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1910 - 1963
Interhandel und SBV / Verwaltungsrat (1910-1963)
Information Independent Commission of Experts Switzerland-Second World War (ICE) (UEK)
Info UEK/CIE/ICE ( deutsch français italiano english):
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SBV / Verwaltungsrat (1910-1963)


1910

(Bd. 2, Nov. 1909 bis März 1917)

Die Basler Chemie taucht in diesen Jahrgängen, wie das Register zeigt, kein einziges Mal auf. Auch vermag ich unter den Mitgliedern des VR auf Anhieb keine Vertreter dieser Branche zu entdecken.

24.10.1910, 23-27, längerer Eintrag zur Gründung der SGfM, mit Referat von Léopold Dubois, der die Motive erläutert. (Kopie 1)


1927-1930

(Bd. 5, Sept. 1927 bis Febr. 1930)

Intenive Geschäfte mit dt. Banken (Dt. Bank, Dresdner, Darmstädter, Disconto Gesellschaft); Lateinamerika ist ebenfalls schon präsent; die IG Chemie-Gründung nur mit dem einen unten angeführten Eintrag.

8.11.1927, 22. Kredit von 5 Mio. an IG Farben, Ludwigshafen. 6.2.1929, 138. Erhöhung auf 10 Mio. Fr. bis Febr. 1930.

6.2.1929, 144. Beteiligung an einem Konsortium, das Kapitalerhöhung der SGfM organisiert (Beteiligung mit 60%). 14.5.1929, 169. Beteiligung an 5%-Anleihe der SGfM (s.a. 26.11.1929, 214).

28.2.1929, 149. Wahl von Dr. Jacques Brodbeck, Ciba, in den VR.

18.6.1929, 185 f. IG Chemie. «Einführung der Stammaktien an den Börsen von Basel und Zürich. Ein unter gemeinsamer Leitung unseres Institutes und der Schweizerischen Kreditanstalt stehendes Syndikat, dem neben den beiden genannten Banken angehören die Eidgenössische Bank AG, Basler Handelsbank und die Firma Ed. Greutert & Co. in Basel, übernahm fest von der IG Chemie in Basel Fr. 30.000.000 nom. voll einbezahlte, für das Jahr 1929 voll dividendenberechtigte Stammaktien, um davon Fr. 20.000.000 nom. dem Publikum im Wege einer Voranmeldung (185) vom 17. bis 21. Juni zu 230% = Fr. 1.150.- pro Aktie anzubieten, während Fr. 10.000.000 nom. der Firma Ed. Greutert & Co. direkt plaziert werden. Zusammen mit weiteren Fr. 20.000.000 nom. voll einbezahlten Stammaktien werden die fest übernommenen Fr. 30.000.000 nom. Stammaktien an den Börsen von Basel & Zürich eingeführt, in der Meinung, dass auch die weiteren Fr. 200.000.000, unter Voraussetzung ihrer Einzahlung von mindestens 50% und nach Ablauf der vereinbarten Sperrfristen an diesen Börsen auf besonderer Linie kotiert und negozierbar und lieferbar erklärt werden.
Von den fest übernommenen 60.000 Stammaktien sind für gemeinsame Rechnung an Unterbeteiligte mit Fr. 20.- netto Garantiekommission abgetreten worden:
auf dem Platze Basel 910 Stammaktien
auf dem Platze Zürich 950 Stammaktien, 1860 Stammaktien.
Von den verbleibenden 58.140 Stammaktien entfallen auf uns 11.628 Stammaktien.
Von unserer Beteiligung haben wir abgetreten:
an die Schweiz Gesellschaft für Anlagewerte 1000 Stammaktien
an die Wertschriften AG 500
an befreundete Banken & Bankhäuser 4125 Stammaktien
sodass für uns ein Engagement von 6003 Stammaktien
verbleibt.
Im Zusammenhang mit dieser Operation gibt Herr Verwaltungsrat Dr. Brodbeck noch Aufschluss über die Beziehungen zwischen der Basler IG und der deutschen IG Farbenindustrie.» (186) Letztere Bemerkung wird sich auf die kürzlich stattgefundenen Kartellisierungsverhandlungen beziehen.


1930-1933

(Bd. 6, Febr. 1930 bis Dez. 1933)

Beteiligung an Anleihen der Ciba; IG Chemie oder IG Farben tauchen nicht mehr auf. 1931 wird unter dem Titel des Eintritts in den VR anderer Gesellschaften ein Gottfried Germann erwähnt, Beamter des Sitzes Schaffhausen, der in den VR der AG vorm. Apotheker Richard Brandt, Schaffhausen, eintritt; vermutlich ein Verwandter von August und Walter Germann, der mir aber sonst noch nie begegnet ist. (24.11.1931, 120)

8.11.1932, 176. «Untersuchung gegen eine Schweizerbank in Frankreich. Herr Präsident Dr. Staehelin bezieht sich auf die in den Schweizerzeitungen, namentlich National-Zeitung, erschienene Notiz über die Untersuchungen gegen eine Schweizerbank in Frankreich wegen Steuerfragen im Zusammenhang mit französischen Kundendepots und teilt mit, dass es sich nicht um unser Institut handelt und unsere Direktionen die Versicherung abgegeben haben, dass keinerlei gesetzwidrige Handlungen durch Vertreter unseres Instituts vorgekommen sind.» Tatsächlich handelt es sich um die Basler Handelsbank; die Affäre beschleunigt die Verabschiedung des Bankgesetzes.

