Classement thématique série 1848–1945:
II. RELATIONS BILATÉRALES
15. Italie
15.1. Relations commerciales
Pubblicato in
Documenti Diplomatici Svizzeri, vol. 10, doc. 306
volume linkBern 1982
Dettagli… |▼▶Collocazione
| Archivio | Archivio federale svizzero, Berna | |
▼ ▶ Segnatura | CH-BAR#E7110-02#1000/1065#346* | |
| Vecchia segnatura | CH-BAR E 7110-02(-)1000/1065 82 | |
| Titolo dossier | Handelsvertrag mit Italien (1933–1934) | |
| Riferimento archivio | 8.2.1 • Componente aggiuntiva: Italien |
dodis.ch/45848
Le Directeur de la Société anonyme Geigy, C. Koechlin, au Directeur de la Division du Commerce du Département de l’Economie publique, W. Stucki1
Mit meinen Zeilen vom 15. ds.2 erlaubte ich mir zu schreiben, dass ich mir Vorbehalten werde, auf den Inhalt des Briefes von Herrn Minister Wagnière vom 3. Juli3 zurückzukommen. Ich möchte dies mit diesen Zeilen ganz kurz tun, um einige Ungenauigkeiten und Unrichtigkeiten klarzustellen.
Vor allem liegt es mir daran, die Entstehung der deutsch-schweizerischen Zusammenarbeit in Italien genau zu beschreiben.
Im Herbste 1930, als der bekannte Konzern der Italgas eine vollständige Reorganisation und Sanierung durchführen musste, wurden gleichzeitig die deutschen und die Basler Firmen von verschiedenen Persönlichkeiten angefragt, ob sie ein Interesse daran hätten, sich an einer reorganisierten italienischen Farbstoffmdustrie zu beteiligen. Die Lage war damals folgende:
Der unter dem Namen «Acna» bekannte italienische Farbstoffkonzern, in dem in den Nachkriegsjahren die Firmen Italica, Bonelli & Sipe zusammengeschlossen worden waren, war in finanzieller und organisatorischer Beziehung dem vollständigen Zusammenbruch nahe. Die Acna war nicht nur vom Produktions-, sondern auch vom Verkaufs- und vom Finanz-Standpunkt aus viel zu gross aufgezogen und hatte ausserdem eine durchaus unfähige technische und kaufmännische Leitung. Diese wollte nicht nur in Italien das ganze Geschäft an sich reissen, sondern auch noch im Export grosse Geschäfte tätigen. Durch diese Politik wurde das Preisniveau in Italien vollständig zerrüttet, und im Export gelang es der Acna nur in verschiedenen Ländern störend aufzutreten und einige Geschäfte zu Verlustpreisen zu tätigen. Das Endresultat war, wie bereits gesagt, der vollständige Zusammenbruch, der mit der Reorganisation der Italgas vereint, die vollständige Loslösung der alten Acna von ihren früheren Bindungen bedingte.
Da die italienische Regierung, und zum Teil auch die Kundschaft, ein natürliches Interesse daran hatte, eine lebensfähige chemische bezw. Farbstoff-Industrie dem Lande zu erhalten, gelang es Rom, den Montecatini-Konzern schliesslich zu bewegen, in die Übernahme der Acna einzuwilligen. Dies war aber nur möglich, nachdem die neue Acna von jeder Verpflichtung der alten Acna losgelöst wurde, damit die Garantie bestand, dass sie in keiner Weise belastet übernommen werde, und nachdem die italienische Regierung sich bereit erklärt hat, zur Finanzierung des neuen Unternehmens ein Darlehen von 80 Mill. Lit. bereitzustellen.
In diesem Zeitpunkt ist dann die Montecatini an die deutsche I.G. gelangt, mit dem Vorschlag, die italienische Farbstoffindustrie gemeinsam aufzurichten und zu leiten. Zu diesem Zwecke wurden der deutschen Gruppe, wie dies im Bericht des Herrn Wagnière4 steht, 49% des Aktienkapitals der neuen Acna, das sich auf 60 Mill. Lit. beziffert, zur Verfügung gestellt, unter der Bedingung allerdings, dass auch die deutsche Gruppe der Montecatini, bezw. der neuen Acna, eine entsprechende Beteiligung an dem der deutschen I.G. gehörenden italienischen Werk Società Chimica Lombarda A.E. Bianchi & Co., Rho, zur Verfügung stelle. Die deutsche I.G. hätte sich ferner zu verpflichten, ihre technische Erfahrung der neuen Acna weitgehend zur Verfügung zu stellen und ausserdem dafür besorgt zu sein, dass der neuen Acna im italienischen Markte eine ihrer nationalen Bedeutung entsprechende Quote zufalle und sie ausserdem noch einen Anteil am Exportgeschäft haben könne.
