Language: ns
1940 - 1941
BArch Berlin, R 2501 [Bd. 3], 7018 [alt R 25.01]
Information Independent Commission of Experts Switzerland-Second World War (ICE) (UEK)
Info UEK/CIE/ICE ( deutsch français italiano english):
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Signatur: BArch Berlin, R 2501, Bd. 3, 7018


Bemerkung gemäss Findmittel Berlin-Lichterfelde durch deutsches Team: Kurzreferat des Vizepräsidenten Puhl über das multilaterale Clearing, Dezember 1940.
Umfang: 449 S.
Kurzbeschrieb: enthält diverse finanz- und wirtschaftspolitische Vorträge und Referate von Repräsentanten der Deutschen Reichsbank, in denen u.a. das Goldwährungssystem des öfteren thematisiert wird.
1 Dokument exzerpiert. Sonst nicht relevant.

Einzelne Dokumente:

35ff: Deutsche Reichsbank, Volkswirtschaftliche Abteilung, Berlin, 24.11.1940,  "Entwurf zu einem Artikel des Herrn Vizepräsidenten Puhl über 'Neugestaltung der europäischen Währungsbeziehungen' für die Januarnummer der Zeitschrift 'Weltwirtschaft'


Schweiz wird nicht erwähnt.

40-49: Entwurf zu einem Kurzreferat des Herrn Vizepräsident Puhl über "Das multilaterale Clearing" für eine Presseveranstaltung (Auslandspresse) der Reichsregierung am 12.12.1940, 10.12.1940  (2. Exemplar 50ff, mit wenigen Korrekturen versehen):


