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1935 - 1940
AIAG: Protokolle der VR-Delegation, 1935-1940
Information Independent Commission of Experts Switzerland-Second World War (ICE) (UEK)
Info UEK/CIE/ICE ( deutsch français italiano english):
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Sitzung 174, 20.2.1935

- keine nennenswerten Bemerkungen -

Sitzung 175, 9.3.1935

- keine nennenswerten Bemerkungen -

Sitzung 176, 1.4.1935

- Der Bau einer Tonerdefabrik in Italien, "drangt sich (...) auf im Hinblick auf die politische Lage, denn im Fall von Verwicklungen, Grenzsperren etc. ist die Versorgung unserer Werke mit Tonerde keineswegs gesichert." (Dir. Bloch, S. 3)
"Herr J. Heusser-Staub hält dafür, dass wir eine Reserve haben müssen, wenn die Lieferungen des Martinswerks aus irgendeinem Grunde ausfallen. Er spricht sich deshalb entschieden für den Bau der geplanten Fabrik aus, der beschlossen werden sollte, ganz unabhängig davon, welche Aspekte die gegenwärtige politische Lage eröffnet." (S. 4)

- Erörterung der Kriegsgefahr: "Herr Direktor Bloch weist darauf hin, dass wir mit dem Martinswerk, der Filiale Rheinfelden und den Aluminium-Walzwerken Singen, sowie Goldschmieden, in Deutschland liegen, unsere Rohstoffversorgung jedoch auf dem französischen Bauxit beruht. Wenn sich die Spannung zwischen Deutschland einerseits und den Westmächten mit Italien anderseits vergrössern sollte, müssten wir wohl im Klaren darüber sein, welche Richtlinien wir in unserer Geschäftspolitik befolgen wollen (...). (...) Heute können wir nach Deutschland nur noch aus unserm Werk Rheinfelden verkaufen."
(S. 8f.)
VR-Präsident Huber plädiert für eine "möglichst neutrale Haltung" der AIAG. (S. 9)
Bloch: "Die Franzosen [als Bauxitlieferanten] sehen es nicht gern, wenn die deutsche Rüstungsindustrie beliefert wird." (S. 9)
Sitzung 177, 14.6.1935

- "Herr Dir.Bloch bemerkt zu der auf den 15. Juni angesetzten Besprechung in Stuttgart, dass die Deutschen wahrscheinlich das Projekt auf Erstellung einer Tonerdefabrik unter Verwendung von Ton nicht aufgeben können, weil die Regierung dessen Verwirklichung verlangt. Wird eine Beteiligung von uns gefordert, so können wir sie wohl nicht gut einfach ablehnen." (S. 7) Deutschland soll deshalb eine Erweiterung des Martinswerkes angeboten werden. Ausserdem soll vorgeschlagen werden, "die Mehrproduktion der deutschen Aluminiumindustrie zur Verfügung zu stellen zu einem billigen Preis." (Präs. Dr. Huber, S. 12)
"Herr Dir. Bloch fügt bei, dass wir in der Konferenz vom 15. Juni unsere Bereitwilligkeit auch zur Vergrösserung Rheinfeldens bekunden könnten (...)." Bedingung: günstige Stromtarife. (S. 11)

Sitzung 178, 6.8.1935

- Zur Vergrösserung des Werkes Rheinfelden sollen die Reichsmarkreserven verwendet werden, Frankeninvestitionen will man offenbar vermeiden. (Dir. Bloch u.a., S. 11ff.) Es bestehen jedoch Zweifel an der Konstanz der hohen Aluminiumnachfrage in Deutschland. (Dir. Steck, S. 16)
Beschluss: Ausbau Rheinfeldens auf eine Leistung von 13.000 t/Jahr, Stromlieferung durch das Badenwerk. (S. 17)

