebiet besitze, das er vor 1859 besessen habe, so lange werde er sich auch nur der Gewalt fügen und keine Berechtigung irgend einer Seite, über seine Staaten zu verfügen, anerkennen. Die ganze Unterredung trug den Ausdruk des strengsten Non possumus.

Wenn also das Zustandekommen der Conferenz von dem Votum des Pabstes abhängen sollte, so wird sie jedenfalls nicht stattfinden, denn die Bedingungen, die die Curie stellt, werden begreiflicherweise nie angenommen werden. Der Nuntius bemerkte mir ganz unverholen, dass er die ganze Frage für eine Spiegelfechterei Frankreichs ansehe und dass Louis Napoleon sicherlich keine ernste Absicht habe eine Conferenz versammelt zu sehen; er wolle Truppen in Rom haben, um, falls Italien Revanche wegen Garibaldi nehmen oder sich mit Preussen aliiren wolle, schon im Centrum der Halbinsel eine feste Position zu haben. Monsignore Falcinelli hegt die Überzeugung, dass Italien mit aller Macht der Republik entgegensteure.

Nach meiner Ansicht dürfte es wohl sehr angemessen sein, wenn sich der hohe Bundesrath mit einer Antwort bezüglich der Beschikung der Conferenz nicht im mindesten beeilen, und falls er dieselbe ertheilt, nur bedingungsweise bejahend abgeben würde; in so ferne nämlich dass das Programm derselben genau bekannt gegeben und die Gränzen desselben nicht überschritten würden. Die Haltung, welche der schweizerische Abgeordnete auf einer solchen Conferenz einzunehmen hätte, hängt natürlich vom Programme ab; ich glaube indessen, dass die Schweiz so ziemlich genau die eventuelle Haltung Preussens befolgen sollte; denn die Interessen beider Staaten sind in dieser Frage identisch. Beide Staaten haben eine katholische Bevölkerung in Minderzahl, beide haben gewisse Rüksichten gegen das Königreich Italien zu beobachten und beiden, als Regierungen, kann die Erhaltung der weltlichen Macht so ziemlich gleichgültig sein.

Ich wiederhole übrigens nochmals, dass, wie die Verhältnisse heute liegen, das Zustandekommen der Conferenz mehr als problematisch ist.

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E 2/913.