"In den lebhaften Erörterungen, die sich mit der Frage der künftigen Gestaltung des europäischen Währungswesens beschäftigt haben, ist wohl am häufigsten das Wort vom multilateralen Clearing aufgegriffen worden. Vielfach wurden hieran Hoffnungen geknüpft, die auch das bestausgebauteste Verrechnungssystem, ja überhaupt eine wie auch geartete Währungsordnung nicht erfüllen kann, denn schliesslich hat die Wirtschaft nicht nur eine Geldseite, sondern vor allem auch eine Güterseite. Teilweise- und besonders von Seiten des Auslands - wurde aber auch der Befürchtung Ausdruck gegeben, da die Konsolidierung des Clearings eine Verewigung der Devisenzwangswirtschaft bedeuten würde. Hierbei wurde unter Hinweis darauf, da auch in Deutschland die bisherige zwischenstaatliche Verrechnung im Grunde stets als eine aus der Not geborene Zwischenlösung betrachtet worden ist, oft die Frage gestellt, ob nicht die Rückkehr zur Goldwährung in modifizierter Form sinnvoller und zweckmässiger sei.
Man darf sich auch auf diesem Gebiet keinen Illusionen hingeben. Jede Währungsordnung ist im grundsätzlichen stets das Korrelat der vorherrschenden Wirtschaftsverfassung. Dem liberalistischen Wirtschaftsprinzip entsprach die Goldwährung. Mit dem Gedanken einer autonomen Wirtschafts- und Währungspolitik, der sich praktisch schon seit dem Weltkrieg nahezu allgemein durchgesetzt hat, wenn man sich auch noch nicht überall offen zu ihm bekennt, ist die automatische Bindung der Währungen an das Gold jedoch unvereinbar, weil sie die einzelnen Volkswirtschaften erneut einem internationalen Konjunkturmechanismus ausliefern würde. Die in der Neuordnung der europäischen Wirtschaft führenden Achsenmächte haben lediglich die Folgerungen aus dieser Erkenntnis gezogen, wenn sie nicht an überlebten Währungsformen anknüpfen, sondern ihre eigenen bereits unter schwierigen Verhältnissen erprobten Methoden anwenden. Deswegen braucht man aber nicht gleich - wie dies hier und da geschehen ist - von einem Streben nach völliger  Demonetisierung des Goldes sprechen. [Man sollte überhaupt in dem Gebrauch von Schlagwörtern viel vorsichtiger zu Werke gehen. - Dieser Satz ist in der Vorlage gestrichen worden, A.W.] In der Goldfrage nehmen wir nach wie vor den Standpunkt ein, da sie gegenwärtig noch gar nicht reif ist für eine hundertprozentige Entscheidung. Die Neufassung des Reichsbankgesetzes hat das Gold als Rechnungsgrundlage für die deutsche Währung beibehalten. Bewusst preisgegeben wird dagegen der Goldwährungsmechanismus, weil er ein Hindernis für eine aktive Wirtschaftspolitik bildet. Alles übrige sind Spezialfragen, die wir ruhig der Zukunft überlassen können.
An die Stelle der "Automatik" der Goldwährung wird die Zahlungsbilanzlenkung treten. Wie die Binnenwirtschaft kann auch der immer umfangreicher und komplizierter gewordene zwischenstaatliche Güteraustausch eines Ordnungsprinzipes heute nicht mehr entraten. Als ein geeignetes Steuerungsmittel hat sich das Clearing bereits praktisch bewährt; zumal, seitdem es gelungen ist, seine den Außenhandel hemmenden Auswirkungen weitgehend abzuschwächen. In seiner bisherigen bilateralen Form haften ihm - wie zuzugeben ist - noch viele Mängel an, von denen ich hier zunächst das meist im Vordergrund des Interesses stehende Problem der Clearingrückstände herausgreifen will. Diese Clearingspitzen sind in ihrem Wesen wie in ihrer Bedeutung häufig falsch eingeschätzt worden. Denn von der Güterseite aus gesehen, bestand in vielen Fällen für Deutschland ein Aktivsaldo, wenn sich infolge der Divergenz der Zahlungsfristen auch zu seinen Ungunsten Clearingguthaben in Berlin gebildet hatten. Trotzdem kann nicht geleugnet werden, daß diese Rückstände den zwischenstaatlichen Zahlungsausgleich erschweren. Mit dem beabsichtigten und teilweise bereits verwirklichten Ausbau der zweiseitigen zur mehrseitigen Verrechnung wird auch das Problem der Clearingspitzen einer Lösung näher gebracht werden. Denn damit wird die Möglichkeit geschaffen, die bei den zentralen Clearingstellen in Berlin und Rom entstehenden Guthaben zu Zahlungen auch an die übrigen Verrechnungspartner zu verwenden. In engem Zusammenhang mit den Clearingrückständen steht die Frage der Beseitigung der verschiedentlich eingetretenen Disparität der Basiswährung, d.h. im deutschen Falle der Reichsmark. Auch sie konnte zu einem guten Teil schon gelöst werden. Das Endziel wird hier sein müssen, daß zwischen  den einzelnen europäischen Handelspartnern feste, einheitliche und möglichst glatte Umrechnungssätze vereinbart werden, die nur mit gegenseitiger Zustimmung oder unter Einhaltung längerer Kündigungsfristen geändert werden dürfen. Durch diese beiden Faktoren, den Fortfall des Kursrisikos und die erweiterte Verwertbarkeit der Clearingguthaben, werden die Notenbanken der Partnerstaaten in die Lage versetzt, die Clearingeingänge an die Begünstigten entweder sofort auszuzahlen oder doch wenigstens weitestgehend zu bevorschussen. Dies wird um so mehr geschehen können, als mit der hier angedeuteten freizügigen Gestaltung des innereuropäischen Zahlungsverkehrs die Clearingüberschüsse gewissermaßen zu Liquiditätsguthaben werden und gleich den Devisenbeständen in die Notendeckung einbezogen werden können.
Die Ihnen hier gleichsam in Stichworten aufgezeigten Grundzüge eines multilateralen Clearings lassen bereits erkennen, da dieses Verrechnungssystem den angeschlossenen Ländern die sehr bedeutsame Möglichkeit bietet, ihr Zahlungsbilanzen statt mit jedem einzelnen, nunmehr mit der Gesamtheit der Clearingpartner auszugleichen. Dem Auftreten grösserer und anhaltender Störungen des Wirtschaftsablaufes wird ferner in gewisser Weise schon dadurch vorgebeugt werden können, da die - wenn auch nicht lückenlos gedachte - Konzentrierung der Kontenführung bei der zentralen Clearingstelle mühelos eine laufende Überwachung der einzelnen Zahlungsbilanzen gestattet. Mit der endgültigen Klärung und Festigung der politischen Verhältnisse und dem danach zu erwartenden allgemeinen Wirtschaftsaufschwung wird dann auch eine allmähliche Ersetzung der scharfen Devisenbewirtschaftung durch eine grosszügige, dem einzelnen Unternehmer kaum noch spürbare zentrale Devisensteuerung wie überhaupt ein weitreichender Abbau der meisten Aussenhandelshemmnisse möglich sein.
Richtig gehandhabt, wird das multilaterale Clearing geeignet sein, die Vorteile eines freizügigen Zahlungsverkehrs mit der  Notwendigkeit einer staatlichen Lenkung auch der Aussenwirtschaft harmonisch zu verbinden. Dies um so mehr, als in der technischen Durchführung der Zahlungsgausgleichungen gar kein grundsätzlicher Unterschied zum Goldwährungssystem besteht. Auch unter dessen Herrschaft wurde ja nur in Ausnahmefällen effektives Gold bewegt; in der Hauptsache wurden die zwischenstaatlichen Forderungen und Verpflichtungen dadurch zum Ausgleich gebracht, da auf den Bankkonten in dem damaligen Weltfinanzplatz London die entsprechenden Umbuchungen vorgenommen wurden. Der im Prinzip gleiche Vorgang spielt sich im Clearingsystem bei den zentralen Verrechnungsstellen ab. Trotzdem ist aber nicht lediglich London durch Berlin und Rom ersetzt worden. Während London zwar das einst überragende Finanzierungszentrum gewesen ist, war es Handelsplatz vornehmlich nur für den (allerdings sehr bedeutenden) Transitverkehr. In Berlin dagegen (und das sinngemäss auch für Rom) gewinnt die Welt nicht nur einen zentralen Finanzplatz in Europa, sondern dank der Leistungskapazität und dem Bedarf der deutschen und der nach Deutschland ausgerichteten zentraleuropäischen Wirtschaft einen Markt, der im gleichen Masse aufnahme- und lieferfähig und deshalb weitestgehend krisenfest ist.
Die zunächst auf die Ordnung und Konsolidierung der Wirtschafts- und Währungsverhältnisse im zentraleuropäischen Raum gerichteten Bestrebungen der Achsenmächte werden somit in der Welt den festen Punkt schaffen, an dem vielleicht einmal der Hebel für eine allgemeine Wirtschaftsneuordnung angesetzt werden kann. Deutschland und Italien sind sich dabei aber auch vollkommen bewusst, da die Wiederbelebung und Intensivierung des überseeischen Wirtschaftsverkehrs, an der sie gleichfalls lebhaft interessiert sind, nicht mit Hilfe der gleichen Methoden erfolgen kann, die in Europa angewendet werden. Angesichts der für einen Verrechnungsverkehr mit Übersee nur in begrenztem Umfang bestehenden Möglichkeiten, wird man hier hauptsächlich mit einem freien Devisenverkehr zu rechnen haben. Das nächste Ziel der Achsenmächte wird deshalb sein, Reichsmark und Lira wieder im gesamten zwischenstaatlichen Zahlungsverkehr und nicht allein im Verhältnis zu den europäischen Clearingpartnern zu allseits als vollwertig angesehenen Währungen zu entwickeln und so von sich aus die Voraussetzungen für eine allgemeine Währungsbereinigung zu schaffen." (S. 44-49)

