Classement thématique série 1848–1945:
II. RELATIONS BILATÉRALES
1. Allemagne
1.1. Relations financières et commerciales
Printed in
Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 11, doc. 232
volume linkBern 1989
more… |▼▶Repository
| Archive | Swiss Federal Archives, Bern | |
▼ ▶ Archival classification | CH-BAR#E2001C#1000/1534#2833* | |
| Old classification | CH-BAR E 2001(C)1000/1534 160 | |
| Dossier title | Verrrechnungsabkommen mit Deutschland, Zusatzabkommen vom 6. Juli 1936, I (1934–1936) | |
| File reference archive | C.42.45.a • Additional component: Deutschland |
dodis.ch/46153
Le Ministre de Suisse à Berlin, P. Dinichert, au Délégué du Conseil fédéral pour le Commerce extérieur, W. Stucki1
Die offizielle deutsche Aussenhandelspolitik bezweckt eine grösstmögliche Steigerung der Ausfuhr über die Einfuhr hinaus, um den Verbindlichkeiten gegenüber dem Auslande nachzukommen. In Wirklichkeit dienen aber sowohl die gesamte Wirtschaftspolitik als auch die Aussenhandelspolitik als ein Teil der ersteren rein politischen Zielen. Mit anderen Worten, die deutsche Wirtschaftsund Finanzpolitik ist lediglich eine Funktion der politischen Zielsetzungen, über die sich wahrscheinlich niemand mehr einer Täuschung hingibt.
Auch in Deutschland selbst macht man keinen Hehl daraus, was als «national heilige Zwecke» zu betrachten ist. Diesen hat sich alles andere unterzuordnen. Es ist übrigens bekannt, dass auch Dr. Schacht ganz in dieser Richtung arbeitet, sogar mehr als gewissen Parteistellen oft lieb ist; daher auch die vielen Anfeindungen, denen er ständig ausgesetzt ist; daher aber auch die Unterstützung seitens der politischen Machthaber, die eine Nasenlänge über Parteiinteressen hinaussehen.
Als Beweis für Schachts Einstellung kann der viel zitierte, hier beiliegende Artikel herangezogen werden, welcher im «Deutschen Volkswirt» Nr. 30 vom 24. April dieses Jahres, einer dem Reichsbankpräsidenten nahestehenden Zeitschrift, erschienen ist. Darin wird die Ernennung eines Reichsausgabenkommissars befürwortet, welcher darüber zu wachen hätte, dass die zur Verfügung stehenden Mittel weitgehend für die als vordringlich anerkannten Aufgaben verwendet werden. Es wäre müssig, heute darüber Worte zu verlieren, wie weit Schacht dabei selbst an seine Person gedacht haben mag, oder inwiefern etwa diese Anregung die allerhöchsten Stellen bei der Ernennung Görings zum Rohstoff- und Devisenkommissar – also zum eigentlichen Wirtschaftsdiktator – beeinflusst hat.
Richtig ist jedenfalls, dass dieser durch eine lapidare Pressemeldung bekanntgegebene Auftrag an Göring überraschend kam, nicht zuletzt offenbar für Schacht selbst, der damals am 27. April in Badenweiler auf Urlaub weilte. Es scheint auch festzustehen, dass dieser Beschluss weit über seine eigenen Pläne und Absichten hinausging. Bei einem solch autoritären Charakter ist eine weitgehende freiwillige Unterordnung in der Tat auch kaum denkbar. In ihren Kommentaren sprach jedoch die schweizerische Presse von einem Schutzschild, indem sie offenbar den Akzent auf die in der Pressemeldung, – welche lediglich pro memoria hier beigefügt ist, – angeführten parteilichen Belange legte und daraus folgerte, Schacht wünsche sich hinter dem breiten Rücken Görings gegen Parteiangriffe zu decken.
Wie dem auch sei, fest steht heute, dass die Lage zu Gunsten Schachts sich wieder beruhigt hat. Als Beweis für diese Tatsache braucht nur auf den Ausgang der Verhandlungen betreffend Weiterführung des heutigen Systems der Exportförderungen verwiesen zu werden, wobei der Reichsbankpräsident es verstand, trotz grössten Widerstandes seitens der Industrie und insbesondere auch der zur Beschaffung der Mittel nun herangezogenen Landwirtschaft, seine Pläne restlos durchzusetzen.
Die Überlegung ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass Schacht im Schatten der Machtstellung Görings hofft, seine Pläne ungestörter verfolgen und verwirklichen zu können, solange keine grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten entstehen und solange insbesondere der nominelle Wirtschaftsdiktator seine Stellung nicht dazu benutzt, um Forderungen zum Durchbruch zu verhelfen, die mit Schachts Politik nicht im Einklang stehen. Letzteres ist aber – wenigstens vorläufig – kaum zu befürchten, da sowohl Göring, als Vertreter eines Teiles der Wehrmacht, als auch Blomberg mit Schacht an einem Stricke ziehen. Konflikte liegen immerhin im Bereich der Möglichkeit, dann nämlich, wenn Schacht zum Beispiel das in den Augen der Machthaber wünschbare Tempo der Aufrüstung nicht mitmachen kann, oder wenn die Ansichten über die Art und Weise der Beschaffung oder der Verwendung der Mittel grundsätzlich auseinandergehen usw. [...]
- 1
- Lettre: E 2001 (C) 4/160. Paraphe: AZ.↩
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