So waren die Voraussetzungen bezw. Bedingungen einer italienisch-deutschen Zusammenarbeit, die, ich möchte das speziell betonen, nicht nur im Einverständnis, sondern zum Teil auch unter Druck von Rom aufgestellt worden sind.
Die deutsche Gruppe hat, gemäss den Vereinbarungen die wir mit ihr haben, im Einverständnis mit uns die Verbindung mit der neuen Acna aufgenommen und ein entsprechender Vertrag ist zustande gekommen.
Was die technische Seite betrifft, so ist festzustellen, dass die neue Acna von der Zusammenarbeit mit der deutschen Gruppe ausserordentlich viel profitiert hat; unrentable, an verschiedenen Orten durchgeführte Fabrikationen sind in rationeller Weise zusammengefasst worden, Verfahren wurden verbessert und die deutschschweizerische Gruppe hat der neuen italienischen Industrie im Inland Platz gemacht und ausserdem beträchtliche Mengen Farbstoffe von ihr bezogen, die früher von verschiedenen kleinern italienischen Fabriken geliefert wurden und die infolge der neuen Zollansätze nicht mehr nach Italien importiert werden können.
Auch im Export haben die Deutschen und Schweizer der neuen Acna Dienste geleistet, sie haben die alten Lager der Acna liquidiert zu Preisen, die zum mindesten keinen Verlust mehr Hessen, und ausserdem in einigen Ländern der Acna Geschäfte zugewiesen, die sie nun mit Gewinn weiter betreiben kann.
Diese Abmachungen im Verkauf und zum Teil auch in bezug auf die technische Hilfe sind begründet in einem provisorischen Abkommen, das Ende ds. Js. abläuft. Die deutsch-schweizerische Gruppe stellt sich auf den Standpunkt, dass diesem kurzfristigen Provisorium nun ein langfristiges Definitivum folgen müsse.
Es stimmt also keineswegs, dass die deutsche Gruppe versucht hätte, direkt oder indirekt die Kontrolle über die massgebende italienische Farbstoffindustrie zu erlangen, um diese dann zum Stillstand zu bringen.
Was nun die kleinern Fabriken betrifft, so ist zu sagen, dass in Italien während des Krieges und in der unmittelbaren Nachkriegszeit verschiedene kleinere Fabriken entstanden sind, die eine beschränkte Anzahl von Farbstoffen fabrizierten, wobei sie die Auswahl auf die Produkte legten, die in grossen Quantitäten Absatz fanden. Diese Werke haben von Anfang an eine Preispolitik getrieben, die zusammen mit der alten Acna die Preisbasis in Italien vollkommen erschütterte. Die Folge davon war, dass verschiedene eingehen mussten. Einige, wie z.B. die Italica, Bonelli und die Sipe suchten ihr Heil in der alten Acna, und andere, wie Melegnano verstanden es, sich die moralische und finanzielle Unterstützung von grössern Kreisen der Konsumenten zu sichern. Alle Bemühungen, die Preisbasis wieder auf ein normales, gesundes Niveau zu bringen, das allen richtig geleiteten Fabriken ein Arbeiten ohne Verlust und mit einem berechtigten Gewinn ermöglicht hätte, haben fehlgeschlagen. Dass sich die grössern Werke nach verschiedenen vergeblichen Versuchen in dieser Richtung dazu genötigt sahen, gegen diese Outsiders vorzugehen, ist wohl begreiflich und kann ihnen nicht zur Last gelegt werden. Man kann von ihnen auch nicht verlangen, dass sie billige, gute Roh- und Zwischenprodukte liefern, mit denen dann diese kleinern Firmen den rücksichtslosen Kampf mit dem Endprodukt führen. Herr Donegani, der Leiter der Montecatini bezw. der neuen Acna, hat diese Auffassung auch geteilt und eingesehen, dass ohne Lösung dieses Outsider-Problems die Lage in Italien nicht saniert werden könne.