56ff: Aufsatz über "Zwischenstaatliche Wirtschaftsfinanzierung", 11.12.1940, von Reichsbankdirektor Treue


Schweiz wird nicht erwähnt.

70a: Aufstellung über den "Zuschussbedarf Kontinental-Europas an wichtigen Rohstoffen und Liefermöglichkeiten Afrikas auf der Basis der Zahlen von 1938


nicht relevant

72ff: Referat des Grafen Üxküll zum Thema "Der deutsche Grosswirtschaftsraum", 15.11.1940


nicht relevant (zwei Hauptkapitel: "Der gewerbliche Sektor" und "Der Ernährungssektor". Es werden die einzelnen Produkte abgehandelt).

88ff: diverse Umrechungstabellen in verschiedene Währungen sowie Übersichten über deren Noten- und Münzumlauf sowie die entsprechende Stückelung [für südosteuropäische Währungen]



129ff: Aufsatz v. Emil Puhl über die "Neugestaltung der europäischen Währungsbeziehungen", Februar 1941? [Datum als handschriftliche Notiz beigefügt]


Aufsatz für die Pressenummer der Leipziger Tageszeitung. Bezieht sich auf das Sonderheft Januar 1941 der "Weltwirtschaft" und seinen dort erschienenen Aufsatz. Nicht relevant

179ff: Rede Walther Funks über die "Wirtschaftsordnung im Neuen Europa", gehalten vor der Südosteuropa-Gesellschaft in Wien am 12.6.1941 (KOPIE)


Publikation in den "Schriften der Südosteuropa-Gesellschaft E. V. Wien.


235ff: "Entwurf einer Ansprache des Herrn Reichswirtschaftsministers und Präsidenten der Deutschen Reichsbank anlässlich der Eröffnung der Ostmesse in Königsberg am 12.10.1941", 1.10.1941


nicht relevant.

364ff: "Währungspolitische Bemerkungen zu den Themen der Besprechung Funk - Riccardi in Rom", 15.10.1941


nicht relevant.

372f: "Stand der Reichsmark- und Lirakurs gegenüber dem Vorjahr " [Sept. 40 und Sept. 41]


nicht relevant.
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