Language: ns
20.8.1941 (Wednesday)
CS Archiv, 51.104.202; Separat Protokoll der Ausschußsitzung
Information Independent Commission of Experts Switzerland-Second World War (ICE) (UEK)
Info UEK/CIE/ICE ( deutsch français italiano english):
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Separat-Protokoll der Ausschuss-Sitzung vom 20.8.1941

[Kommentar: Das Protokoll steht im Anschluss an die Separat Protokolle der Direktionskonferenzen vom 12. und 15.8.1941 (Signatur: CS Archiv CS Archiv, 51.103.202; Separat Protokoll der Bank Leu)]


Direktor Pfeiffer stellt fest dass in letzter Zeit (vgl. besagte Seperat-Protokolle der Direktion vom 12. und 15.8.1941) in vermehrten Masse grössere Geschäfte in fremden Noten getätigt werden konnten. Die Direktion habe sich bei diesen Geschäften deshalb die Frage gestellt, ob sie die damit verbundenen Risiken verantworten könne. Diese Notengeschäfte seien für Rechnung Deutschlands abgewickelt worden [Verkauf französischer Noten der Bank Sponholz die dafür Devisen erhält]
"Der Referent [Direktor Pfeiffer, Devisenchef der Bank Leu] legt Wert darauf, den Ausschuss davon in Kenntnis zu setzen, da schliesslich doch die Möglichkeit besteht, dass wir trotz aller Vorsicht wegen Indiskretionen auf die schwarze Liste von Amerika oder England kommen könnten, was für uns natürlich ein schwerer Schlag bedeuten würde".
Karl Türler [Mitglied der Generaldirektion des Schweizerischen Bankvereins und des Verwaltungsrates der Bank Leu seit 1937] sieht in diesen Geschäften keine Bedenken, weil es sich dabei um in der Schweiz befindliche Noten handeln würde.
"Sobald an Leu aber das Ansinnen gestellt werden sollte, bei Transaktionen im Ausland mitzuwirken, die von irgendeinem Staate als unerwünscht betrachtet werden, dann müsste die Direktion jedoch eine strickt ablehnenden Haltung einnehmen":
[Kommentar: Leu erhält Noten, v.a. französische Noten, direkt von einem Prokuristen der Bank Sponholz & Co., einem Hubert Hutzler.]
Die Bank Leu übernimmt die Noten von Sponholz gegen Devisen, um sie darauf auf eigene Rechnung zu verkaufen. Gleichzeitig verpflichtete sich Sponholz für einen Verlust aufzukommen und eine ständige Margendeckung von 20% auf dem jeweiligen Tageskurs aufrecht zu erhalten. "Seither [nach dem Abschluss des Geschäftes mit Sponholz] habe sich die Marge auf 50% erhöht".

Direktor Pfeiffer ersucht nachträglich um die Genehmigung des Geschäftes mit der Bank Sponholz, "sowie um Ermächtigung in ähnlichen Fällen wiederum in gleicher Weise vorgehen zu können".

Türler sieht das Risiko vor allem darin, dass in der Schweiz plötzlich ein Notenhandelverbot verfügt werden könne. Die Bank Leu würde in diesem Fall auf ihren belehnten Noten sitzen bleiben, zudem die Deutsche Partei dann kaum über die Möglichkeit verfüge den Verlust zu ersetzen.
Die Bank Leu habe Geschäfte über 2.8 Millionen Franken getätigt (!).Türler findet, dass dieser Betrag zu gross für die Bank Leu sei, andererseits begrüsst er es wenn die Direktion handelt und eine gewisse Verantwortung auf sich nimmt.
Pfeiffer weist daraufhin, dass man bei diesen Angeboten sich schnell entscheiden müsse, zumal auch bei einer Ablehnung die guten Beziehungen zu den deutschen Partnern in Frage gestellt würde.
Türler möchte die Verantwortung bzgl. dieser Geschäften ganz der Direktion überlassen.
"Er fügt bei, dass der Schweizerische Bankverein gegebenenfall bereit sei, einen grösseren Posten von einigen hunderttausend Franken etwas unter dem Tagespreis fest zu übernehmen".


Türler und Robert C. Vogel [Vizepräsident des Verwaltungsrates der Bank Leu] ermächtigen die Direktion dazu, derartige Geschäfte zu tätigen, aber in einem "wesentlich beschränkteren Umfange als bei der kürzlichen Transaktion".


[Kommentar: Bemerkenswert sind die Äusserungen von Türler, der ein "laisser-faire" propagierte solange die Alliierten keine Schwierigkeiten machten. Offenbar beschaffte sich die Bank Sponholz auf diesem Weg auch Escudos, wobei dabei die Bank Hoffmann & Cie. sowie ein Herr Arsonwal, Professor an der Universität von Lissabon eine Rolle spielte. Das britische Konsulat wird darüber von Michel Olian informiert.]

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