Language: German
22.5.1867 (Wednesday)
Le Ministre de Suisse à Berlin, J. Heer, au Président de la Confédération, C. Fornerod
Political report (RP)
La Prusse n’a pas l’intention d’adopter un nouveau système monétaire. Reprise possible des négociations en vue d’un traité de commerce.

Classement thématique série 1848–1945:
I. LES RELATIONS INTERGOUVERNEMENTALES ET LA VIE DES ÉTATS
I.1 ALLEMAGNE
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Printed in

Roland Ruffieux (ed.)

Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 2, doc. 94

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Bern 1985

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dodis.ch/41627
Le Ministre de Suisse à Berlin, J. Heer, au Président de la Confédération, C. Fornerod1

Indem ich voraussetze, dass mein Brief No 2, dd. 19.1. Ms.2, bereits in Ihren Händen sei, bin ich heute veranlasst, Ihnen schon wieder zu schreiben, da ich gestern Gelegenheit fand, in derjenigen Angelegenheit, welche Sie mit Schrb. v. 15.1. Ms.3 mir zur Berükksichtigung empfohlen haben, mit dem Finanzminister v. d. Heydt zu sprechen. Derselbe sagte, dass die preussische Regierung allerdings bereit & geneigt sei, die auf den 17. Juny nächstkünftig nach Paris ausgeschriebene Münz-Conferenz zu beschikken, dass aber die Haltung, welche ihr Abgeordneter einzunehmen angewiesen sei, vielleicht manchen Erwartungen, die an sein Erscheinen geknüpft werden, nicht entsprechen dürfte. Zwar habe derselbe keine bestimmten Instructionen, sondern werde sich darauf beschränken, in freier Weise sich an der Diskussion zu betheiligen und im Übrigen anzuhören & zu berichten; aber schon von heute aus könne er mir sagen, dass Preussen durchaus nicht geneigt sei u. niemals geneigt sein werde, das französische System mit seinem doppelten Standard (Gold u. Silber neben einander) zu adoptiren: man halte dieses in Berlin für theoretisch & praktisch fehlerhaft. Preussen habe an sich gar kein Bedürfniss, zu ändern: es befinde sich gut bei seinem System, habe mehr als hinlänglich Silbergeld & trete also in Änderungen nur ein, sofern etwas wirklich gutes & zugleich etwas gewissermassen Universelles könne geschaffen werden; könne man sich über ein System verständigen, dem auch England & Nord-Amerika beitreten, so werde Preussen auch dabei sein, sonst aber schwerlich; jedenfalls sollte man sich keine Hoffnung darauf machen, dass dasselbe einfach der Münzconvention von 1866 sich anschliesse, da es diese nicht als Fortschritt, sondern als eine Verschlechterung seiner jetzigen Münz-Zustände betrachten müsse. Diese Äusserungen wurden in sehr bestimmter Weise abgegeben & es macht mir den Eindrukk, dass die Regierung sich in diesem Sinne bereits vollständig schlüssig gemacht hat. Ich hatte keinen Auftrag, den Versuch einer Sinnes-Änderung zu wagen; er würde aber auch kaum etwas gefruchtet haben & in der Hauptsache, – d. h. in der Ansicht, dass ein doppelter Standard eigentlich eine contradictio in adjecto sei – stimme ich ohnehin persönlich durchaus – & zwar schon seit Jahren – mit der Auffassung des preuss. Ministers überein. Ich müsste mich also darauf beschränken, von der Eröffnung Notiz zu nehmen u. Ihnen dieselbe einfach mitzutheilen, gewärtigend, ob der h. Bundesrath im Falle sein wird, mir weitere sachbezügliche Aufträge zu ertheilen.

