Language: German
15.9.1944 (Friday)
Le Conseiller financier de la Légation de Suisse à Washington, J. Straessle, au Chef de la Division des Affaires étrangères du Département politique, P. Bonna
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Résultats de l’entretien du Conseiller financier de la Légation suisse à Washington avec les représentants d’une délégation néerlandaise. Les Pays-Bas accepteront les décisions de Bretton-Woods. Ils seraient intéressés par l’ouverture d’un crédit en Suisse, crédit financé par des milieux privés. Une politique analogue pourrait être pratiquée envers la France, la Belgique, le Danemark et la Norvège, ce qui faciliterait les exportations. Pour l’importation de produits suisses, l’Allemagne d’après-guerre sera hors course pendant quelques années. Concernant la Banque de reconstruction et de développement, sa mise sur pied se fera incessamment.

Classement thématique série 1848–1945:
II. RELATIONS BILATÉRALES
II.19 PAYS-BAS
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Printed in

Philippe Marguerat, Louis-Edouard Roulet (ed.)

Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 15, doc. 231

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Bern 1992

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dodis.ch/47835
Le Conseiller financier de la Légation de Suisse à Washington,J. Straessle, au Chef de la Division des Affaires étrangères du Département politique, P. Bonna1

Aus meinen kürzlichen Besprechungen mit Herrn Beyen über die Beschlüsse von Bretton Woods geht hervor, dass die Holländer eine einfachere und praktischere Lösung der Probleme vorgezogen hätten, dass sie sich aber unter keinen Umständen einer internationalen Organisation, die sie als absolut notwendig erachten, fern halten würden. Herr Beyen gab der Hoffnung Ausdruck, dass mit der Zeit mehr praktische Elemente die Leitung derselben übernehmen würden.

Was die Bank of Reconstruction anbelangt, erwähnt der Leiter der holländischen Delegation, dass letztere immer für die Beschränkung der Anleihensgarantiemöglichkeit auf 75% ihrer eigenen Mittel eingetreten sei.

Wie Ihnen bereits telegraphisch mitgeteilt2, habe ich die Gelegenheit benützt, um die Frage der Plazierung holländischer Bestellungen in der Schweiz aufzunehmen, wobei ich die Möglichkeit eines schweizerischen Kredites erwähnte. Der Vorschlag schien auf grosses Interesse zu stossen (es dürften wohl zwischen 100 und 200 Millionen Franken in Frage kommen). Herr Beyen erklärte, mit seiner Regierung in London Fühlung zu nehmen. Um diese Diskussion weiterführen zu können, ersuchte ich Sie, mit den hiefür in Frage kommenden Instanzen Fühlung zu nehmen und mich über deren grundsätzliche Haltung zu informieren.

Es kann sich im heutigen Zeitpunkt natürlich erst um eine prinzipielle Stellungnahme handeln, denn die detaillierten Verhandlungen müssten selbstredend entweder in London oder in Holland selbst geführt werden, doch sollte über unsere Absichten schon jetzt Klarheit herrschen, selbst wenn das eigentliche Abkommen erst nach der vollständigen Befreiung des Landes von der deutschen Besetzungsmacht abgeschlossen werden könnte. Vorerst käme nur ein Kredit an die holländische Regierung in Frage, da die Notenbank ihren Sitz während des Krieges nicht ins Ausland verlegt hatte, obwohl die wichtigsten Aktiven noch rechtzeitig vor dem Zugriffe des Feindes gerettet werden konnten. Es wäre eventuell zu erwägen, ob nachträglich der Kredit auf die Niederlandsche Bank übertragen werden soll. In Anbetracht der Kreditwürdigkeit Hollands bin ich der Ansicht, dass ein Vorschuss mit einer maximalen Laufzeit von 5 Jahren blanco gewährt werden könnte. Selbstverständlich wäre er ausschliesslich zur Bezahlung von Warenkäufen in der Schweiz bestimmt. Wie ich in meinem Schreiben vom 25. Mai3 erwähnte, würden vor allem folgende Lieferungen in Frage kommen: Textilmaschinen, Elektromaterial (hauptsächlich Ausrüstung von Kraftwerken), Wasserpumpen, Rohmaterial, einschliesslich Lokomotiven, Maschinen für die Wiederinstandstellung der Hafenanlagen etc.