Sitzung 179, 16.9.1935

- Verhandlungen mit Deutschland betr. Rheinfelden: "Wir sind mit unsern deutschen Werken in einer unangenehmen Lage, namentlich auch im Hinblick auf die Rechtsverhältnisse in Deutschland." (Präs. Dr. Huber, S. 5)
"Heute haben die Deutschen ein so grosses Interesse am Bau der Vergrösserung [des Werkes Rheinfelden], dass sie die Bedingungen, die wir stellen, schliesslich akzeptieren werden." (Ständerat Dr. Keller, S. 7)
Beschluss: keine Frankeninvestitionen zur Vergrösserung Rheinfeldens. (S. 8)
"Das Direktorium ist nicht der Ansicht, dass die Vergrösserung Rheinfeldens unbedingt durchgeführt werden muss, doch müssten wir dann, mit Rücksicht auf unsere grossen Markguthaben, den Bau von Rheinau [Flusskraftwerk] forcieren, um einen Sachwert in die Hand zu bekommen." (Dir. Bloch, S. 9)
Dir. Bloch bemerkt dazu, "dass wir heute etwa 8 % der von Deutschland konsumierten Metallmenge herstellen (...)." (S. 9)

Sitzung 180, 27.9.1935

- Beschluss: Zustimmung zum Ausbau Rheinfeldens. (S. 6)


- "Metalldarleihen" (2.500 t an Deutschland): "Herr Präsident Dr. Huber findet, dass wir uns auch die Frage vorzulegen haben, ob keine Schwierigkeiten entstehen, wenn wir angesichts der heutigen politischen Spannungen so grosse Mengen Metall nach Deutschland liefern."
(S. 7)  

Dir. Weber weist darauf hin, dass wenn das Metall nicht rasch beschafft werden könne, "so werde die [deutsche] Regierung zu einer solchen Massnahme [der Zwangswirtschaft] greifen. (...) Wenn einmal eine Zwangswirtschaft dekretiert wird, ist nicht mehr zu übersehen, wie sich die Entwicklung dann gestalten wird." (S. 11)
Präs. Dr. Huber hofft, "dass trotz der .... [unleserlich gemacht] Rechtstheorien, die heute in Deutschland verfochten werden, unsere Rechte voll respektiert werden. Auf der anderen Seite laufen wir Gefahr, dass wir, wenn wir nicht zustimmen, auch die Erlaubnis zum Bau von Rheinfelden verlieren, unsere Markguthaben also stehen lassen müssen und sie der Beschlagnahme auf dem Weg des Zwangsanleihens oder der Entwertung ausgesetzt lassen." (S. 11)

Sitzung 181, 15.10.1935

- keine nennenswerten Bemerkungen -

Sitzung 182, 28.11.1935

- Furcht vor zu hoher Besteuerung der deutschen Werke: "Wir brauchen die Gefahr, die uns droht, aber auch nicht zu überschätzen. Wenn nämlich die Deutschen einen viel höheren Gewinn Rheinfeldens errechnen, so müssen sie uns nach den heute geltenden gesetzlichen Bestimmungen auch gestatten, diese Gewinne nach der Schweiz zu transferieren. Da es sich um mehrere Millionen handeln würde, wird der deutsche Fiskus schon aus diesem Grunde den Bogen nicht überspannen." (Dir. Bloch, S. 5)

Sitzung 183, 14.12.1935

- keine nennenswerten Bemerkungen -

Sitzung 184, 18.2.1936

- keine nennenswerten Bemerkungen -

Sitzung 185, 20.3.1936

- keine nennenswerten Bemerkungen -

Sitzung 186, 27.4.1936

- Präs. Dr. Huber bezeichnet die deutschen AIAG-Werke als "in gut erreichbarer Nähe, und also leicht zu überwachen von der Zentrale aus". (S. 15)

Sitzung 187, 2.5.1936

- Bez. eines AIAG-Engagements in Polen erklärt Ständerat Dr. Keller: "Unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland sind (...) nicht abgeklärt. Wir müssen auch aus diesem Grunde sehr vorsichtig operieren." (S. 2)

