Language: ns
1940 - 1946
AfZ; Handakten Homberger; 10.11.4.2.1. Schweizerische Wirtschaft 1940-46
Information Independent Commission of Experts Switzerland-Second World War (ICE) (UEK)
Info UEK/CIE/ICE ( deutsch français italiano english):
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* Edwin Stopper, Das Zahlungsbilanz-Ausgleichssystem von Bretton Woods, Mai 1946: Entwurf zu einer Arbeit, die Stopper im Auftrag Hombergers erarbeitete. Stopper will sich absichern, dass die "Richtung des Problembearbeitung Ihrem Wunsche entspricht".

Bretton Woods sucht Synthese von Goldstandard und Bilateralismus: freier, multilateraler Zahlungsverkehr und stabile Wechselkurse sowie Aufrechterhaltung des wirtscahftlichen Kreislaufgleichgewichtes. Wechselkurse bleiben einziges Regulator. Stopper sieht keinen wirklich freien Kapitalverkehr wie unter Goldstandard. Manche Erleichterungen insbesondere bei Schuldnerländern. KOnvention von Bretton Woods habe folgende Ziele: ausgeglichenes Wachstum des internationalen Handels, Förderung eines hohen Beschäftigungsgrades und eines hohen Realeinkommens. "Das System von Bretton Woods trägt zweifellos besser dazu bei, diese Ziele in ihrer Gesamtheit zu erreichen als dies unter der Goldwährung der Fall wäre." Erfolg des Systems von Bretton Woods wird vor allem von Erfolg der Depressionsbekämpfung abhängen.
- Bretton Woods vom Standpunkt der Schweiz aus gesehen: Es wird freie (kurante) und unfreie (unkurante) Zahlungen geben. Kapitalverkehr wird unkurant sein. Schweizer Zahlungsverkehr könnte deshalb 1. völlig frei lassen, 2. Vermittlung durch besondere von den Handelsbanken geführten Konten. Kurante Zahlungen werden festgelegt. 1. habe Nachteil, dass Schweizerfranken und Gold ein beliebtes Wertthesaurierungsobjekt sei, so dass Kapitalabfluss. 2. Version zumindest für Uebergangszeit besser.
- Clearingabkommen würden wegen bilateralen Zahlungsbilanzausgleich nicht mehr erlaubt sein wird. Anders die modernen Zahlungsabkommen mit Krediten. Aber keine autonomen bilateralen Ausführungsbestimmungen mehr. Übergangsbestimmungen kaum für Gläubigerländer wie die SChweiz ("wenn wir den Text richtig verstanden").
- Bisherige handelspolitische Kampfmittel: Monetäre: 1. Devisenbewirtschaftung, 2. bilaterale Verrechnungsabkommen, 3. Wechselkurssenkungen, 4. handelspolitische Auflagen bei Kredithingaben. Nichtmonetäre: 5. mengenmässige Ein- und Ausfuhrrestriktionen, 6. Ein- und Ausfuhrsubventionierungen bzw. Abgaben, 7. Zölle. Unter Bretton Woods 1-3 nicht mehr erlaubt. Was bisher über Zahlungsverkehr gereglet wurde muss jetzt mit Handelspolitik gemacht werden.
- Einfluss auf Umfang des Schweizer Exports: BW erlaubt grössere Expansion der Wirtschaft als Bilateralismus. Anders in Zeiten der Depression. In Depressionszeiten hat Schweizer Export grosse Schwierigkeiten Absatz zu finden. "Unter dem Regime des Bilateralismus waren Importvorteil und Exportnachteil derart miteinander verknüpft, dass das Ausland trotz unserer hohen Preise im Umfange seiner Exporte bei uns Waren beziehen musste." Preiskampf zwischen einzelnen Exportländern wird grösser werden unter BW. Dabei ist aber SChweizer Wirtschaft insbesondere gegenüber der sehr kapitalintensiven US-Wirtschaft mit viel grösseren Kostenelastizität im Nachteil. Dies umsoschlimmer als vorderhand überhaupt keine eingespielte Weltwirtschaft, so dass eine Depression eintreten wird.