Anlässlich meiner letzten Besprechung mit dem niederländischen Finanz-Attaché gab er der Überzeugung Ausdruck, dass seine Regierung grosses Interesse an einer Kredittransaktion dieser Art hätte. Wenn von seiner Regierung noch keine positiven Propositionen vorliegen, so sei dies wohl darauf zurückzuführen, dass bereits Verhandlungen mit den amerikanischen Banken im Gange waren und von uns vorerst ein grundsätzlicher Entscheid abgewartet werde. Es ist sehr zu bedauern, dass wir nicht in der Lage waren, uns hierüber vor Bekanntwerden des Kreditabkommens mit der Chase National Bank Gruppe ($100 Millionen, gegen Goldhinterlage zum Zinsfuss von 11/297o *) zu äussern. Es ist mit Bestimmtheit anzunehmen, dass vor Abschluss eines solchen Abkommens das Treasury von den Absichten der holländischen Regierung benachrichtigt wurde. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass von dieser Seite irgendwelche Schwierigkeiten gemacht würden, da das Prinzip solcher Vorschüsse in den Richtlinien der Bank for Reconstruction and Development enthalten ist.

Ein schweizerischer Kredit an Holland böte wohl genügend Sicherheit, um eine Finanzierung aus privaten Mitteln zu rechtfertigen. Ähnliche Möglichkeiten bestehen auch inbezug auf Frankreich und Belgien und eventuell Dänemark und Norwegen, wobei zum mindesten für die zwei erstgenannten Länder ebenfalls rein private Finanzierung in Frage kommen dürfte.

Ich habe den Eindruck, dass wir uns durch rasches Handeln auf diesem Gebiete grosse moralische und materielle Vorteile schaffen könnten. Kreditprojekte dieser Art würden gleichzeitig Vollbeschäftigung unserer Industrie in der Übergangsperiode der Nachkriegszeit gewährleisten und uns bei der Wiedereroberung der durch den Krieg teilweise verlorenen Exportmärkte helfen. Es ist wohl damit zu rechnen, dass wenigstens für die ersten Jahre der Nachkriegszeit Deutschland als Käufer von Schweizerwaren fast ganz ausfallen wird. Es handelt sich daher darum, in den Nachbarstaaten einen Ersatz zu suchen, was durch den als Folge der Zerstörungen des Krieges aufgetretenen Warenhunger stark erleichtert wird. Um diese Möglichkeit für die schweizerische Industrie in vollem Masse auszunützen, sind solche grössere Kreditaktionen unbedingt nötig, und die Übernahme gewisser Risiken ist natürlich unvermeidlich, wenn wir nicht auf die früheren Exportmöglichkeiten verzichten wollen. Bei den obengenannten Ländern dürften diese Risiken jedoch auf ein Minimum beschränkt sein.

Anders stellt sich das Problem hinsichtlich einer weiteren Kategorie von Ländern, deren gegenwärtige Kreditmöglichkeit die Aufnahme von Anleihen auf privatem Wege nicht gestattet. Es kommen somit nur Kredite zwischen Regierungen oder aber staatliche Exportgarantie in Frage. Ich denke in diesem Zusammenhang in erster Linie an die Tschechoslowakei, mit welcher unsere Handelsbilanz in normalen Zeiten stets passiv war. Wie ich vernehme, sollen die tschechischen Exporte nach der Schweiz in gewissen Jahren sogar das Doppelte unserer Exporte nach der Tschechoslowakei ausgemacht haben. Anlässlich eines kürzlichen Besuches des tschechischen Finanz-Ministers L. Feierabend bei Herrn Minister Bruggmann wurde die Frage erörtert, ob die Schweiz gewillt wäre, bei Warenbestellungen der Tschechoslowakei gewisse Kredite zu gewähren. Es trifft zu, dass das Land jedenfalls gewisse Kredite in den Vereinigten Staaten aufnehmen könnte - Canada soll bereits eine diesbezügliche Zusage gemacht haben - doch schliesst dies Verhandlungen mit der Schweiz keineswegs aus. Private Finanzierung dürfte allerdings nicht in Frage kommen.