Sitzung 188, 8.7.1936

- Wachsende Probleme mit deutschen Steuerbehörden: Scharfe Überprüfung des Werkes Singen wegen evtl. Verstösse gegen das Devisengesetz. "Das hat uns veranlasst, unsere Klage gegen das Vorgehen der Beamten in einem Memorandum zusammenzufassen, welches wir dem mit der Überwachung der Steuer- und Devisenbeziehungen zur Schweiz beauftragten Finanzrat in Karlsruhe, dessen persönliche Bekanntschaft Herr Dr. Paulssen kürzlich machen konnte, überreichen lassen möchten." (Dir. Bloch, S. 2)
Die deutschen Finanzbehörden beanstanden die Überweisung einer Singener Dividende in die Schweiz, während die Bilanz ein Verlustsaldo aufweist. (S. 2)
Präs. Dr. Huber kritisiert die behördliche Wirtschaftskontrolle in Deutschland und die Haltung der deutschen Behörden gegenüber der AIAG. (S. 5) Dir. Bloch kritisiert ungenügenden Vertretungsmöglichkeiten des Vorort. (S. 5)
"Herr Ständerat Dr. Keller bemerkt, dass die Lonza mit den Behörden in Karlsruhe bisher keine Anstände gehabt hat. Es wäre daher immerhin möglich, dass es sich nur um eine ungünstige Einstellung gegenüber unserer Gesellschaft handelt." (S. 7)
Herr Präsident Dr. Huber bemerkt hierzu, dass auch in obersten Regierungskreisen die Stimmung gegen die Schweiz nicht günstig zu sein scheint, sodass wir jedenfalls nicht auf viel Entgegenkommen rechnen dürfen." (S. 7)

Sitzung 189, 19.9.1936

- Abkommen mit Deutschland: das AIAG-Werk Chippis liefert 2000 t Metall gegen Tonerde, Pechkohle etc., da die Aluminiumproduktion in Deutschland immer noch unzureichend ist. (S. 10f.)

- Die Streitigkeiten mit dem deutschen Fiskus sind "heute nicht mehr akut, könnten es aber später wieder werden." (Dir. Bloch, S. 17)

Sitzung 190, 23.10.1936
- keine nennenswerten Bemerkungen -

Sitzung 191, 5.12.1936

- Vergrösserung des Werkes Rheinfelden: Da eine Strafklagedrohung gegen den Singener Betriebsleiter Dr. H.C. Paulssen droht und von den deutschen Behörden Steuernach-forderungen von rund 800.000 RM für die Jahre 1931-35 erhoben werden, soll Rheinfelden nur vergrössert werden, wenn der AIAG die Forderungen erlassen werden. Dir. Bloch berichtet von einer Besprechung im deutschen Ministerium für den Vierjahresplan am 25.11.1936: "Es zeigte sich dabei, dass in Berlin die Werke an der Grenze grundsätzlich nicht besonders gerne ausgebaut werden. Da aber die Badische Regierung auf den Ausbau von Rheinfelden Wert legt, waren die Berliner Amtsstellen mit der Vergrösserung Rheinfeldens einverstanden (...)." (S. 2f.)
Die deutschen Steuerbehörden hätten Anweisung erhalten, die Nachforderungen an die AIAG vorerst nicht weiter zu verfolgen. "Herr Ministerialrat Mühe hat uns mitgeteilt, es sei der Wunsch der badischen Behörden, dass wir (...) den Eindruck gewinnen, wir werden durchaus anständig behandelt." (S. 6)

- Vorkehrungen für den Fall einer Mobilisierung: Beschluss, Dr. Paulssen als Vertrauensmann für die Verwaltung der deutschen Werke vorzusehen, davon vorerst jedoch keine Verlaut-barung nach aussen dringen zu lassen. (S. 13)

- Bericht über Versuche der Firma Werner AG in Berlin, Patronenhülsen aus Aluminium(-legierungen) herzustellen: "Der Lizenzvertrag wird zwischen dem Werk Singen und der Werner A.G. unter Zustimmung des Kriegsministeriums abgeschlossen." (Dir. Dr. Weber, S. 14)

Sitzung 192, 19.12.1936

- Erweiterung Rheinfeldens: "Das Reich stellt sich gegenüber den Aluminiumfabriken auf den Standpunkt: Wenn ihr nicht genügend Produktionskapazität zur Verfügung stellt, um den Ansprüchen der Heeresverwaltung gerecht werden zu können, dann baut das Reich selbst, wird aber nachher seine Aufträge in erster Linie diesem Werk überschreiben." (Dir. Bloch,
S. 6)
Hinsichtlich der Querelen mit den deutschen Steuerbehörden wird diskutiert, ob die deutschen Betriebe administrativ abgetrennt werden sollen, um Gewinnüberweisungen zu ermöglichen. Beschluss: Prüfung der Abtrennung und des Zusammenschlusses der deutschen AIAG-Werke. "Die heutige Situation wäre noch erträglicher, wenn unsere Muttergesellschaft ein englisches oder amerikanisches Unternehmen wäre. Auf die Schweiz kann deutscherseits ein sehr viel stärkerer Druck ausgeübt werden." (Präs. Dr. Huber, S. 8)

