dodis.ch/43904 Les Délégués du Conseil fédéral pour les Questions économiques et industrielles,
H. Heer et H.
Grobet-Roussy, au Chef du Département de l’Economie publique,
E. Schulthess 1
Über die erste Sitzung, welche letzten Freitag (32. Jan.) stattgefunden hat, erlaube ich mir, Ihnen inliegend das Protokoll3, welches Herr Jouvet angefertigt hat, statt eines detaillierten Berichtes zu übergeben, indem ich demselben als Beilage ein Resumé der Situation hinsichtlich der einzelnen Gegenstände beifüge.4
Wir haben den Eindruck, dass auch heute noch, nach bald drei Monaten, welche seit dem Waffenstillstand verflossen sind, noch eine ungeheure Unordnung auf allen Gebieten der administrativen Tätigkeit Frankreichs sowohl als auch der Alliierten herrscht. Ich hatte diesen Eindruck schon in Bern, er hat sich hier aber eher noch verstärkt. Aus diesem Grunde scheint eine gewisse Ängstlichkeit vorzuherrschen hinsichtlich aller Massnahmen, welche auf den energischen Abbau der Kriegsorganisation abzielen.
Dieser Ängstlichkeit werden wir suchen dadurch zu begegnen, dass wir klar und deutlich redigierte Propositionen eingeben werden betreffend der Abänderung des Art. 10 c.5, der Transitfrage und in einem speziellen Abschnitt (questions diverses) die Frage der gänzlichen Freigabe der autochtonen Produkte und sonstiger Pendenzen [!], welche mit der Commission interalliée in Bern nicht haben erledigt werden können. Es scheint uns damit die einzige Möglichkeit geschaffen, ein wirkliches Bild über die Absichten und ein positives Resultat zu erhalten.
Wir haben den Eindruck, dass die Beiziehung der Neutralen zu den Friedensverhandlungen auch hinsichtlich der Arbeiterschutzgesetzgebung dadurch ins Wasser gefallen ist, dass auf letzten Samstag eine Kommission bestellt wurde, welche über dieses Thema beraten soll, ohne dass auch nur während eines Momentes die Frage gewürdigt wurde, ob hierbei die Neutralen nicht auch ein Wort mitzusprechen hätten. Wie ich unter der Hand vernommen habe, will man höchstens den Neutralen gestatten, bei diesem oder jenem Kongress-Teilnehmer allfällige Wünsche vorzubringen, welche dann der Betreffende (es könnte sich wohl nur um die Amerikaner handeln) zu verwerten suchen werde. Ich frage mich, ob gegen diese Auffassung eine Einsprache nicht am Platze wäre, denn die hoch industrialisierte Schweiz sollte doch gewiss auch als Sitz des internationalen Arbeiterschutzcomités nicht einfach bei Seite geschoben werden.
Über die Transportfrage wird viel gesprochen. Von verschiedenen Seiten wird prophezeit, dass in dieser Richtung der Höhepunkt der Schwierigkeiten noch nicht erreicht sei. Ein Eisenbahnerstreik soll ebenfalls für Ende dieses Monats in Aussicht stehen. Die Folgen eines solchen Ereignisses könnten katastrophale Wirkungen auslösen. Die Schweiz wird jedenfalls gut tun, für die nächsten 2 Monate vorsichtig zu sein bezüglich der Verproviantierung des Vorarlbergs, Tirols und Österreichs, denn wenn die Zufuhren ausbleiben sollten, so wäre auch der Ersatz seitens der Alliierten unmöglich.