Die gleiche Unterredung benutzte ich dazu, um wegen der Wiederanknüpfung der Verhandlungen über den Handels- u. Zollvertrag ein Wort fallen zu lassen: der Minister war aber offenbar über die Vorgänge im J. 1865 (wo er nicht im Amte war) gänzlich ununterrichtet, so dass er mich auf eine künftige Besprechung vertrösten musste; immerhin bemerkte er, die neue Einrichtung des Zollvereins werde vorausgehen müssen, bevor jene Verhandlungen wieder aufgenommen werden können, u. wenn auch, nach der bevorstehenden definitiven Constituirung des norddeutschen Bundes, die Herstellung der neuen Zollvereins-Verfassung schwerlich auf grosse Schwierigkeiten stossen dürfte, so müsse immerhin ein Zeitraum von einigen Monaten für Lösung aller bezüglichen Fragen in Aussicht genommen werden: lauter Eröffnungen, die ich nicht anders erwartet hatte, wie ich bereits die Ehre hatte, Ihnen in Bern zu bemerken.

Hr. v. d. Heydt war durchaus artig & höflich, aber er machte mir den Eindrukk, dass er eigentlich nicht recht gut auf die Schweiz zu sprechen sei; er sagte u. A., er sei letztes Jahr einige Zeit in Ouchy (Beaurivage) gewesen & habe sich zu seinem Befremden überzeugt, dass man in der Schweiz nicht freundlich gegen Preussen gestimmt sei; preussische Zeitungen halte man nicht, sondern nur die «schlechten» süddeutschen Blätter, aus denen die Schweiz. Journale ausschliesslich schöpfen; man scheine zu glauben, die Preussen seien steife Zöpfe, die nicht mit der Zeit vorwärts marschiren; es sei recht, dass einmal Jemand nach Berlin komme, um sich an der Quelle vom Gegentheil zu überzeugen & das Preussen, wie es wirklich sei, kennen zu lernen & dgl. m. Ich machte natürlich die erforderlichen Gegenbemerkungen; ob mit wesentlichem Erfolg, bezweifle ich. Was die allgemeinen Welthändel anbelangt, so ist darüber begreiflicher Weise zur Stunde nichts zu melden: die brennende Tagesfrage ist glükklich gelöst & die Hoffnung darf wohl gehegt werden, dass ein deutsch-französischer Krieg für die nächste Zukunft nicht mehr zu befürchten steht. Allerdings wird die Verstimmung zwischen den beiden grossen Nachbarn – trotz des Londoner Friedens & trotz des Königsbesuches in Paris – ohne Zweifel noch lange fortdauern; es ist auch wohl gedenkbar, dass dieselbe früher oder später in einen ernstem Conflict ausgeht; aber für das Jahr 1867 darf man wohl ziemlich unbesorgt sein. Der französ. Botschafter dahier (Benedetti) sagte, als ich ihm meine Aufwartung machte, es sei lächerlich, wenn die Preussen fortwährend über französische Rüstungen schreien: was Frankreich in dieser Beziehung thue (also etwas geschieht doch!), sei nur von dem Wunsche eingegeben, einigermassen das Gleichgewicht gegen die preussische Kriegsbereitschaft herzustellen. «La campagne de 1866 était une révélation». Jedermann kannte die preuss. Heeresorganisation, aber Niemand glaubte daran, dass in diesem Staate ein so furchtbares Mass von Kraft, Elasticität & Bereitschaft vorhanden wäre. Nach dieser révélation sei es doch gewiss begreiflich, wenn Frankreich die Hände nicht in den Schoss lege.

Ist nun die Kriegsfrage – wenigstens für einmal & wahrscheinlich für längere Zeit – zur Ruhe eingegangen & ist auf der ändern Seite für Monate hinaus an die Unterhandlungen wegen des Handelsvertrages nicht zu denken, so bleibt für die hiesige Legation in der That sehr wenig oder so gut wie kein Stoff zur Entfaltung einer Thätigkeit übrig. Zudem ist die ganze Diplomatie, die höhere Beamtenwelt & der Hof am Einpakken oder schon verreist.[...]4

1
Rapport politique: E 2300 Berlin 1.
2
Cf. rf 93.
3
Non reproduite. Cf. E 1001 (E) q 1/75.
4
Dans la seconde partie de son rapport, J. Heer inf orme le Conseil fédéral de la remise prévue de ses lettres de créance aux Cours d’Allemagne du Sud et termine avec le problème des Consulats suisses en Allemagne.