dodis.ch/44162
CONSEIL FÉDÉRAL
Procès-verbal de la séance du 20 mai 1919
1795. Verschärfte Blockade gegen Deutschland
Die Vorsteher des politischen und des Volkswirtschaftsdepartementes geben davon Kenntnis, dass die Regierungen Englands, Frankreichs, Italiens und der Vereinigten Staaten je eine gleichlautende Note eingereicht haben1, worin die Anfrage gestellt wird, ob die Schweiz, wenn die Ententeregierungen neuerdings verschärfte Absperrungsmassregeln gegen Deutschland zu ergreifen genötigt sein sollten, bereit wäre, die Einfuhr von und nach Deutschland und die Durchfuhr durch dieses Land zu verhindern. Die Anfrage geht offensichtlich von der Möglichkeit aus, dass Deutschland die Unterzeichnung des Friedensvertrages verweigern könnte, in welchem Fall die Ententeregierungen Deutschland durch neuerliche Verschärfung der Hungerblockade, durch die völlige wirtschaftliche Isolierung zur Unterzeichnung zwingen wollen.
In der Beratung wird hervorgehoben, dass es sich für die Schweiz um den Abbruch aller wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland, um eine eigentliche Kriegsmassnahme handeln würde. Es sei schwer, die Anfrage abschlägig zu bescheiden, und es sei fast entwürdigend, eine Zusage zu erteilen. Der Entscheid scheine um so schwieriger, als die überwiegende öffentliche Meinung in der Schweiz die Friedensbedingungen und die gestellte Zumutung für zu hart halte.
Für einmal wird beschlossen:
Die Anfrage der Ententeregierungen betr. die eventuelle Verschärfung der Blockade gegenüber Deutschland sei vorläufig nicht zu beantworten.