Um mir zu ermöglichen, solche Diskussionen bei Gelegenheit weiterzuführen, wäre ich Ihnen verbunden, wenn Sie mir mitteilen wollten, ob grundsätzlich Geneigtheit besteht, zur Förderung unseres Marktes in der Tschechoslowakei das Kreditproblem, wie oben angedeutet, zu lösen. Sicherstellung eines solchen Kredites durch Aktiven in der Schweiz wäre gemäss Feststellung des tschechischen Finanz-Ministers zurzeit nicht möglich. Bei der Beurteilung der Frage darf nicht übersehen werden, dass die aktive Anbahnung von Handelsbeziehungen mit der Tschechoslowakei jedenfalls nicht ohne Einfluss auf unsere zukünftigen Beziehungen zu Russland bleiben würde.

Congressman Charles S. Dewey, der als Beobachter an der Konferenz von Bretton-Woods teilgenommen hatte, vertritt nunmehr einen Alternativvorschlag seines vor einigen Monaten publizierten Gegenprojekts, welches einen Fonds von nur 500 Millionen Dollar vorsah. Er geht vom Standpunkt aus, dass die Risiken der Pläne von Bretton-Woods deren Vorteile für die amerikanische Wirtschaft bei weitem überwiegen und dass internationaler Altruismus in der Regel eine undankbare Angelegenheit ist. Die Exilregierungen, nachdem sie einmal in ihre Länder zurückgekehrt sind und deren interne Probleme zu berücksichtigen haben, würden zudem wohl kaum bereit sein, das Diktat einer internationalen Organisation zu akzeptieren. Herr Dewey schlägt deshalb vor, nicht einen komplizierten internationalen Apparat zu schaffen, sondern einfach die bestehende amerikanische Kreditmaschinerie (Staats- und Privatkredit) auszubauen, was gestatten würde, die einzugehenden Risiken klar zu überblicken. Als hauptsächlichstes Kreditmedium soll die Export-Import Bank dienen, welche in ihren bisherigen Kreditoperationen von über 1275 Millionen Dollar mit einem Nettogewinn abgeschlossen hat. Die praktische Geschäftserfahrung eines solchen Instituts könnte mit derjenigen eines neu zu gründenden zwölfköpfigen Advisory Board gepaart werden. Dieses letztere wäre aus Vertretern der Arbeitnehmer und der Landwirtschaft, aus Finanzund Transportfachkreisen und Politikern (Vertreter von State Department und Congress) zu rekrutieren.

Die gegenwärtige Kreditkapazität des Instituts wäre von 700 Millionen Dollar in dem Sinne zu erweitern, dass das Eigenkapital der Bank auf eine Milliarde Dollar erhöht würde, wobei für den doppelten Betrag des einbezahlten Kapitals Schuldverschreibungen der Bank dem amerikanischen Treasury verkauft werden könnten.

Die Diskussion über den ganzen Fragekomplex des Fonds und der Bank for Reconstruction and Development bewegt sich nunmehr im Grossen und Ganzen in ruhigeren Bahnen und wird vermutlich erst nach den Novemberwahlen in ihr entscheidendes Stadium treten. Während die Ansichten über die Pläne von Bretton Woods als solche immer noch sehr geteilt sind, besteht wenig Zweifel darüber, dass irgend eine Organisation geschaffen werden muss, wenn ein internationales Währungschaos vermieden werden soll.

1
Lettre: E 2001 (E) 2/630.
2
Télégramme non reproduit.
3
Non reproduite. * Laufzeit 3 Jahre mit vorzeitigem Rückzahlungsrecht gegen 30tägige Kündigung.