Unter diesen Outsidern spielt nun Melegnano, das von einem Herrn Dr. Saronnio5 geleitet wird, deshalb eine besondere Rolle, weil sich die Kundschaft des Distriktes Biella, unter der Führung des bekannten Industriellen Rivetti, bereit finden Hess, Melegnano mit allen Mitteln gegen die neue Acna und die deutschen und schweizerischen Firmen zu unterstützen. Wir glauben aus zuverlässigen Quellen zu wissen, dass das finanzielle Resultat dieser Firma ein schlechtes ist, und dass die Firma vor dem Zusammenbruch nur gerettet werden kann durch die Unterstützung des sich zu diesem Zwecke zusammengeschlossenen Syndikats der Industriellen von Biella. Einigen davon ist die Last zu schwer geworden und sie haben sich zurückgezogen.
Die Tatsache, dass Melegnano, bezw. Dr. Saronnio6, mit allen Mitteln versucht, Rom zum Einschreiten zu bewegen, lässt u.E. darauf schliessen, dass die Lage so ist, wie ich sie eben geschildert habe und dass diese Outsider Firma ihre Rettung nur dann sieht, wenn von Rom aus ein Machtwort gesprochen wird.
Neben Melegnano und einigen ändern nicht bedeutenden Outsiders haben, wie bereits gesagt, die Deutschen eine Fabrik, die unter dem Namen Società Chimica Lombarda A.E. Bianchi & Co., Rho, bekannt ist und an der, wie auch schon erwähnt, die Acna stark beteiligt ist. Die Basler haben eine kleine Fabrikationsstätte unter dem Namen Società Bergamasca per l’Industria Chimica, Seriate.
Bei diesem Anlass möchte ich erwähnen, dass sowohl Bianchi als auch Seriate bereits unter der Leitung von Frankfurt und Basel standen, bevor der Zusammenbruch der alten Acna Tatsache wurde.
Die Vorwürfe des Dumpings sind in der Weise richtigzustellen, als das Preisschleudern von den Italienern ausging, von der alten Acna und den verschiedenen kleinen Fabriken. Die Deutschen und Schweizer mussten folgen, da im Farbengeschäft eine grosse Organisation auf die grossen Artikel nicht verzichten kann, wenn sie ihr standing im Verkauf, in der Applikation und in der Fabrikation auf der Höhe behalten will, die man bei ihr seitens der Kundschaft ohne weiteres voraussetzt. Sogar viele sog. Spezialitäten aus der Reihe der echten Farbstoffe sind gerade in Italien bereits auf einer sehr tiefen Preisbasis angelangt. Dass man bei den wenigen Spezialprodukten, für die man noch gute Preise bekommen kann, sucht diese Preisbasis so lange wie möglich zu erhalten, ist selbstverständlich, damit man wenigstens dort Geld verdient, um den Verlust an den Grossprodukten glattzustellen.
In einem Spezialgebiet, dem Schwefelschwarz, wurde seinerzeit versucht, eine Verständigung zwischen allen Fabrikanten zu treffen, um jedem ein nutzbringendes Geschäft sicherzustellen. Diese Vereinbarung wurde aber gerade von den kleinern Fabriken zu groben Überschreitungen benützt, sodass die grössern die Kündigung aussprechen mussten. Auch dies ist ein Zeichen dafür, dass die italienischen Outsiders, die neue Acna immer ausgenommen, eben für ein Zusammenarbeiten nicht zu haben waren.
[...]7
Was nun die in Aussicht genommenen etwaigen Verhandlungen mit der italienischen Gruppe betrifft, so wissen wir, dass sich die deutsche I.G. ihrer Regierung gegenüber bereit erklärt hat, im Herbst die Verhandlungen mit Rom aufzunehmen. Wir wissen auch, dass Deutschland gewillt ist, eine Verständigung zu suchen; diese darf aber nicht so aussehen, wie es nach den uns bisher zugekommenen Informationen die Italiener wünschen, d.h. die Reservierung des fast vollständigen italienischen Marktes für die italienischen Fabriken und dazu noch eine beträchtliche Quote im Export. Speziell die Schweizergruppe hat es immer abgelehnt, und wird es auch in Zukunft tun, einen Verzicht auf ein wichtiges Konsumationsland zu geben. Wir, die wir über kein grosses eigenes Hinterland verfügen, müssen unbedingt unsere Anteile im Export behalten können. Die Forderungen der Italiener müssen sich deshalb in einem Rahmen bewegen, der den heutigen Verhältnissen entspricht, wobei wir selbstverständlich anerkennen, dass eine bevorzugte Stellung im eigenen Lande als berechtigter Wunsch angesehen werden muss.
Auch für den Export wird sich eine Verständigung finden lassen, wenn der Bogen nicht überspannt wird, denn darüber müssen sich die Italiener im Klaren sein, dass alle Farbstoff-Fabriken der Welt heute reduziert arbeiten müssen, dass die Produktionsmöglichkeit weit über die Aufnahmefähigkeit geht, und dass es deshalb nicht möglich ist, neuen Partnern in einer Vereinbarung grössere Gebiete abzutreten.
