Lingua: tedesco
7.5.1915 (venerdì)
CONSEIL FÉDÉRAL Procès-verbal de la séance du 7.5.1915
Verbale del Consiglio federale (PVCF)
Projet d’interner une catégorie d'invalides de guerre en Suisse. Réponse du Conseil fédéral au projet du Saint-Siège.
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Pubblicato in

Jacques Freymond et al. (ed.)

Documenti Diplomatici Svizzeri, vol. 6, doc. 120

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Bern 1981

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Collocazione

dodis.ch/43395
CONSEIL FÉDÉRAL
Procès-verbal de la séance du 7 mai 19151

1091. Leichtverwundete. Internierung in der Schweiz

Unmittelbar nach Durchführung des gegenseitigen Austausches der französischen und deutschen Kriegsinvaliden (sog. Grands blessés) durch Vermittlung des schweizerischen Roten Kreuzes2 fanden hier Besprechungen über die Frage statt, ob nicht eine Erweiterung des Kreises der gegenseitig auszutauschenden invaliden Offiziere und Unteroffiziere dadurch bewerkstelligt werden könnte, dass Invalide, deren Invaliditätsgrad nur die Verwendbarkeit zum Felddienste, nicht aber deren Betätigung im Garnisons- oder Bureaudienst ausschliesst, in der Schweiz interniert werden könnten.

Dem Politischen Departement ist die Frage von Anfang an sympathisch gewesen, und es hat seine Anstrengungen zunächst hauptsächlich nach der Richtung walten lassen, dass einer Internierung der Tuberkulosekranken zugestimmt werden möchte. In dem von der französischen Regierung aufgestellten Katalog der Krankheiten und Verletzungen, die als genügend für einen Austausch erachtet werden, ist unter anderm die «tuberculose pulmonaire avancée et ouverte avec état de cachexie générale dénotant l’incurabilité certaine» aufgeführt. Es ist rtun wohl richtig, dass nicht diese hoffnungslosen Fälle das grösste Interesse verdienen, sondern diejenigen Fälle, wo noch irgendeine Chance der Heilung oder wenigstens Besserung besteht. Erfahrungsgemäss gehen die Tuberkulosekranken in ungünstigen Verhältnissen, wie sie die Gefangenenlager wohl ausnahmslos und unvermeidlich darbieten, langsam zu Grunde, während sie in klimatisch, materiell und moralisch bessern Verhältnissen dem Leben noch längere Zeit erhalten, vielleicht sogar geheilt werden können. Da scheint es nun menschliche Pflicht, aber auch im eigensten Interesse der Staaten, denen diese Kranken angehören, gelegen zu sein, mit einer Evakuierung in unser Land diese bessern Lebensverhältnisse zu schaffen. Das Politische Departement hat sich daher mit folgender Anregung an die beiden Staaten gewandt:

Die «manifeste Tuberkulose» soll als ausreichend erklärt werden, um die von ihr befallenen kriegsgefangenen Soldaten in ihr Heimatland zurückzubefördern, die von ihr befallenen kriegsgefangenen Offiziere und Unteroffiziere dagegen in der Schweiz zu internieren. Neben den Lungenkranken wären auch die weniger schwer invaliden Offiziere und Unteroffiziere (sog. Petits blessés im Gegensatz zu den Grands blessés) zu internieren. Für die Durchführung der Internierung könnte dabei ein Verfahren in Vorschlag gebracht werden, wonach, unter Umgangnahme von ehren wörtlichen Verpflichtungen der Internierten, die Regierungen sich gegenüber der Schweiz verpflichten würden, Internierte, die die Flucht ergreifen und in ihr Land zurückkehren sollten, wieder in die Schweiz zurückzubefördern und in keinem Falle in der Armee oder für andere militärische Zwecke zu verwenden.

Der französische Botschafter hat erklärt, dass seine Regierung diesen Vorschlägen zustimme und auch sonst geneigt sei, auf eine Ausdehnung der in der «Liste des lésions nécessaires pour le rapatriement» aufgeführten Verletzungen und Krankheiten einzutreten. Die deutsche Antwort dagegen lautet vorläufig ablehnend.