Sitzung 193, 15.2.1937

- Verhandlungen wegen Vergrösserung des Werkes Rheinfelden: "Wir haben in den Verhandlungen verlangt, dass die Steuer- und Devisenangelegenheiten zuerst erledigt sein müssen, bevor wir uns zum weitern Ausbau von Rheinfelden entschliessen." Eine Besprechung in Freiburg/Brsg. "zeitigte wenigstens die Niederschlagung der Klage gegen Herrn Dr. Paulssen." (Dir. Bloch, S. 9)
"Herr Dr. Huber stellt die Frage, ob es nicht vorteilhafter für uns wäre, unsern Besitz an Werken in Deutschland zu veräussern. Vielleicht wäre auch eine Zwischenlösung möglich, damit wir die Werke nicht für alle Zukunft verlieren. Wir müssen uns aber klar sein, was für eine ungeheure Belastung heute die Verwaltung der deutschen Werke für die Geschäftsleitung bedeutet und in steigende Masse bedeuten wird, wenn die behördlichen Vorschriften immer strenger und störender werden." (S. 10) Huber im weiteren Verlauf der Diskussion: "Wahrscheinlich werden wir zur Verselbständigung Rheinfeldens schreiten müssen, denn sonst bilden die deutschen Werke immer wieder eine offene Wunde am Körper der Mutter-Gesellschaft, welche diese selbst schwächen kann." (S. 12) Huber glaubt zudem, "dass der Schutz durch die Schweiz, wenigstens politisch, in Deutschland nicht sehr wirksam ist."
(S. 13)    

Sitzung 194, 15.3.1937

- Verhandlungen mit Deutschland: Im Steuerstreit zeigt sich die AIAG bereit, einen Kompromiss zu schliessen, sofern u.a. folgende Bedingungen erfüllt werden: nachträglicher Gewinntransfer in die Schweiz (2,7 Mio. RM), zukünftige Möglichkeit des Gewinntransfers in die Schweiz, Ausschliessung des schweizerischen Vermögens bei einer Vergrösserung Rheinfeldens. (S. 8f.) Würden diese Bedingungen erfüllt, "so wird es für uns sehr schwer sein, die weitere Vergrösserung Rheinfeldens abzulehnen." (Dir. Bloch, S. 9f.)
Bloch weist darauf hin, "dass hauptsächlich das Land Baden darauf drängt, das Werk Rheinfelden entstehen zu lassen. Die Berliner Regierungsstellen haben sich mit den badischen Wünschen nur langsam befreundet." (S. 12)

Sitzung 195, 19.3.1937

- Bericht zur "Angelegenheit Deutschland" (siehe Kopie).

Sitzung 196, 17.4.1937

- Verhandlungen mit Deutschland: Die Vereinigten Aluminium Werke, IG Farben und Metallgesellschaft sollen bei Hamm ein neues Werk errichten, in dem 40.000 t Tonerde und 20.000 t Aluminium pro Jahr gewonnen werden. Anteil der AIAG am Aktienkapital: 14 %. (Dir. Bloch, S. 4)
Aus steuerlichen Gründen soll in Rheinfelden keine AG, sondern eine GmbH gegründet werden. Den Kredit für den Bau soll die Reichskredit-Gesellschaft stellen. (Dir. Bloch,
S. 5f.)

Sitzung 197, 21.4.1937

- keine nennenswerten Bemerkungen -

Sitzung 198, 9.6.1937

- Gründung der neuen Gesellschaft für Rheinfelden: Für die Neugründung als GmbH ist ein Kapitalstock von 2 ½ Mio. RM vorgesehen. Man erörtert, ob ein Vertreter der badischen Regierung in den Aufsichtsrat berufen bzw. der badische Ministerialrat Mühe administrativer Leiter des Werks Rheinfelden werden soll. (S. 7f.)
Man spricht sich generell dagegen aus, einen Deutschen in den Aufsichtsrat zu bestellen. "So gut es möglich ist, dass uns eine solche Vertretung einmal aufgenötigt wird, so wenig ist es wünschbar, dass wir sie selbst schaffen (...)." (Präs. Dr. Huber, S. 9)
Dir. Bloch plädiert jedoch für einen deutschen Geschäftsführer, denn "die Verantwortung als Geschäftsführer in einem deutschen Unternehmen ist (...) heute, namentlich in administrativen Angelegenheiten, eine sehr ernste Sache (...)." (S. 9f.)

