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1943
BArch Berlin, R 3101: 9940
Info Commissione Indipendente d'Esperti Svizzera-Seconda Guerra Mondiale (CIE) (UEK)
Info UEK/CIE/ICE (
deutsch
français
italiano
english):
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Dossiertitel: « Die Deutsche Volkswirtschaft in Kriegsgemeinschaft mit Der Deutsche Volkswirt und Wirtschaftsdienst », 12. Jg., 2. Augustheft 1943, Nr. 23
Artikel « Aufspaltung des Clearings » (S. 702-3)
« Die Clearingverschuldung des Reiches ist im bisherigen Verlauf des Krieges gewachsen. Es liegt nichts näher, als dass die Feindpropaganda daraus den voreiligen Schluss zieht: der Clearingverkehr hat sich festgefahren. Staatssekretär Dr. Landfried hat kürzlich in einem Interview mit einem Vertreter der deutschen Wirtschaftspresse die Kriegsprobleme aufgezeichnet, mit denen das europäische Verrechnungssystem in diesen Monaten der Bewährungsprobe zu kämpfen hat. Es ist völlig abwegig, etwa die wachsende deutsche Clearingsverschuldung auf ein Nachlassen der deutschen Exporte zurückzuführen. Das Ungleichgewicht im zwischenstaatlichen Zahlungsverkehr kommt nicht von der Waren-, sondern von der Preisseite her. Während das Reich mit Hilfe einer vorausschauenden und überaus aktiven Preispolitik im grossen und ganzen sein Preisniveau während des Krieges halten konnte, haben seine Nachbarländer durchweg steigende Preise zu verzeichnen. Dadruch sind die alten Wertrelationen, auf denen das europäische Clearing aufbaut, zerstört. Deutschland müsste, um die in Vorkriegshöhe hereinkommenden Waren zu bezahlen, heute ein Vielfaches an Gegenlieferungen leisten. Hinzu kommt, dass Deutschland als Lieferant von Investitionsgütern zum Teil langfristige Ziele einräumt, während umgekehrt die Lieferanten des Reiches sofort verrechnenen.
Die mangelnde Einheitlichkeit im europäischen Preisgefüge ist gewiss nicht dem Reich zum Vorwurf zu machen. Sie ist zwar unbequem und belastet den Clearingverkehr, aber sie dürfte auch dann nicht von heute auf morgen beseitigt werden, wenn die preispolitischen Instanzen in den verschiedenen europäischen Ländern diesem Problem mit grpserem Nachdruck als bisher zu Leibe gehen würden. Zur Beurteilung der Clearingsalden ist ab er noch ein anderer Tatbestand von entscheidender Wichtigkeit. Nicht nur in militärischer, auch in wehrwirtschaftlicher Hinsicht hat das Reich die Hauptlast dieses europäischen Existenzkampfes zu tragen. Das bedeutet konkret und zum Clearingproblem gesprochen: Lohnüberweisungen, Zahlungen für Frachten und sonstige Dienstleistungen in grossem Ausmass. Diese Zahlungen haben, gerade wenn man mit kaufmännischen Massstäben an das Clearingproblem herangeht, nichts mit einer echten Clearingverschuldung zu tun. Der Vorschlag von Staatssekretär Dr. Landfried, eine Aufspaltung der zwischenstaatlichen Verrechnung auf die rein kommerziellen Gebiete und auf die Zahlungsgebiete, die sich aus dem gemeinsamen europäischen Kampf ergeben, dürfte bei allen denen Beachtung finden, die an einer sauberen Lösung des Clearingproblems interessiert sind. Dr. Landfried hat selbst darauf hingewiesen, dass voreilige und schematische Lösungen nicht zu befürworten seien. Von Land zu Land liegen die Verhältnisse anders. In jedem Falle würde aber die Aufspaltung des Clearings die Gefahr bannen, dass dieses System, das für die Weiterentwicklung des zwischeneuropäischen Warenaustausches geradezu existenznotwendig ist, nicht mehr funktionsfähig ist.
Natürlich vermag eine solche Aufspaltung des Clearings dem Verrechnungssystem nur ein klareres Gesicht zu geben, wodurch die Fehlschlüsse über Art und Umfang der deutschen Clearingverschuldung in wesentlichen Teilen beseitigt werden. Der böswilligen Unterstellung einer unverantwortlichen Kritik eines Teiles der Auslandpresse, dass Clearingverschuldung gleichbedeutend mit Lieferunfähigkeit sei, wird damit der Boden entzogen. Die Kernfrage der zwischenstaatlichen Verrechnung bleibt aber nach wie vor das Preisproblem, insofern, als die Verschuldung auf kommerzieller Grundlage in starkem Masse auf überhöhte Auslandspreise zurückzuführen ist. Mögen diese unpolitischen Salden auch nicht den Hauptbestandteil bilden, so sind sie in Ursache und Wirkung unberechtigt und der deutschen Leistung abträglich. Ihnen muss daher unser Augenmerk gelten. »
In der Zeitschrift findet sich jeweils auch eine Rubrik « Wirtschaft des Auslandes » mit einzelnen Länderberichten. Für die UEK sind diese Beurteilungen jedoch kaum von Interesse.