So stanH^n die Dinge, als am l.Mai ein Delegierter des Heiligen Stuhles, der Comte Comm. Charles Santucci, mit einer Kreditive des Kardinal Staatssekretärs beim Herrn Bundespräsidenten und dem Politischen Departement vorsprach, um eine Anregung des Papstes betreffend Internierung von kranken und invaliden Kriegsgefangenen in der Schweiz zu unterbreiten.

Im Nachgange zu den Besprechungen mit dem Bundespräsidenten und dem Vorsteher des Politischen Departements hat Graf Santucci das Projekt des Heiligen Stuhls in einem Memorial3 auseinandergesetzt, auf das verwiesen wird.

Folgendes sind die Hauptgedanken:

1. Die Schweiz interniert eine sehr beträchtliche Zahl Verwundeter, Kranker, die sich unter den Kriegsgefangenen der beiden Seiten vorfinden, und zwar ungefähr zu gleichen Teilen.

2. Ansteckende Krankheiten sind auszuschliessen.

3. Bezüglich Auswahl der Individuen (Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten) bleibt direkte Verständigung mit den beiden Gruppen der Kriegführenden Vorbehalten.

4. Jede Regierung hat der schweizerischen Regierung alle Kosten des Unterhaltes, der Verpflegung, des Transportes, der Bewachung, überhaupt alle Kosten zu ersetzen.

5. Sollte es an schweizerischen Ärzten und Chirurgen fehlen, so hätten die kriegführenden Staaten auszuhelfen.

6. Bezüglich der Bewachung werden die schweizerischen Vorschläge über Verpflichtung von Regierung zu Regierung zur Rücksendung von Flüchtlingen aufgenommen.

7. Die Einzelheiten des Projektes würden direkt zwischen der Schweiz und den kriegführenden Staaten vereinbart. Der Heilige Stuhl würde, nach grundsätzlicher Annahme seitens der Schweiz, die vorbereitenden Verhandlungen mit den in Frage kommenden Mächten unternehmen.

Die Prüfung dieses Projektes ergibt, dass es sich eigentlich nur um eine quantitative Ausdehnung der gemachten Vorschläge handelt. Statt nur um Internierung von Invaliden und Lungenkranken, würde es sich auch um eine solche anderer Kranker (Herzkranker, Rheumatiker, Nierenkranker und dergleichen) handeln. Statt nur Offiziere und Unteroffiziere sollen auch Soldaten interniert werden.

Der Vertreter des Heiligen Stuhles hatte mündlich von je 10000 Kranken und Verwundeten auf jeder Seite gesprochen. Der Armeearzt, mit dem diese Angelegenheit besprochen wurde, hält es für ausgeschlossen, dass es überhaupt so viele Kranke und Verwundete der angeführten Kategorien gebe. Er erklärt indessen, dass er keineswegs davor zurückschrecken würde, so viele in der Schweiz aufzunehmen. Die militärischen Sanitätsanstalten würden nicht in Anspruch genommen werden, die ganze Zahl würde sich leicht in zu diesem Zwecke zu reservierenden Hotels unterbringen lassen. Eine fremde ärztliche Hilfe wäre nicht nötig. Der grösste Teil der Invaliden bedarf keiner ärztlichen Pflege mehr; die Lungenkranken würden in Davos, Arosa, Leysin, Montana etc. genügende ärztliche Hilfe finden, ebenso die grosse Zahl der übrigen Kranken an den betreffenden Kurorten. Die kleine Zahl der Kranken, die einer richtigen ausdauernden Pflege bedürfen, könnte in Spitälern mittlerer Grösse (z.B. Walenstadt, Uznach, Thun, Interlaken etc.) untergebracht werden.

Das Projekt des Heiligen Stuhles wäre also in der Tat in seinem ganzen Umfange durchführbar. Immerhin wird es sich doch empfehlen, in kleineren Dimensionen anzufangen und zunächst Erfahrungen zu sammeln.

Es steht nichts im Wege, dass der Heilige Stuhl mit den in Betracht kommenden Regierungen verhandelt, es soll aber in der Antwort des Bundesrates klar zum Ausdruck kommen, dass die Schweiz solche Verhandlungen bereits begonnen und ihre Vorschläge gemacht hat, und dass es sich im Grunde nur um eine Ausdehnung des ihrer Anregung entstammenden Projektes handelt. Die Unterstützung durch den Heiligen Stuhl wird um so wertvoller sein, als auf Seite der Deutschen Reichsregierung offenbar noch recht erhebliche Widerstände zu überwinden sein werden.