Sitzung 199, 19.6.1937

- Diskussion von Details des Gesellschaftsvertrags für Rheinfelden. (S. 1-7)

Sitzung 200, 2.7.1937
- Diskussion von Details des Gesellschaftsvertrags für Rheinfelden. (S. 1-7)

- Die AIAG beteiligt sich nicht am Werk in Hamm und will dafür ihre deutsche Produktionsquote von 14 % auf ca. 12 % reduzieren. (S. 9)

Sitzung 201, 22.9.1937

- keine nennenswerten Bemerkungen -

Sitzung 202, 15.11.1937

- Aluminium GmbH Rheinfelden: Kapitalerhöhung von 2,5 auf 10 Mio. RM. Die AIAG erhält für ihre technische und kommerzielle Mitarbeit einen monatlichen Regiebeitrag von 94.000 Sfr, was von den Devisenbehörden bereits genehmigt wurde. (S. 1f.)

Sitzung 203, 11.12.1937

- Präs. Dr. Huber nennt die Lage der deutschen und italienischen Beteiligungen "beunruhigend". "Man weiss nie, ob nicht von den Regierungen aus wieder Pressions-
mittel eingesetzt werden, um uns zu weiterer Expansion zu zwingen." (S. 2)
"Dass wir unser deutsches Aluminiumwerk von Neuhausen haben abtrennen können, ist für uns günstig. Die ganze deutsche Gruppe der AIAG-Werke wird nun einfach dem Schicksal der übrigen deutschen Industrien folgen, nachdem die direkte Verbindung zwischen Rheinfelden und Neuhausen gelöst ist." (Dir. Bloch, S. 2f.)
"Herr J. Heusser-Staub gibt seiner Befriedigung darüber Ausdruck, dass wir nun von Rheinfelden jeden Monat eine grössere Summe überwiesen erhalten, verhehlt sich aber nicht, dass für die deutschen Werke die Zukunft noch erhebliche Gefahren in sich birgt." (S. 3)
Für Ständerat Dr. Keller steht fest, dass keine andere Politik möglich war. "Unsere Schweizer Aktionäre werden einsehen, dass wir nur einem starken Druck gefolgt sind, wenn wir den Expansionswünschen der beiden Regierungen [Deutschlands und Italiens] nachgegeben haben." (S. 4)
"Herr Dir. Steck hält es für günstig, dass nach der Abtrennung Rheinfeldens unsere deutschen Interessen nun genau gleich gelagert sind, wie diejenigen aller übrigen schweizerischen Kapitalgeber in Deutschland. Wir befinden uns heute in eine viel breitere Front eingespannt als vorher und können deshalb auch eher auf Unterstützung durch die Behörden rechnen."
(S. 5)

Sitzung 204, 19.2.1938

- Erörterung des Wertes der deutschen Werke: Für Präs. Dr. Huber liegt er höher "als unsere Bilanzwerte. Da aber bedeutende politische Risiken, die sich zahlenmässig gar nicht abschätzen lassen, zu berücksichtigen sind, ist es gut, wenn wir in unserer Bilanz einen Mittelwert einsetzen." Ein Risiko scheint für Huber die "völlige Enteignung" zu sein. (S. 2)

Sitzung 205, 18.3.1938

- "Zu den Auswirkungen der Angliederung Österreichs ans Deutsche Reich ist zu sagen, dass wir bisher den Ertrag unserer Filiale Lend fast ungeschmälert nach der Schweiz nehmen konnten, was künftig wohl kaum mehr der Fall sein wird. Anderseits werden wir nun eine Reihe von ausländischen Märkten, die wir bisher mit Lendermetall belieferten, von Chippis aus bedienen müssen, da das Deutsche Reich den Metallexport höchst wahrscheinlich unterbinden wird." (Dir. Bloch, S. 4)

- Dr. Achim Tobler wird zum 1.6.1938 administrativer Leiter des Werks Rheinfelden. (S. 13)  

Sitzung 206, 8.4.1938

- Geplant wird nun auch die Verselbständigung von Lend, wobei "wir nicht wissen können, ob die Entwicklung der allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Lage" dies gestatte. (Ständerat Dr. Keller, S. 2)

