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1928 - 1945
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Graubündner Kantonalbank

Die Graubündner Kantonalbank wurde 1870 gegründet. Die Bilanzsumme stieg bis 1937 auf 371 Mio. Franken. Während sich damals die Passiven hauptsächlich aus Kassenobligationen und Spareinlagen (249 Mio.) zusammensetzten, dominierten die Hypothekaranlagen das Aktivgeschäft (240 Mio.). Neben den üblichen Bankgeschäften führte die Kantonalbank die Agentur der Schweizerischen Nationalbank.
Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation der Bündner Hotellerie in den 1930er Jahren und während des Krieges geriet die Graubündner Kantonalbank in Schwierigkeiten. Die Ertragssituation verschlechterte sich von Jahr zu Jahr. Als die Eidgenössische Bankenkommission die Kreditgewährung an die Hotellerie 1939/1940 überprüfte und die Pfandobjekte neu bewertete, ergab sich ein die vorhandenen Reserven übersteigender Rückstellungsbedarf von rund 20 Mio. Franken. Im folgenden Jahr wurde die Kantonalbank saniert, indem die schweizerischen Kantonalbanken dem Bankinstitut die erforderlichen Mittel, gegen Teilsicherstellung durch den Kanton Graubünden, in Form eines Kredites zur Verfügung stellten. Dank der Wiederbelebung des Fremdenverkehrs nach Kriegsende konnte die Graubündner Kantonalbank den Kredit bereits bis 1953 zurückbezahlen.
Geleitet wurde die Graubündner Kantonalbank Ende der 1930er Jahre von einem elfköpfigen Bankrat, einem aus dessen Reihen gewählten fünfköpfigen Direktorium sowie einem Direktor. Sie zählte damals neben dem Hauptsitz drei rechnungführende Hauptagenturen (Arosa, Davos, St. Moritz) und 16 Agenturen.

Bestände
Die Akten der Graubündner Kantonalbank wurden bisher dezentral an verschiedenen Standorten am Hauptsitz Chur, bei den Filialen und Agenturen gelagert. Die Filialen führten zwar eigene Archive, sandten aber teilweise die älteren, im Alltag nicht mehr verwendeten Dokumente zur weiteren Aufbewahrung nach Chur. Im Zusammenhang mit der Suche nach nachrichtenlosen Vermögen erstellten die mit der Aufbewahrung der Akten betrauten Stellen Grobinventare der Archivbestände. Die Bank hat zudem den grössten Teil der noch erhaltenen historischen Unterlagen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs am Hauptsitz und bei der Geschäftsstelle Engadinstrasse in Chur zusammengeführt. Diese Bestände beinhalten lückenlos die Bankrats- und Direktoriumsprotokolle (mit Angaben v.a. zum Aktivgeschäft), inkl. Beilagen. Handakten des Bankratspräsidenten oder des Direktors wurden nicht aufbewahrt. Auch Reglemente aus den 1940er Jahren, nicht aber Zirkulare und Rechts-Akten sind vorhanden. Hingegen liegen die Geschäfts- und Revisionsberichte für die 1930er und 1940er Jahre lückenlos vor.
Die Kundenakten aus der Kriegszeit erlauben eine Übersicht über 75% der damaligen Kundschaft der Bank. Ca. 96% der eruierbaren Kunden stammten aus der Schweiz. Erhalten geblieben sind insbesondere Akten der Sparkasse [1], der Depotbuchhaltung [2], sowie Belege, die im Zusammenhang mit der Vermietung von Safes entstanden sind [3]. Einen grösseren Bestand bilden die Kunden- und Titel-Affidavits der 1930er und 1940er Jahre. Die Korrespondenz mit der Kundschaft ist hingegen nicht aufbewahrt worden. Schliesslich bilden Akten aus dem Wertschriften-, Obligationen- [4] und Kontokorrentbereich [5] weitere Bestände.
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