Language: German
5.4.1850 (Friday)
Le Chargé d’affaires de Suisse à Vienne, L. Steiger, au Président de la Confédération, H. Druey
Report (R)
Le représentant de la France à Constantinople défend mal les intérêts suisses. L’intervention de l’Autriche serait utile.

Classement thématique série 1848–1945:
I. RELATIONS BILATÉRALES
I.6. Empire ottoman
I.6.1. Relations commerciales
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Printed in

Jean-Charles Biaudet et al. (ed.)

Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 1, doc. 76

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Bern 1990

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Repository

dodis.ch/41075
Le Chargé d’affaires de Suisse à Vienne, L. Steiger, au Président de la Confédération, H. Druey1

Obgleich von meinem Unwohlsein noch nicht gänzlich hergestellt, habe ich doch den vorgestrigen günstigeren Tag benutzt, um über die fragliche Zollangelegenheit bei dem Ministerium des Handels Näheres zu erfahren, und es gereicht mir zum besonderen Vergnügen, durch confidentielle Mittheilung bereits heute in die Lage versetzt zu sein, einen aus gut unterrichteter Quelle mir ertheilten Bericht mittheilen zu können. Es ist, wie Euer Excellenz in der sehr verehrlichen Depesche vom 13./16. v. M.2 erwähnen, allerdings richtig, dass die Repräsentanten der Mächte von England, Frankreich und Österreich neue Verhandlungen eingeleitet haben, um eine Reduction des Zollansatzes bei der ottomanischen Pforte zu erzielen, welche man denselben zu gewähren keinen Anstand zu nehmen scheint. Wie mir versichert wurde, sind die Unterhandlungen deshalb noch in der Schwebe, und die officiellen Nachrichten, inwiefern Österreich begünstigt werden dürfte, sind noch nicht anher gelangt; es beruht jedoch auf einer absichtlichen Entstellung, wenn behauptet wird, dass Österreich eine Tarifirung der Schweizerwaaren mit den österreichischen bei der Pforte habe einleiten lassen; dies wurde mir als eine bösartige Entstellung der Thatsachen entschieden in Abrede gestellt, denn im Gegentheil scheint gerade durch die österreichische Vermittlung ein für die Schweiz sehr günstiges Resultat erzielt zu werden, da Österreich viel günstigere Konjuncturen als Frankreich erzielt haben soll, und ein Schweizer Kaufmann in Konstantinopel namens Peter (es war mir bis jetzt noch nicht möglich, eine genauere Bezeichnung seiner Firma zu bekommen, was mir vielleicht heute noch gelingt) sich mit aller Wärme der Sache für die Schweiz angenommen hat, und mit den Vertretern Österreichs zu Gunsten der Schweiz im Interesse seines Vaterlandes handelte, wozu ihm auch dieselben bereitwilligst die Hand geboten haben sollen. Wie mir ferner in streng confidentieller Weise mitgetheilt wurde, scheint Frankreich, oder wenigstens der Repräsentant der französischen Republik in Konstantinopel, nicht nur die Interessen der Eidgenossenschaft nicht gewahrt, sondern im Gegentheil denselben entgegengehandelt zu haben, da Frankreich auf einen höheren Zollansatz für die Schweizerwaaren angetragen haben soll. Es ist nur schwer, zu bestimmen, ob diese unfreundliche und unaufrichtige Handlungsweise im Einverständnis und nach Instruction der französischen Regierung oder nur nach individuellem Ermessen des Repräsentanten der französischen Republik erfolgt ist; es dürfte jedoch nicht schwer halten, hierüber Gewissheit zu bekommen und ich werde nicht ermangeln, wenn es mir gelingt, die oberwähnte Adresse des Schweizer Patrioten Peter zu erhalten, mich mit ihm direkt in Korrespondenz zu setzen und das Erfahrene zu berichten. Dem Rathe meines Referenten folgend werde ich mich ferner mit einer officiellen Anfrage an das Ministerium des Auswärtigen wenden, und zweifle nicht, dass man sich bewogen fühlen wird, die wahre Sachlage mir zu bestätigen. Für die Schweiz kann es nur willkommen sein, wenn es ihr gelingen wird, durch die Vermittlung Österreichs vortheilhafte Bedingungen zu erhalten und die politischen Rücksichten werden wohl keinen Anstand bieten, ein günstiges commerzielles Resultat der freundschaftlichen Verwendung Österreichs verdanken zu müssen. Ich werde nicht ermangeln, allenfalls neuere einlaufende Berichte, welche mein Referent mir mitzutheilen die Güte haben wird, zur Kenntnis des hohen Bundesrathes zu bringen.

1
E 2300 Wien 3.
2
E 6/46 (minute). Le contenu de cette dépêche était semblable à celui de la lettre à Barman, No 75.