Es wird beschlossen, dem Heiligen Stuhl auf seine Anfrage in bejahendem Sinne zu antworten wie folgt: «A Son Eminence le Cardinal Gasparri, Secrétaire d’Etat de Sa Sainteté, Vatican. Eminence,

Monsieur le comte Santucci nous a remis les lettres par lesquelles Votre Eminence le chargeait, sur le désir du Saint Père, de traiter avec le Gouvernement fédéral la question de l’internement en Suisse de certaines catégories de malades et de blessés français et allemands qui sont actuellement prisonniers en Allemagne et en France. Monsieur le comte Santucci nous a développé ensuite verbalement cette question et nous a laissé un résumé écrit du projet que le Saint Père a fort à cœur de voir aboutir.

Nous devons tout d’abord exprimer à Votre Eminence combien nous avons été touchés du désir du Saint Père de prendre une initiative parallèle à l’action que nous avons entreprise en vue d’atténuer les souffrances et les misères qu’engendre la guerre actuelle.

Immédiatement après les échanges des invalides «grands blessés» qui ont eu lieu entre la France et l’Allemagne par l’intermédiaire de la «Croix-Rouge Suisse», des pourparlers s’engagèrent à Berne dans le but d’examiner s’il serait possible ou bien d’élargir sensiblement les catégories des officiers blessés ou malades à échanger ou bien d’hospitaliser en Suisse les invalides incapables de faire campagne, mais pouvant être occupés à des travaux de bureau ou de garnison.

Nous appliquant à cette tâche, nous nous sommes efforcés tout d’abord d’arriver à un accord concernant l’hospitalisation des tuberculeux, n’ayant pas seulement en vue, bien entendu, les tuberculeux incurables, mais aussi ceux dont on pouvait espérer la guérison totale ou partielle.

Nous avons suggéré aux Gouvernements d’Allemagne et de France de consentir que la «tuberculose manifeste» soit déclarée suffisante pour permettre aux soldats prisonniers qui en sont atteints de rentrer dans leurs foyers et aux officiers et sous-officiers d’être internés en Suisse.

Prévoyant que les officiers et sous-officiers moins gravement atteints par d’autres maladies ou blessures pourraient également être internés dans notre pays, nous proposions aux deux Gouvernements, comme mesure de sécurité, de s’engager vis-à-vis de nous à faire rentrer en Suisse ceux des internés qui prendraient la fuite et à ne les employer en aucun cas dans l’armée ou dans un but militaire.

La France s’est déjà déclarée d’accord avec ces propositions et, pour leur donner suite, étendrait la «liste des lésions nécessaires pour le rapatriement» qu’elle a établie.

Le projet que Monsieur le comte Santucci nous a soumis au nom du Saint Père en partie concorde avec les propositions que nous avons adressées aux Gouvernements de France et d’Allemagne et en partie les élargit considérablement.

Après avoir mûrement réfléchi sur ce projet et sur les développements dont Monsieur le comte Santucci l’a accompagné verbalement, nous sommes heureux de pouvoir informer Votre Eminence que nous nous prêterons très volontiers à réaliser le programme élargi du Saint-Siège si les Gouvernements intéressés veulent bien y donner leur adhésion.

L’appui du Saint-Siège auprès de ces Gouvernements nous est un gage précieux que nos propositions primitives trouveront bon accueil auprès d’eux et nous permet d’espérer plus et mieux encore, soit la réalisation d’un programme qui soulagerait dans une plus grande mesure les maux de tant de malheureux.

Il sera peut-être prudent de procéder par étapes afin d’utiliser toutes les expériences, mais nous croyons pouvoir donner d’ores et déjà à Votre Eminence l’assurance que la Suisse sera en état d’hospitaliser dès le début un nombre important de malades et de blessés.

De tout notre cœur désireux que les efforts concordants du Saint-Siège et du Gouvernement suisse aboutissent, dans un délai aussi rapproché que possible, à parfaire l’accord entre les Gouvernements intéressés, nous saisissons cette occasion de renouveler à Votre Eminence, et par Elle au Saint-Père, l’assurance de notre plus haute considération.

Conseil fédéral.»

1
E 1004 1/259.
2
Cf. à ce sujet nos 12, 73,82,86, 99.
3
Non reproduit. Cf. E 27, Archiv-Nr. 13981.