- Einfluss auf Exportstruktur: Wenn keine staatlichen Eingriffe dann Absatz der Schweizer Exporte durch Markt bestimmt. Wir müssten den Kampfmittel Clearing- und Clearingkontingentierung entsagen. Devisenschwache Länder haben aber dazu Berechtigung. Grosse Gefahr für Luxus-Artikel der SChweiz. SChweiz könne sich mit Einfuhr- und Ausfuhrbeschränkungen weiterhin wehren wenn Proposal nicht realisiert werden, aber nicht so wirksame Waffen wie die monetären. WEnn Proposals angenommen, nicht mehr möglich. Dann bleibe nur noch die Zollpolitik, die aber als Kampfmittel nicht sehr wirksam erscheine. Deshalb müsste verlangt werden, dass im Ausland Einfuhrbeschränkungen die Güterkategorien nicht willkürlich diskriminieren dürften.
- Einfluss auf schweizerische Beschäftigungspolitik: BW verbietet Abwälzung der Depression aufs Ausland.
- Einfluss auf Staatsfinanzen: Gefahr zu vermehrter Belastung des Staates. [Stopper geht immer implizit von einer Depressionszeit aus] "Eine Exportsteigerung während der Depressionszeit zulasten der Verzinsung und Amortisation der privaten Kapitalanlagen erscheint nicht mehr möglich". Kapitalexporteure werden nur noch unter Staatsgarantie aktiv werden. Ausserdem erfordere Beitritt zu Bretton Woods beträchtliche Mittel. Demgegenüber bei idealen Funktionieren grössere Steuereinkommen durch höhere REaleinkommen.
- Soll die SChweiz dem Fonds und der Bank beitreten? Bei eingespielter Weltwirtschaft und bei Konjunktur eine sehr zweckmässige Organisationsform des internationalen Zahlungsverkehrs. "Diese Voraussetzungen liegen aber heute noch kaum vor." Gefahr, dass bei Ersetzen des Bilateralismus durch BW Aufrechterhaltung eines befriedigenden Beschäftigungsganges viel schwieriger sein wird. Beitritt würde erst in einer mittelbaren Zukunft sich vorteilhaft auswirken. "Ob aber ein solches auf internationaler Kollaboration beruhendes System inmitten einer Welt voller politischer und wirtschaftlicher Spannungen solange dauern wird, bis seine Früchte geerntet werden können, ist ungewiss. [Homberger fügte dickes Ausrufezeichen an !] Die Beantwortung der Frage, ob wir aber zur gegebenen Zeit dem Fonds beitreten sollen, dürfte vor allem durch politische Ueberlegungen bestimmt werden. Da offenbar die führenden Wirtschaftsmächte gewillt sind, diesen Versuch zur möglichst raschen Wiederherstellung einer freieren Weltwirtschaft zu unternehmen, würde kaum verstanden, wenn wir als stark aussenhandelsorientiertes und verhältnismässig reiches Land abseits blieben. Aus einem Fernbleiben könnten Schlüsse gezogen werden, aus denen eine politische Isolierung unseres Landes wachsen könnte. Wir werden also kaum um einen Beitritt herumkommen. Immerhin brauchen wir unserseits vorderhand mit dem Beitritt nicht zu pressieren."
Frage der Beteilung am Fonds^: eher mit sehr kleinen Quote.
Bei Plänen von BW liege politischer SChwerpunkt sicherlich auf dem Fonds und nicht auf der Wiederaufbaubank. DAnk des Devisenreichtums der Schweiz sei man nicht auf die Kredithilfe der Bank angewiesen. Allerdings habe man als Gläubigerland Interesse an möglichst schnellem Wiederaufbau. Aber vor allem Nachteile. "Es ist deshalb gegenüber der Bank eine grössere Zurückhaltung zu empfehlen, als gegenüber dem Fonds." Kreidtexport sollte weiterhin bilateral abgewickelt werden.
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