Sitzung 207, 21.4.1938

- "Die Delegation beschliesst (...), die Verselbständigung des Werkes Lend sofort in die Hand zu nehmen und mit aller Beschleunigung zu betreiben. (...) Im übrigen ist die Delegation damit einverstanden, dass das Direktorium in den Verhandlungen mit den Behörden in Berlin auch der Frage eines Verkaufs von Lend - falls sie sich stellt - nicht ausweicht, selbstverständlich ohne schon darüber bestimmte Abmachungen zu treffen." (S. 6)

Sitzung 208, 18.5.1938

- Werk Lend: Berlin erteilt die Genehmigung zur Produktionserhöhung auf 7.000 t/Jahr. "Ebenso wurde uns in Aussicht gestellt, dass einer Umwandlung Lends in eine deutsche Gesellschaft voraussichtlich zugestimmt werde." (Dir. Bloch, S. 1f.)

Sitzung 209, 5.7.1938
- Einweihung des Werkes Rheinfelden: "Wir werden (...) sagen müssen, dass wir, nachdem die Bauarbeiten nun beendet sind, am Leistungskampf der deutschen Industrie künftig ebenfalls teilnehmen werden." (Dir. Bloch, S. 9)

Sitzung 210, 26.8.1938

- Nach dem Ausbau Lends sollen die deutschen Werke über eine Kapazität von 30.000 t/Jahr verfügen. "Herr Präsident Dr. Huber bemerkt hierzu, dass bei der autarkischen Wirtschafts-weise Deutschlands ein Rückgang im Absatz nicht grosse Ausmasse einnehmen sollte." (S. 2)

Sitzung 211, 26.10.1938

- "(...) Herr Ständerat Dr. Keller berichtet über neuere Erfahrungen in wirtschaftlichen Unternehmungen Süddeutschlands. Wir müssen bei unsern deutschen Gesellschaften mit aller Energie darauf dringen, dass, so schwer dies bei der grossen Zahl von Verordnungen heute ist, dieselben doch genauestens eingehalten werden, sodass keiner der von uns kontrollierten deutschen Gesellschaften irgend ein Vorwurf gemacht werden kann." (S.2)
Sitzung 212, 2.12.1938

- Situation in Deutschland: Man konstatiert "eine deutliche Wendung in der deutschen Politik (...). Früher wollte man Rheinfelden wegen seiner Nähe zur französischen Grenze nicht weiter vergrössern, während sich heute niemand um diese Seite der Frage mehr kümmert und man durchaus einverstanden wäre, wenn wir eine allfällige Erweiterung ebenfalls in Rheinfelden durchführen würden." (Dir. Dr. Weber, S. 2)

Die Delegation ist sich einig darin, dass Rheinfelden nicht noch weiter ausgebaut werden soll (wahrscheinlicher Grund: Furcht vor Überkapazitäten, Aluminiumexporten Deutschlands und einem Preisverfall). Eher will man in eine Senkung der Produktionsquote einwilligen, sofern ein neues Aluminiumwerk in Deutschland entstünde. Ausserdem soll der Bau des KW Rheinau forciert werden. (S. 6)

- Werk Lend: "Wir hoffen, dass nach Fühlungnahme zwischen diesem Herrn [dem Wiener Gauleiter Bürkel] und den lokalen Parteivertretern das Verhältnis zwischen Fabrikleitung, Betriebsobmann und lokalen Parteiinstanzen sich nun bessern werde." (Dir. Dr. Weber, S. 13)

Sitzung 213, 23.12.1938

- Auch das Werk Lend wurde in eine GmbH (Salzburger Aluminium Gesellschaft m.b.H.) umgewandelt. Vom AIAG-VR beteiligt sich nur Dr. Wetter an der Gesellschaft. (S. 5f.)

Sitzung 214, 28.1.1939

- Massnahmen im Falle eines Krieges: "Wir werden vielleicht dahin kommen, dass das leitende Personal in Neuhausen sich in die Verwaltungsfunktionen bei den ausländischen Gesellschaften teilen muss, sodass in der Hauptsache eine deutsch-italienische und eine englisch-französische Gruppe entsteht. Da der Schweizercharakter unserer Muttergesellschaft nicht bestritten werden kann, würden wir uns dann vielleicht in einer bessern Lage befinden als anno 1914." (Präs. Dr. Huber, S. 7)

