Classement thématique série 1848–1945:
V. POLITIQUE MILITAIRE
Pubblicato in
Documenti Diplomatici Svizzeri, vol. 15, doc. 130
volume linkBern 1992
Dettagli… |▼▶Collocazione
| Archivio | Archivio federale svizzero, Berna | |
▼ ▶ Segnatura | CH-BAR#E27#1000/721#9758-16* | |
| Vecchia segnatura | CH-BAR E 27(-)1000/721 2141 | |
| Titolo dossier | Berichte (1938–1945) | |
| Riferimento archivio | 06.B.2.c.1.b.04 |
dodis.ch/47734
L'Attaché militaire près la Légation de Suisse à Berlin, P. Burckhardt, à la Section de Renseignements et de Sécurité de l’Etat-Major Général de l’Armée1
MILITÄRPOLITISCHER BERICHT
Im Verlaufe der letzten Woche fand in Berchtesgaden beim Führer eine Tagung von Gauleitern sowie einer Anzahl weiterer hochgestellter politischer Persönlichkeiten statt. Der nachfolgende Bericht stammt von einem der Teilnehmer, der eine vollständig neue Quelle darstellt.
Von ihm wird berichtet, dass Hitler sehr frisch und energisch gesprochen habe. In einer grossangelegten Rede habe er ausgeführt, dass die Lage im Osten zu keinerlei Befürchtungen mehr Anlass gebe. Dies wird damit begründet, dass die Russen ihre Kräfte derart beansprucht hätten, dass sie für die nächste Zeit nicht in der Lage seien, eine grössere Offensive durchzuführen. Ausserdem wird die Stärke des deutschen Heeres, wie Hitler im Verlaufe der Rede noch weiter ausführte, für so gross angesehen, dass die gegenwärtige Front ohne Schwierigkeiten gehalten werden könne.
Der Führer glaubt nicht mehr an eine Invasion im grösserem Masstabe. Er soll wörtlich gesagt haben, dass ein solches Entgegenkommen seitens der Gegner Deutschlands nicht wahrscheinlich sei. Dagegen rechnet auch Hitler mit der Möglichkeit kleinerer Unternehmungen taktischer Natur.
Über die neutralen Staaten, wobei jede Namensnennung vermieden wurde, soll er sich länger verbreitet haben. Nach einem Rückblick auf die Entwicklung der Lage der neutralen Staaten, deren Haltung durch den successiv vermehrten Druck seitens der Alliierten beeinflusst worden sei, stellte er ganz allgemein eine grosse Nachgiebigkeit gegenüber den alliierten Wünschen fest. Diese Nachgiebigkeit sei, so führte der Führer aus, soweit gediehen, dass ein Teil der Neutralen geradezu als im Lager von Deutschlands Gegnern befindlich angesehen werden müsse. Dies sei möglich gewesen wegen der Nachgiebigkeit der Regierung und der Haltung der Bevölkerung.
Er kam alsdann auf die Möglichkeiten einer alliierten Invasion in gewissen neutralen Ländern zu sprechen. Nachdem er die damit verbundenen Schwierigkeiten technischer Natur umschrieben hatte, führte er aus, dass die deutsche Kriegsleitung je nach dem Fall einer drohenden Invasion gewisser neutraler Länder Forderungen auf Durchmarschrecht und Sicherung gewisser Gebiete erheben werde.
Auch müsse man damit rechnen, dass gewisse neutrale Staaten gar nicht in der Lage seien, einer alliierten Invasion ernsthaften Widerstand zu leisten, sei es, dass es an den nötigen Mitteln fehle, sei es, dass es ihnen an ernsthaftem Wollen mangle. Auch in diesem Falle werde Deutschland bestimmt noch rechtzeitig die notwendigen militärischen Massnahmen ergreifen.
Im weiteren Verlaufe seiner Rede gab der Führer die heutige Stärke des deutschen Heeres mit acht Millionen Mann an. Es seien im Verlaufe des Winters nahezu 60 neue Divisionen aufgestellt worden, von welchen mehrere bereits einsatzbereit seien. Die übrigen Divisionen würden aufgestellt bis zum Ende August verwendungsfähig werden. Für alle sei die vollständige Bewaffnung und Ausrüstung vorhanden.
Das Kriegspotential des deutschen Reiches sei grösser als zuvor. Auch auf dem Gebiete der U-Bootwaffe stünden Neuerungen bevor, die eine Revolutionierung des Seekrieges zur Folge haben dürften. Abschliessend führte Hitler aus, dass die Zeit für die Deutschen arbeite und dass die Aussichten für eine erfolgreiche Beendigung des Krieges günstig sei.
Diese Berichterstattung über die Rede des Führers darf wohl als durchaus zuverlässig betrachtet werden. Wie auch aus anderen Verlautbarungen entnommen werden kann, herrscht gegenwärtig ein grosser Optimismus in den leitenden Kreisen Deutschlands. Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die in den letzten Wochen gewährte Atempause dazu geführt habe, dass Deutschland sich habe wesentlich stärken können.
Auch von neutralen und kritischen Beobachtern wird, wie an anderer Stelle gemeldet wurde, die Aufstellung von neuen deutschen Divisionen festgestellt. Allerdings wird ihre Zahl nur auf ungefähr 30 geschätzt. Allgemein glaubt man, dass die wirkliche Invasion noch nicht in allernächster Zeit stattfinden werde. Man nimmt vielmehr an, dass in den kommenden Wochen nur kleinere Aktionen vorgenommen werden. Dabei spielt die Möglichkeit einer ersten Invasion in Norwegen gegenwärtig eine grosse Rolle, da von gut informierten Kreisen damit gerechnet wird, dass dies unweigerlich zu einer Besetzung Schwedens führen würde. Während noch vor wenigen Wochen eine Aktion gegen Schweden, solange dieses Land über eine genügende militärische Bereitschaft verfügte, für wenig wahrscheinlich angesehen wurde, hat nunmehr die als sicher angenommene Aufstellung neuer Divisionen die Lage verändert. Man glaubt auch, dass nach einer abgeschlagenen Invasion oder im Falle des Nichtzustandekommens einer wirklichen zweiten Front bis zum Sommer die Möglichkeit eines Separatfriedens mit Russland wieder stark in den Vordergrund treten werde.
Ganz allgemein wird von den hiesigen Beobachtern, wenn auch deren grundsätzliche Einstellung bezüglich eines negativen Kriegsausgangs für Deutschland nicht geändert hat, dessen Widerstandskraft doch wieder höher eingeschätzt und insbesondere mit der Möglichkeit weiterer Kriegsausdehnung vor dessen endgültigem Abschluss gerechnet.
- 1
- Lettre: E 27/9758/16.↩
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