dodis.ch/46905 Notice du Ministre de Suisse à Paris, W. Stucki, sur les négociations économiques avec la France1
Paris, 3. September 1939. 11 Uhr 45.
Ich begebe mich zum Handelsminister, Herrn Gentin, der dazu auch Direktor Alphand beizieht. Ich setze eindringlich auseinander, dass die getroffenen französischen Massnahmen2 geeignet seien, den schweizerisch-französischen Handel lahm zu legen und auch den schweizerischen Transit durch Frankreich und nach ändern Ländern verheerend zu treffen. Ich mache darauf aufmerksam, dass die von Deutschland getroffenen Massnahmen viel weniger weit gehen und übrigens bereits eine deutsche Delegation mit Bern verhandelt. Es ist verheerend für die gegenwärtig ausserordentlich starken Sympathien der Schweiz für Frankreich, wenn man von dort aus unser Wirtschaftsleben derartig trifft. Frankreich scheint zu vergessen, dass von seinen Nachbarn die Schweiz das einzige Land ist, welches keinen Zugang zum Meere hat. Ich kann deshalb unter gar keinen Umständen das Argument gelten lassen, man dürfe die Schweiz nicht besser behandeln als andere. Es ist wirklich nicht zu erwarten, dass die einzigen beiden Länder, die in Betracht kommen könnten, Belgien und Italien, irgendwelche Einwendungen erheben würden (Herr Alphand stimmt ausdrücklich zu).
Ich führe weiter aus, dass ich hätte verstehen können, dass man vielleicht die näher dem Kriegsgebiet liegenden Zollstellen im nördlichen Teil der schweizerisch-französischen Grenze geschlossen und den Verkehr auf die Strecke Delle-Genf beschränkt hätte. Schliesslich hätte man sich auch mit Ursprungszeugnissen in gewissen Fällen wohl abfinden müssen. Die brutale und meines Erachtens vom französischen Standpunkt aus keineswegs notwendige allgemeine Unterbindung des Verkehrs ist für uns absolut untragbar. Ich muss mit Bestimmtheit verlangen, dass man uns nicht auf den Weg verweist, für jeden einzelnen Fall in manigfachen Ausfertigungen Ein-, Aus- und Durchfuhrgesuche zu stellen. Das ist vollkommen undurchführbar. Ich ersuche mit dem allergrössten Nachdruck, sofort generelle Lösungen zu suchen und in Kraft zu setzen, die, wenn unbedingt notwendig, auf gewisse Zollämter beschränkt werden können und für welche Frankreich uns Garantien (Ursprungszeugnisse, Exportverbote) vorschlagen soll, wenn es wirklich meint, darauf nicht verzichten zu können.
Die beiden Herren sind von diesen Ausführungen sichtlich beeindruckt. Sie versprechen des allerbestimmtesten, sich dieser Fragen sofort intensiv anzunehmen und der Schweiz entgegenzukommen, soweit als irgendwie möglich. Herr Gentin gibt deutlich zu verstehen, dass er sich auch der politischen Seite der Frage bewusst ist.