Artikel « Stockungen im schweizerischen Wirtschaftsleben » (Seite 713)
« [...] Ernsthafte Spannungen und Krisen drohen der schweizerischen Wirtschaft in der nächsten Zeit kaum. Die Versorgung des Landes ist für den kommenden Winter gesichert; der Preisauftrieb, der zeitweise zu sozialen Spannungen zu führen droht, lässt nach. So kan die Schweiz die eingetretenen Stockungen im Wirtschaftsleben in Kauf nehmen. Auch eine wesentlich stärkere Lähmung würde das Gefüge dieser Wirtschaft nicht erschüttern. » [Artikel von Dr. F. von Napolski]
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Signatur: BArch Berlin, R 3101 / 9940
Dossiertitel: « Die Deutsche Volkswirtschaft in Kriegsgemeinschaft mit Der Deutsche Volkswirt und Wirtschaftsdienst », 12. Jg., 2. Augustheft 1943, Nr. 23
Artikel « Aufspaltung des Clearings » (S. 702-3)
« Die Clearingverschuldung des Reiches ist im bisherigen Verlauf des Krieges gewachsen. Es liegt nichts näher, als dass die Feindpropaganda daraus den voreiligen Schluss zieht: der Clearingverkehr hat sich festgefahren. Staatssekretär Dr. Landfried hat kürzlich in einem Interview mit einem Vertreter der deutschen Wirtschaftspresse die Kriegsprobleme aufgezeichnet, mit denen das europäische Verrechnungssystem in diesen Monaten der Bewährungsprobe zu kämpfen hat. Es ist völlig abwegig, etwa die wachsende deutsche Clearingsverschuldung auf ein Nachlassen der deutschen Exporte zurückzuführen. Das Ungleichgewicht im zwischenstaatlichen Zahlungsverkehr kommt nicht von der Waren-, sondern von der Preisseite her. Während das Reich mit Hilfe einer vorausschauenden und überaus aktiven Preispolitik im grossen und ganzen sein Preisniveau während des Krieges halten konnte, haben seine Nachbarländer durchweg steigende Preise zu verzeichnen. Dadruch sind die alten Wertrelationen, auf denen das europäische Clearing aufbaut, zerstört. Deutschland müsste, um die in Vorkriegshöhe hereinkommenden Waren zu bezahlen, heute ein Vielfaches an Gegenlieferungen leisten. Hinzu kommt, dass Deutschland als Lieferant von Investitionsgütern zum Teil langfristige Ziele einräumt, während umgekehrt die Lieferanten des Reiches sofort verrechnenen.
Die mangelnde Einheitlichkeit im europäischen Preisgefüge ist gewiss nicht dem Reich zum Vorwurf zu machen. Sie ist zwar unbequem und belastet den Clearingverkehr, aber sie dürfte auch dann nicht von heute auf morgen beseitigt werden, wenn die preispolitischen Instanzen in den verschiedenen europäischen Ländern diesem Problem mit grpserem Nachdruck als bisher zu Leibe gehen würden. Zur Beurteilung der Clearingsalden ist ab er noch ein anderer Tatbestand von entscheidender Wichtigkeit. Nicht nur in militärischer, auch in wehrwirtschaftlicher Hinsicht hat das Reich die Hauptlast dieses europäischen Existenzkampfes zu tragen. Das bedeutet konkret und zum Clearingproblem gesprochen: Lohnüberweisungen, Zahlungen für Frachten und sonstige Dienstleistungen in grossem Ausmass. Diese Zahlungen haben, gerade wenn man mit kaufmännischen Massstäben an das Clearingproblem herangeht, nichts mit einer echten Clearingverschuldung zu tun. Der Vorschlag von Staatssekretär Dr. Landfried, eine Aufspaltung der zwischenstaatlichen Verrechnung auf die rein kommerziellen Gebiete und auf die Zahlungsgebiete, die sich aus dem gemeinsamen europäischen Kampf ergeben, dürfte bei allen denen Beachtung finden, die an einer sauberen Lösung des Clearingproblems interessiert sind. Dr. Landfried hat selbst darauf hingewiesen, dass voreilige und schematische Lösungen nicht zu befürworten seien. Von Land zu Land liegen die Verhältnisse anders. In jedem Falle würde aber die Aufspaltung des Clearings die Gefahr bannen, dass dieses System, das für die Weiterentwicklung des zwischeneuropäischen Warenaustausches geradezu existenznotwendig ist, nicht mehr funktionsfähig ist.
Natürlich vermag eine solche Aufspaltung des Clearings dem Verrechnungssystem nur ein klareres Gesicht zu geben, wodurch die Fehlschlüsse über Art und Umfang der deutschen Clearingverschuldung in wesentlichen Teilen beseitigt werden. Der böswilligen Unterstellung einer unverantwortlichen Kritik eines Teiles der Auslandpresse, dass Clearingverschuldung gleichbedeutend mit Lieferunfähigkeit sei, wird damit der Boden entzogen. Die Kernfrage der zwischenstaatlichen Verrechnung bleibt aber nach wie vor das Preisproblem, insofern, als die Verschuldung auf kommerzieller Grundlage in starkem Masse auf überhöhte Auslandspreise zurückzuführen ist. Mögen diese unpolitischen Salden auch nicht den Hauptbestandteil bilden, so sind sie in Ursache und Wirkung unberechtigt und der deutschen Leistung abträglich. Ihnen muss daher unser Augenmerk gelten. »
In der Zeitschrift findet sich jeweils auch eine Rubrik « Wirtschaft des Auslandes » mit einzelnen Länderberichten. Für die UEK sind diese Beurteilungen jedoch kaum von Interesse.
Artikel « Stockungen im schweizerischen Wirtschaftsleben » (Seite 713)
« [...] Ernsthafte Spannungen und Krisen drohen der schweizerischen Wirtschaft in der nächsten Zeit kaum. Die Versorgung des Landes ist für den kommenden Winter gesichert; der Preisauftrieb, der zeitweise zu sozialen Spannungen zu führen droht, lässt nach. So kan die Schweiz die eingetretenen Stockungen im Wirtschaftsleben in Kauf nehmen. Auch eine wesentlich stärkere Lähmung würde das Gefüge dieser Wirtschaft nicht erschüttern. » [Artikel von Dr. F. von Napolski]
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