Language: German
28.3.1860 (Wednesday)
Le Ministre de Suisse à Paris, J. C. Kern, au Conseil fédéral
Report (R)
Réactions des puissances au traité du 24 mars sur la cession de la Savoie à la France. La réunion d’un congrès serait indiquée.

Classement thématique série 1848–1945:
I. RELATIONS BILATÉRALES
I.9. France
I.9.5. Question de Savoie
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Printed in

Jean-Charles Biaudet et al. (ed.)

Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 1, doc. 384

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Bern 1990

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Repository

dodis.ch/41383 Le Ministre de Suisse à Paris, J. C. Kern, au Conseil fédéral1

In Folge Ihres gestern Abend erhaltenen durch den Telegraph übermittelten Auftrags2, gegen den Vertrag vom 24. Merz betreffend Cession von Savoyen an Frankreich eine Protestation einzureichen, machte ich mich noch gestern Nachts an die Redaction einer solchen Note.3 Ich betrachtete das in Ihrer telegraphischen Depesche Gesagte als stamina, als Direktionen für den Inhalt derselben. Diesen Vormittag wurde sie definitiv expedirt. Ich wartete bis 2 Uhr, ehe ich ins Ministerium des Äussern ging, in der Hoffnung, Thouvenel desto eher anzutreffen, da am Mitwoch Sitzung des Conseil des ministres ist und deshalb kein Audienztag. Thouvenel war noch in den Tuilerien, sein Sekretär abwesend. Ich übergab daher die Note dem Sous-directeur du cabinet.4 Von da begab ich mich zu Lord Cowley und theilte ihm eine Abschrift dieser Note mit, was ich im Hinblik auf die täglich sich erneuernden Parlamentsdebatten unerlässlich fand. Lord Cowley, dem ich die Note vorlas, erklärte sich in a//e«Theilen mit der Abfassung derselben einverstanden. Ich hoffe, es werde dies auch bei Ihnen der Fall sein, indem ich die Hauptdirektionen festhielt, dieselben aber gedrängt etwas näher motivirte. Cowley billigte ganz besonders das lezte Argument, das ich aus Art. 2 des Vertrags selbst hergeleitet habe.5

Wie Sie aus den Blättern von London entnehmen und wie ich ganz wohl der ganzen Haltung von Cowley ansah, weht gegenwärtig ein der Schweiz sehr günstiger Wind in London. Es bestätigt dies mir auch ein Briefchen von Auguste D[e]L[a]R[ive]das ich diesen Nachmittag erhielt. Ich sende lezterm auch eine Abschrift der heute abgegebenen Note.

Russland hat vorläufig telegraphisch an Frankreich geantwortet, matt, sehr matt: Russland erwarte, dass auf den 3 neutralisirten Provinzen das Neutralisationssystem auch nach der Cession an Frankreich fortdauere!!! England hat eine kräftige Note an Thouvenel erlassen, die Ihnen durch Harris zugekommen sein wird. Betreffend die Verhältnisse zur Schweiz sind besondere Erörterungen Vorbehalten. Preussen hat zwar hier durch Pourtalès die Ihnen früher mitgetheilten Eröffnungen gemacht, aber seit unsrer Circularnote noch nicht förmlich geantwortet. Wollen Sie mir bestimmte Weisung zukommen lassen darüber: ob ich die heutige Protestation der Öffentlichkeit übergeben soll; aber entweder in geschriebener Depesche oder per Telegraph chiffrirt. Es ist dies mit Rüksicht auf meine Stellung zum Minister viel besser, als wenn er aus einer offenen telegraphischen Depesche sieht, dass die Frage der Veröffentlichung meinem Ermessen anheimgestellt ist, wie es mit Ihrer letzten Note geschah. Ich habe 2 Tage zugewartet; da ich nun aber gestern einen Artikel im Constitutionnel las, in welchem man die schweizerische Auffassung abermals bekämpft, habe ich nun dafür gesorgt, dass mit Weglassung der Einleitung, die nur ein übliches Resumé der Note von Thouvenel enthält, Ihre Replik in der Times und in der Indépendance belge erscheint. Es ist das einzige Mittel, etwas in die hiesigen Blätter zu bringen, wenn unsre Argumentationen in Form von Aktenstüken erscheinen, die sie dann als solche reproduciren. Cowley fragte mich, ob man nicht, um jeden Anlass zu einem bewaffneten Conflikt zu vermeiden, aufgestellte Truppen von der Grenze zurükziehen könnte. Ich sagte ihm, dass die in Genf in die Casernen gezogenen Truppen gar nicht von der Schweiz aufgestellt seien. Er bemerkte mir ferner, Thouvenel habe ihm gesagt, so wie die Schweiz militärische Vorbereitungen treffe, so thue Frankreich das Gleiche. Cowley ist offenbar sehr besorgt, es könnte durch Provokation von Seite der Schweiz die Situation zu Ungunsten derselben eine fatale Wendung nehmen. Mir erscheint die Einberufung eines Congresses dasjenige zu sein, was jezt am meisten indizirt ist, und wo wir auf sichre Unterstüzung Englands zählen können, dem dann auch die Muthlosern zulezt sich anschliessen dürften.

[PS:] Wenn ich am Montag betreffend den Verlauf der Volksversammlung in Bern in einer telegraphischen Depesche, die ohnehin abgehen musste, eine Frage beifügte, so mögen Sie dies damit erklären, dass hier sehr allarmirende Gerüchte verbreitet waren und ich daher von Collegen vielfach hierüber angefragt wurde, dann aber keine Antwort geben konnte, weil ich keine erhielt.

1
Rapport: E 2/1630.
2
No 383.
3
La note est du 28 mars. Non reproduite.
4
Félix-Sébastien Feuillet de Conches.
5
«Le Conseil fédéral espère que le Gouvernement impérial reconnaîtra la justesse des réclamations qui viennent d’être exposées, d’autant plus que dans l’article 2 du traité du 24 mars, la France s’engage elle-même <de s’entendre à ce sujet tant avec les puissances représentées au Congrès de Vienne qu’avec la Confédération helvétiques Ce n’est qu’une conséquence naturelle et nécessaire de cette stipulation que de renoncer à toute mesure qui aurait pour but d’exécuter le traité, en tant qu’il touche aux provinces neutralisées, avant que cette entente se soit effectuée.» Kern à Thouvenel, cf. note 2.