Language: German
16.8.1941 (Saturday)
Le Chef du Département militaire, K. Kobelt, au Général H. Guisan
Letter (L)
Caractère privé, inofficiel de la mission médicale prévue sur le front de l’Est. Incompatibilité de la position du Colonel divisionnaire Bircher et de la direction d’une telle mission sur le front. Se méfier des avis du Colonel Frick.

Classement thématique série 1848–1945:
6. POLITIQUE ET ACTIVITÉS HUMANITAIRES
6.4. MISSIONS MÉDICALES SUR LE FRONT DE L’EST
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Printed in

Antoine Fleury et a. (ed.)

Diplomatic Documents of Switzerland, vol. 14, doc. 91

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Bern 1997

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Cover of DDS, 14

Repository

dodis.ch/47277
Le Chef du Département militaire, K. Kobelt, au Général H. Guisan1

Auf Ihr Schreiben vom 4. August2 kann ich Ihnen wegen Ferienabwesenheit erst heute antworten.

Ähnliche Anregungen, wie sie Herr a. Nationalrat L.F. Meyer Ihnen gegenüber machte, wurden auch einzelnen Mitgliedern des Bundesrates gegenüber geltend gemacht. Es handelt sich um Vorschläge von Schweizern und nicht um eine offizielle oder offiziöse Demarche seitens des Auslandes.

Auch ist Ihnen bekannt, dass Schweizer im Ausland und die ausländische Presse das Beiseitestehen der Schweiz im Kampf gegen den Bolschewismus mit nicht immer freundlichen Worten beanstanden.

Der Bundesrat hat noch vor meinem Weggang in die Ferien sich über diese Angelegenheit kurz besprochen, ohne indessen irgendwelche Beschlüsse zu fassen3. Er vertrat dabei die Auffassung, dass nur eine Ärztemission auf freiwilliger Grundlage in Frage kommen könnte. Nachdem eine solche Mission nach Finnland gebildet worden sei, könnten Gesuche einer privaten Organisation zur Entsendung einer privaten Ärztemission nach Deutschland nicht abgelehnt werden. Es würde sich um eine unmilitärische, rein humanitäre Angelegenheit handeln. Vielleicht könnte eine solche Mission dazu beitragen, das Verhältnis unseres grossen Nachbarn zu unserem Lande zu verbessern, ohne dass die Schweiz ihrer Tradition und ihren Grundsätzen untreu würde.

Das Politische Departement wurde als zuständig bezeichnet, um diese Angelegenheit weiter zu verfolgen. Anders lautende Behauptungen sind unzutreffend und entspringen offenbar dem Wunsche gewisser Kreise, ein Mehreres zu tun.

Es lag auch bereits die Anregung vor, Herr Oberstdiv. Bircher möchte eine solche Ärztemission leiten. Gegen dieses Vorhaben äusserte ich in der Bundesratssitzung ernste Bedenken und vertrat die Auffassung, dass die Übernahme eines derartigen Amtes nicht mit der Stellung eines aktiven Divisionskommandanten vereinbar sei.

Das veranlasste mich auch, anlässlich einer von Herrn Oberstlt. Heinrich Frick bei mir nachgesuchten Audienz, den gleichen Standpunkt zu vertreten. Da mir Oberstlt. Frick von einer bevorstehenden Begegnung mit Oberstdiv. Bircher Kenntnis gab, versuchte ich ihn dahin zu wirken, dass sich Herr Oberstdiv. Bircher Zurückhaltung auferlegen möchte. Zu Ihrer Orientierung lege ich Ihnen hier ein Schreiben bei, das mir Oberstlt. Frick über die Unterredung mit Oberstdiv. Bircher zugehen liess4. Ich kann trotzdem von meiner vorgenannten Auffassung nicht abgehen.

Mit Oberstlt. Frick bin ich von meinem Studium her befreundet. Ich sehe aber aus Telephonabhörberichten, dass ihm gegenüber grösste Vorsicht am Platze ist und dass seine Berichte, die er über Besprechungen weitergibt, unvollständig und verzerrt sind und die Tatsache entstellen.

1
Lettre: E 27/12705.
2
Cf. No 87, note 1.
3
Aucune trace de ces discussions ne se trouve dans la collection des extraits polycopiés des procès-verbaux des séances du Conseil fédéral.
4
Dans cette lettre, H. Frick écrit: Auf der einen Seite hat er volles Verständnis, sich zurückzuhalten, wie er dies bei unsern bisherigen Aktionen stets getan hat. Nun ist aber die Situation in diesem Fall schwerwiegender, von der Schweiz aus gesehen. Er wird von Deutschland aus gewünscht, und nur ganz schwerwiegende Gründe dürften ein Nein gestatten. Der Russenfeldzug hat bis zum 15./ [Juli]300000 Gefallene gefordert, man kann sich denken, dass hiezu noch sehr viele Verwundete kommen, sodass wohl empfindlicher Ärztemangel herrscht, im besondern erfahrene Chirurgen sind dringend erwünscht. Unter diesen Umständen bin ich überzeugt, dass es für die Schweiz in ihrem ureigensten und menschlich begründeten Interesse liegt, eine solche Kraft, wie sie Bircher mit seiner Erfahrung darstellt, freizugeben.