24.2.1933, 196. Dr. Felix Iselin ist frisch in den VR gewählt, wo er seinen Rivalen J. Brodbeck antrifft.


Nov. 1944 bis Februar 1950

(Prot. Bd. 10-12)
Nichts zum Thema; diverse Einträge zur Übernahme der BHB 1945.

6.2.1945, 40. Ein beiläufige Bemerkung zum Thema der Kapitalflucht. «Herr VR Dr. de Cérenville [La Suisse] verweist auf die in den Tagesblättern erschienenen Mitteilungen betreffend Überweisungen durch Schweizerbanken für die Rechnung führender deutscher Personen und bittet um Stellungnahme der Generaldirektion zu diesen Gerüchten.
Herr Delegierter Golay erwidert, dasss diese Publikationen reine Erfindungen sind und unser Institut mit Überweisungen solcher Art nichts zu tun hat.»

8.5.1945, 46 f. «Herr Präsident Speich begrüsst die Anwesenden und möchte es nicht unterlassen, die Bedeutung des heutigen Tages (Victory Day) zu unterstreichen. 5 Jahre und 8 Monate hat das schreckliche Völkerringen gedauert, in dem sich Millionenheere gegenüber standen, Frauen, Kinder und Greise zu den Waffen griffen und unzählige kulturelle und wirtschaftliche Werte vernichtet wurden, ganz abgesehen davon, dass in wirtschaftlicher Hinsicht die getroffenen Abmachungen nicht eingehalten wurden oder werden konnten. (46) Der Sprechende betont, dass mit der Einstellung der Feindseligkeiten in Europa der erste Schritt in eine bessere Zeit getan sei und gibt der Hoffnung Ausdruck, dass wir von politischen und wirtschaftlichen Erschütterungen so weit als möglich verschont bleiben. Unser Land, dass mehrfach in Gefahr stand, ist durch ein gütiges Geschick von den direkten Kriegswirren verschont geblieben, wofür wir dankbar sein wollen. Unser Wirtschaftsapparat ist intakt geblieben und kann mit Zuversicht an die neuen Aufgaben herantreten. Auch unser Institut ist bereit, im allgemeinen Interesse unseres Landes und im eigenen Interesse kraftvoll am Wiederaufbau mitzuwirken.
Die Ausführungen des Vorsitzenden werden durch Applaus verdankt.» (47)

1947 wird Dr. Robert Käppeli, Delegierter des VR der Ciba, in den VR gewählt. Keinerlei Erwähnung dt. Firmen.

27.2.1948, 3, Iselin in Ausschuss wiedergewählt; zugleich ist der in den VR gewählte alt BR W. Stampfli erstmals anwesend. (1) 8.12.1948, 68. Dr. Heinrich Stockmann, von Sarnen/OW, Beamter im Rechtsbüro, erhält die Prokura.

Bemerkenswert ist, dass im Register bis Anfang 1950 keinerlei Namen dt. Firmen oder Banken auftauchen; eine Wiederanknüpfung alter Beziehungen ist zu dieser Zeit offenbar noch nicht erfolgt; s. hierzu auch die Prot. der Generaldirektion, aus denen ebenfalls die Skepsis gegen einen vorschnellen Wiedereinstieg in dt. Geschäfte spricht. Hingegen taucht Ende 1949 erstmals Südafrika auf.

9.11.1949, 162 f. Zu Südafrika: «Transaktion mit der südafrikanischen Regierung. Da vor Monaten bekannt wurde, die südafrikanische Regierung verhandle in Amerika und England über beträchtliche Kredite, begann auch unser Institut, diesem Geldnehmer vermehrte Aufmerksamkeit zu schenken. Über den südafrikanischen High Commissioner in London und teils durch Vermittlung unseres Londoner Sitzes, wie auch direkt, liessen wir die südafrikanische Regierung wissen, dass wir grundsätzlich bereit wären, einen Bankkredit und später eventuell auch eine Anleihe in Erwägung zu ziehen. Die Schweizerische Bankgesellschaft unternahm ebenfalls gewisse Schritte.
Unsere eigenen Verhandlungen mit Südafrika sind nun so weit gediehen, dass die Konstruktion des Geschäftes festgelegt und der Vertrag in den wichtigsten Punkten bereinigt ist. Die Schweizerische Kreditanstalt und die Schweizerische Bankgesellschaft beteiligen sich an dieser Transaktion mit je einem Drittel, sodass unser eigener Anteil ebenfalls ein Drittel beträgt.
Diese Kredittransaktion soll wie folgt durchgeführt werden: Die südafrikanische Regierung verkauft der unter unserer Führung stehenden Bankengruppe 6000 kg Feingold zum gegenwärtigen Ankaufspreis der Schweizerischen Nationalbank, d.h. zu Fr. 4.869.80 pro kg Feingold.
Die Banken werden den Kaufspreis sofort Südafrika auf einem Konto bei unserem Institut gutschreiben, worauf die südafrikanische Regierung den Banken für 6000 kg Feingold übergeben wird.» usw.
usf.