- Salzburger Aluminium GmbH in Lend: "Herr Dir. Bloch teilt mit, dass der Vertrag ähnlich demjenigen für Rheinfelden ausgearbeitet worden ist. Es ist darin vorgesehen, dass die Eingänge in Devisen gepoolt und auf die verschiedenen Beteiligten aufgeteilt werden. Von dieser Regelung werden nicht berührt die beiden Gesellschafter Dr. Boschan und Dr. Paulssen, die ihre Erträge aus der Beteiligung in Deutschland in Mark direkt erhalten." (S. 9)

Sitzungen 215-218, 24.2., 17.3., 6. und 14.4.1939

- keine nennenswerten Bemerkungen -

Sitzung 219, 2.6.1939

- Situation in Lend: Es gibt weiterhin Spannungen zwischen der Werksleitung, dem Betriebsobmann und neuerdings auch dem Salzburger Gauleiter. "Der Betriebsobmann lässt sich immer wieder Eingriffe in den Betrieb zu Schulden kommen und die Zusammenarbeit mit ihm ist alles andere als angenehm. Um die Situation zu verbessern, wurde Herr Fuchs, Prokurist der Aluminium-Walzwerke Singen und Vertrauensmann der NSDAP daselbst für eine zeitlang nach Lend versetzt (...)." Der Gauleiter habe jedoch erklärt, "die Anwesenheit von Herrn Fuchs in Lend sei unerwünscht. (...) Unsererseits bestand die Auffassung, dass wir die beiden Herren Dr. Baumgartner [Betriebsleiter in Lend] und Fuchs (...) nicht zurückziehen sollten, um klarzustellen, dass wir nicht gewillt sind, jeder Forderung ohne Diskussion einfach Folge zu leisten." (Dir. Kurz, S. 12f.)
Beschluss: Mit dem Gauleiter soll so schnell wie möglich eine Besprechung stattfinden. "Auf die Fortsetzung der Tätigkeit von Herrn Fuchs in Lend braucht kein Gewicht gelegt zu werden. Was Herrn Dr. Baumgartner anbetrifft, werden wir ihn halten, so lange es möglich ist, ihn aber lieber freiwillig ersetzen, als dass seine Entfernung von Lend verlangt wird."
(S. 14f.)

Sitzung 220, 14.7.1939

- Situation in Lend: "Herr Dir. Kurz teilt mit, dass anscheinend die Stimmung der Staats- und Parteiinstanzen gegen Lend sich etwas gebessert hat (...)." (S. 4)

Sitzung 221, 31.8.1939

- keine nennenswerten Bemerkungen -

Sitzung 222, 30.10.1939

- Bauxitlieferungen für das Martinswerk: "Herr Dir. Bloch teilt mit, dass die Engländer und Franzosen bisher alle Bauxitdampfer, die aus dem Mittelmeer nach Rotterdam gehen sollten, angehalten haben. Die Zufuhr auf dem Seewege ist vollständig abgeschnitten. Die Deutschen versuchen nun von Ungarn, Jugoslavien und eventuell Rumänien, Lieferungen in Gang zu bringen." (S. 3)

- Schaffung der ALIG: "Herr Dir. Bloch macht Mitteilungen über die getroffene Organisation und das Bureau in Konstanz. (...) Die einzelnen Gesellschaften, welche in der Interessen-gemeinschaft zusammengeschlossen sind, begeben sich ihrer Rechte nicht und bleiben absolut selbständig." (S.11)

Sitzung 223, 8.12.1939

- Vergrösserung des Werks Rheinfelden: Die deutschen Behörden verlangen eine Kapazitätserweiterung um 4000 t (ursprünglich 2000 t). "Vorläufig kann lediglich gesagt werden, dass die deutschen Behörden ihre Hilfe für die Beschaffung von Baumaterialien zugesagt haben und dass auch die Energie für den Betrieb des erweiterten Werkes erhältlich sein soll. Die Besprechungen über diese Angelegenheit wurden anfangs der laufenden Woche in Berlin von Herrn Dr. Paulssen geführt." (Dir. Kurz, S. 2)
Ständerat Dr. Keller ist "keineswegs erfreut darüber, dass Rheinfelden weiter ausgebaut werden soll" und plädiert für "Zurückhaltung". Grund: Furcht vor Überkapazitäten, Preiszerfall und der Notwendigkeit von Frankeninvestitionen. (S. 3f.)
Dir. Bloch erwidert: "Wenn wir unsere Stellung in Deutschland aufrecht erhalten wollen, namentlich auch für die Nachkriegszeit, dann wird uns kaum viel anderes übrig bleiben, als der Erweiterung um 4000 t zuzustimmen." (S. 4) Die Deutsche Bank habe der AIAG einen Kredit in Höhe von 3 Mio. RM angeboten, so dass Frankeninvestitionen vermieden werden könnten.