Damit glaube ich Ihnen zu dem Berichte unserer Gesandtschaft in Rom noch einige Ergänzungen gegeben zu haben, die das Bild vervollständigen. Ich darf Sie wohl bitten, auch meine Ausführungen vertraulich und persönlich zu behandeln und möchte nicht verfehlen beizufügen, dass ich selbstverständlich jederzeit zur Verfügung stehe, falls Sie weitere Informationen wünschen sollten.
- 1
- Lettre: E 7110 1/82.↩
- 2
- Non retrouvé.↩
- 3
- Par sa lettre confidentielle du 3 juillet, Wagnière répondait à la Division du Commerce qui, en date du 16 juin, lui avait demandé des renseignements sur les mesures prises en Italie pour la protection de l’industrie nationale des matières colorantes et lui avait communiqué la lettre du groupe- ment des industries chimiques bâloises (cf. no 291) Voici quelques-uns des renseignements fournis par Wagnière: f.J Le problème à résoudre est, en somme, le suivant: la «I.G. Farbenindustrie» a, en son temps, conclu un accord avec la Montecatini dont l’objet était de s’assurer la suprématie en Italie pour la fabrication des matières colorantes et de faire disparaître petit à petit leurs concurrents moins forts. Il y a deux ans environ, la société Acna se vit obligée de fermer ses usines et elle fut rachetée par le groupe I.G. Farbenindustrie-Montecatini qui est le plus grand producteur de couleurs d’Italie. Les actions du groupe sont entre les mains de la Montecatini à raison du 51 %; le reste appartient à la «I.G. Farbenindustrie». Le Gouvernement italien reproche à la I.G. Farbenindustrie de pratiquer des prix très élévés pour les produits qui ne peuvent pas être fabriqués en Italie, tandis qu’elle exagère en sens inverse pour les couleurs fabriquées également dans ce pays.l’Allemagne se défend en répondant qu’en dépit de l’abaissement général des prix, l’industrie italienne a augmenté les siens en raison du 50% environ, tandis que les prix des mêmes matières importées de l’étranger n’accusent pour ainsi dire aucune augmentation. f.J l’Italie s’est également mise en rapport avec 1’«Industrie-Verband» allemand pour provoquer un échange de vues sur le relèvement de certains droits afférents aux couleurs. Saisie de cette demande, la «I.G. Farbenindustrie» demanda conseil à l’Ambassade d’Allemagne à Rome. En raison de la force du groupe «I.G. Farbenindustrie-Montecatini» d’une part, et, d’autre part, de la grande influence de la «I.G.» comme telle qui, entre temps, a encore acquis une fabrique de matières colorantes en Italie, (il ne nous a pas été possible d’apprendre le nom de l’ancien propriétaire de cette fabrique) qui fut incorporée au groupe, plaçant ainsi entre les mains de la «I.G.» la majorité des actions de ce groupe, - la «I.G.» répondit au «Industrie-Verband» qu’elle n’avait aucun intérêt à entreprendre des négociations douanières avec l’Italie. f.J Il semble donc que les difficultés qui vous ont été signalées et les craintes formulées en Suisse ont, avant tout, leur origine, d’une part dans l’activité envahissante du groupe «I.G. Farbenindustrie-Montecatini» (ce groupe, m’assure-t-on, n’a pas la sympathie des autorités italiennes) et, d’autre part, dans le désir de l’industrie nouvellement installée à Melegnano de se disputer le marché italien avec le groupe en question. Le problème est certes plus complexe encore, les difficultés auront d’autres sources. En outre, le groupe «I.G. Farbenindustrie-Montecatini» ne sera plus le seul concurrent avec lequel doit compter Melegnano. Dans ces circonstances, je suis d’avis que le développement de cette situation doit être suivi avec soin et je ne manquerai pas de continuer à vouer à cette affaire l’attention qu’elle mérite (E 7110 1/82). Dans sa lettre du 7 juillet suivant à la Division du Commerce (E 7110 1/82),Wagnière écrivait que les renseignements contenus dans sa lettre du 3 juillet lui avaient été fournis par un collègue de l’Ambassade d’Allemagne qui l'avait prié d’en faire un usage strictement confidentiel.↩
- 4
- Cf. n. 2 ci-dessus.↩
- 5
- Il s’agit en réalité de C. Serono.↩
- 6
- Il s’agit en réalité de C. Serono.↩
Tags