1950/51

(Bd. 13)

Auch bis Ende 1951 figurieren keinerlei mir bekannte dt. Bank- oder Firmennamen im Register, dafür aber zahlreiche westeuropäische, nord- und südamerikan. Banken. Deutschland ist noch nicht als Geschäftspartner wieder aufgetaucht; zu Fragen der Krediterteilung und Exportfinanzierung siehe die Prot. der Generaldirektion. (auch beim VR-SBG geschieht dies erst 1952, mit einem interessanten und skeptischen Bericht von A. Schaefer)

1952/53

(Bd. 14)

Nun taucht Belgisch-Kongo auf, das Interesse an Südamerika, wohin eine Bankendelegation reist, ist unvermindert gross, Deutschland hingegen spielt, abgesehen von der einen Erwähnung unten, nach wie vor keine Rolle. Interhandel taucht nicht auf.

13.5.1952, 51 f. Abwicklung des Washingtoner Abkommens; ein Bankenkonsortium erklärt sich bereit, die 121,5 Mio. zu bevorschussen. «Bei endgültigem Zustandekommen dieses Vorschussgeschäftes mit Deutschland, das im Interesse der Schweiz liegt, weil sie an der Beseitigung des Washingtoner Abkommens interessiert ist, wird unser Engagement SFr. 36.500.000.- betragen, gleich wie dasjenige der Schweizerischen Kreditanstalt, die bei diesem Geschäft führend ist.» (52)

10.12.1952, 125 f. SBV verkauft seine Aktien der SGfM und beendet damit das langjährige Engagement; Dr. Schweizer berichtet, eine spekulativ geneigte Gruppe habe sich neuerdings eingeschaltet, «ohne dass uns jedoch die wirklichen Interessenten, die hinter dieser Gruppe stehen, genau bekannt wären». (126) (Kopie 2)


1954/55

(Bd. 15)

3.2.1954, 13. Rhein-Main Bank AG, erhält Kredit, was die erste Nennung einer dt. Bank nach dem Krieg darstellt (in Prot. Generaldirektion aber etwas früher). Es folgen Bankverein Westdeutschland AG in Düsseldorf (7.9.1955, 215) und die Rheinisch-Westfälische Bank AG (68).


1956/57

(Bd. 16)

Immer noch bescheiden, verglichen z.B. mit Südamerika, sind die westdeutschen Bankenkontakte. Was ebenfalls auffällt, ist die schwache Präsenz der Basler Chemie in den ganzen Nachkriegsjahren; Geigy (Teilnahme des SBV an mehreren Anleihen, Kredite) taucht noch relativ öfter auf als Ciba, die immerhin gelegentlich auch Kredite erhält (an Kapitalbeteiligung ist SBV nicht beteiligt); Hoffmann La Roche oder Sandoz sehe ich gar nicht.


1958/59

(Bd. 17)

Enthält keinerlei Verweis auf Interhandel, obwohl SBV dort seit 1958 im VR vertreten ist.


1960/61

(Bd. 18)

Erst ab 1960 sind dt. Banken markant besser vertreten im Register; auch die bekannten Namen grosser dt. Industrieunternehmen tauchen nun auf. Emmanuel Iselin hält 1961 als Nachfolger des Vaters im VR Einzug. Von Interhandel keine Spur.

16.5.1961, 237. Agfa Photo AG, Zürich, erhält Kredit von 2 Mio., was die erste mir aufgefallene Erwähnung irgendeiner Gesellschaft aus dem ehem. IG Farben-Umfeld darstellt.


1962/63

(Bd. 19)

12.9.1962, 242, Blankokredit von 1 Mio. Dollar an Bayer AG, erste mir aufgefallene Nennung einer Nachfolgefirma von IG Farben; Marathon Edelstahl AG, Zürich, Blankokredit von 2 Mio. (30.6.1962, 204); Vereinigte Edelstahl AG, Glarus. Kredit (30.11.1962, 293); übrigens auch eine Weidmann Holding AG, Zug (Kredit von 6 Mio., sichergestellt durch Wertschriften im Wert von 36,8 Mio., 10.2.1962, 82).
Interhandel kein Wort.


Direktorenkonferenz, 17.9.1940

Referat von M. Golay zur Entwicklung der SGfM seit der Gründung von 1910 (Kopie 3; die Protokolle der Direktorenkonferenz wurden ansonsten nicht angeschaut).
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