Sitzung 224, 22.12.1939

- Die Deutschen beschweren sich darüber, dass die AIAG an die Alliierten mehr Metall liefere als an Deutschland. Dr. Paulssen habe die Angelegenheit jedoch vorläufig bereinigen können. (Dir. Bloch, S. 15)

Sitzungen 225 und 226 , 29.1. und 26.2.1940

- keine nennenswerten Bemerkungen -

Sitzung 227, 15.3.1940

- Die Zentralverwaltung der AIAG wird von Neuhausen nach Lausanne-Ouchy verlegt. (S. 9)
Sitzung 228, 17.4.1940

- Präs. Dr. Huber will sein Amt als VR-Präsident der AIAG nur noch ehrenamtlich fortsetzen. Grund: seine Präsidentschaft im IKRK. Es habe "für die Gesamtsituation unseres Landes eine grosse Bedeutung und er [Huber] möchte deshalb alles fern halten, was die absolut neutrale Stellung dieser Institution auch nur aufs leiseste gefährden könnte." (Präs. Dr. Huber, S. 8)
"Herr Bankier A. Hofmann bemerkt, dass sicher niemand in der ganzen Verwaltung die Tatsache sympathisch ist, dass wir wieder Kriegslieferanten geworden sind. Wir würden alle lieber Friedensaufträge ausführen. Gegen die eingetretene Entwicklung können wir aber nichts machen." (S. 8)

Sitzung 229, 18.4.1940

- keine nennenswerten Bemerkungen -

Sitzung 230, 21.6.1940

- Allgemeine Lage: Da kein Metall mehr nach Frankreich und England exportiert werden kann, hatte das Direktorium beschlossen, "vermehrte Lieferungen nach Deutschland zu übernehmen. Aus den Besprechungen mit Herrn Dr. Paulssen ergab sich, dass von deutscher Seite namentlich sofort verfügbare Ware gesucht wird. Wir haben nebst den bereits abgeschlossenen 700 t, die im Juli zu liefern waren, noch weitere 2300 t zur Lieferung übernommen." (Dir. Bloch, S. 2)

- Bewertung der ausländischen Beteiligungen: "massgebend für ihre Bewertung heute" seien "die kommenden Verdienstmöglichkeiten (...). Ebenso wird von Bedeutung sein, ob wir den im Ausland erzielten Nutzen einkassieren und transferieren können." (Vizepräs. Hofmann, S. 6)

Sitzung 231, 20.7.1940

- Allgemeine Lage: "Deutschland will verhindern, dass Metall aus der Schweiz nach England gelangt und will sich für seine eigene Rüstung möglichst viel von der Metallproduktion der Schweiz sichern. Unsererseits wird das grösste Gewicht darauf gelegt, dass wir mit unserm Werk in Porto Marghera weiterhin direkt verkehren können. (...) Wir werden uns (...) solange als möglich dagegen wehren, dass unsere Schweizerwerke reine Umarbeitungswerke für Deutschland werden, wobei unsere eigene Tonerde aus Italien zur Verwendung gelangen würde." (Dir. Steck, S. 2f.)


- "Beim Abschnitt Deutschland erkundigt sich Herr Dr. J. Weber nach den Energielieferungen für die letzten Erweiterungen des Werkes Rheinfelden, worauf Herr Dir. Kurz mitteilt, dass die ganze Energie aus Deutschland geliefert wird und deshalb keine Devisenfragen mit dieser Stromlieferung verknüpft sind." (S. 3)
"Herr Ständerat Dr. Keller erkundigt sich, ob die Genehmigung für die Umänderung der Aluminium-Industrie-Gemeinschaft Konstanz in eine Kommanditgesellschaft schon erteilt ist, was Herr Dir. Bloch verneint. Herr Dr. Paulssen glaubt aber bestimmt, die Bewilligung erhalten zu können. Auch Herr Dr. Boschan teilt diese Auffassung." (S. 4)

Weiter siehe dodis.ch/25263
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